GEMA-Reform 2013: Götz äußert sich zu Auswirkungen auf das n!prado
Die Ankündigung der GEMA, die Gebührenordnung für Veranstaltungen zum Anfang des Jahres 2013 zu ändern, sorgte für einen Aufschrei unter den deutschen Diskothekenbetreibern. Der Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) spricht von Gebührenerhöhungen von mehreren hundert Prozent, viele Tanzlokale würden aufgrund der explodierenden Abgaben schließen müssen. In diesem Zusammenhang haben wir uns mit Rudi und Markus Götz unterhalten, die für das n!prado, das Tiffany und das Rieser Tanzzentrum in Nördlingen verantwortlich sind.
Zunächst einmal das Wichtigste vorweg: Ja, auch das n!prado ist von der Gebührenerhöhung betroffen, und zwar enorm: Zwischen 300 und 400 % mehr müssten im kommenden Jahr an die GEMA abgedrückt werden, sollte sich die Reform durchsetzen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, und die Diskothekenbetreiber geben sich kämpferisch: “Grundsätzlich hat sich noch keiner mit der angedachten Erhöhung abgefunden,” so Markus Götz.
Diskotheken wehren sich
Momentan strebt der BDT eine Klage gegen die GEMA an, an der sich auch das n!prado finanziell beteiligen will. Davor muss aber noch ein Schiedsgerichtssspruch abgewartet werden, nach dem dann die endgültigen Forderungen der GEMA an die Diskotheken ab dem Jahr 2013 feststehen sollen. Der Widerstand beim BDT ist enorm, und das scheinbar aus gutem Grund: Bei einem Treffen von Diskothekenbetreibern im Mai in Hamburg, bei dem Rund 130 Tanzlokalbesitzer und auch Vertreter des n!prado anwesend waren, habe es nicht einen Anwesenden gegeben, der von der neuen Regelung profitieren würde. Markus und Rudi Götz kennen niemanden, der ab Januar 2013 weniger bezahlt. Die GEMA hatte unlängst die Gebührenänderung unter anderem damit begründet, dass kleine Clubs von nun an entlastet werden würden. Diese Einschätzung wird im Hause Götz nicht geteilt.
Folgen noch nicht absehbar – Vorerst kein Plan B
Wie es im Nördlinger Nachtleben im Jahr 2013 im Falle der Einführung der neuen Gebührenregelung weiter geht, steht indes noch in den Sternen. Fest steht nur, dass auch das n!prado vor massive Probleme gestellt werden würde. Markus Götz vergleicht: “Ein normaler Mieter könnte eine plötzliche Mieterhöhung von 300 bis 400 % auch nicht einfach so wegstecken. Natürlich müssten auch wir uns dann nach Lösungen umschauen.” Konkrete Pläne für den Fall der Fälle gibt es aber bislang nicht. Einige Diskothekenbetreiber überlegen dem Vernehmen nach, die Eintrittspreise zu erhöhen, im n!prado habe man darüber noch nicht nachgedacht. Schließlich berechnet sich der neue Abgabenschlüssel auch über die Eintrittsgelder, profitieren würde von einem verteuerten Einlass also wieder die GEMA. Horrorvisionen, die zuletzt auf Facebook die Runde machten, wo derzeit in einer populären Gruppe von Eintrittspreisen von 25 bis 60 Euro die Rede ist, kann Götz jedoch eine klare Absage erteilen. Das sei “komplett unrealistisch”.
Auch Tiffany und Rieser Tanzzentrum betroffen
Ebenfalls stärker zur Kasse gebeten werden sollen ab 2013 das Tiffany in Nördlingen und das Rieser Tanzzentrum in Pfäfflingen. Während sich beim Tiffany die Kosten verdoppeln bis verdreifachen sollen, bewegen sich die Tariferhöhungen beim Rieser Tanzzentrum in etwa in der gleichen Größenordnung wie beim n!prado. Das könnte zur Folge haben, dass zukünftig einzelne Veranstaltungstage wegfallen könnten. Bei kleineren Kneipen wie zum Beispiel dem Cafe Amadeus steigen die Gebühren hingegen nicht im selben Ausmaß wie bei den Diskotheken. Das liegt daran, dass die GEMA nach der Reform die Gebühren neben den Eintrittspreisen nur noch über die Größe der Veranstaltungsräume berechnet. Lokalitäten ohne Tanzfläche kommen beim neuen Schlüssel also etwas besser weg als Tanzclubs.
Weitere Protestaktionen geplant
Vorerst will man sich im Hause Götz vor allem auf die Mobilisierung der Öffentlichkeit konzentrieren. Es gibt eine Online-Petition gegen die Tariferhöhungen (http://openpetition.de/petition/online/gegen-die-tarifreform-2013-gema-verliert-augenmass), die Diskothekenbesitzer erhoffen sich dadurch die Steigerung des öffentlichen Drucks auf die GEMA. Bereits am vergangenen Samstag beteiligte sich das n!prado am deutschlandweiten Protest in Diskotheken und drehte für fünf Minuten die Musik ab. Bis zum Ende der Online-Petition Anfang Oktober soll in der Nördlinger Diskothek noch die eine oder andere Aktion starten, um das Bewusstsein im Partyvolk auf die für viele Clubs gefährliche Entwicklung zu stärken. Bis endgültig feststeht, in wie weit die neuen GEMA-Tarife das Nachtleben im Landkreis beeinflussen, vergeht also noch einiges an Zeit.
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