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Alice Weidel spricht in Donauwörth (Bild: Mara Kutzner)

AfD-Wahlkampf: Alice Weidel schießt gegen etablierte Parteien

Alice Weidel kämpft in Donauwörth für Wählerstimmen der AfD. Über 400 Besucher kann sie am Sonntagabend mit ihrer Art der Wahlkampfrede begeistern. Der Veranstaltung ging eine Gegendemonstration voraus. 

Donauwörth – Wie berichtet war Alice Weidel am Sonntagabend zu Gast in Donauwörth. Sie ist neben Alexander Gauland Spitzenkandidatin der AfD für den Deutschen Bundestag. Im Saal im Gasthof zum Deutschmeister in der Parkstadt blieb kein Platz frei. Viele Zuschauer mussten im Foyer stehen, um die Rede der Politikerin zu hören. Als über 400 Interessierte in der Gastwirtschaft waren, musste der Sicherheitsdienst weitere Besucher am Eingang abweisen.

Alice Weidel kam fast eine halbe Stunde zu spät zum Veranstaltungsort. Grund für die Verspätung waren Protestaktionen auf der Straße vor dem Gasthaus. Der Fahrer von Alice Weidel musste umkehren, nachdem er in die Straße eingefahren war, auf der demonstriert wurde.

AfD-Veranstaltung in Donauwörth beginnt mit Protesten

Vor ihrem Auftritt gab Alice Weidel den Journalisten von „Welt“ und „N24“ ein Livevideo-Interview im Nebenzimmer des Gasthauses. Die Besucher im Saal hörten den Reden Peter Böhringers, Finanzexperte und AfD-Direktkandidat aus dem Wahlkreis Amberg und Peter Felsers, Direktkandidat aus Kempten zu.

Um kurz nach 20.00 Uhr trat Alice Weide ans Rednerpult, wo sie von Jubel und Beifall begrüßt wurde. Viele zückten die Handykamera, um die AfD-Frau vor die Linse zu bekommen. Über die Geschehnisse vor wenigen Minuten auf der Straße verliert Weidel keinen Ton.

Als die 38-jährige Investmentbankerin, Unternehmensberaterin und Politikerin beginnt, gegen die etablierten Parteien zu schießen, zieht sie die Zuschauer schnell in ihren Bann. Franz Josef Strauß, ehemaliger CSU-Vorsitzender, würde sich schämen, wenn er hören würde, dass sich die CSU heute für die „Legalisierung illegaler Einwanderung einsetzt“. Wenn Weidel sagt, Angela Merkel sei „im Herzen eine Grüne“ und Seehofer ein „Handtaschenwaldi“ johlen und lachen die Zuhörer.

Weidel plädierte in Donauwörth für die Abschaffung der „Kalten Progression“. Sie selbst wuchs mit zwei Geschwistern und ihren Eltern auf. „Die Mutter war Hausfrau, der Vater arbeitete und es hat gereicht. Heute ist das anders!“ ruft sie in Mikrofon.

Zuvor behauptete Weidel, die etablierten Parteien würden nach der Bundestagswahl am 24. September, das Bargeld abschaffen und mit der Abstimmung für die Ehe für alle, habe die Regierung vom Netzwerkdurchsetzungsgesetzt ablenken wollen, welches am gleichen Tag verabschiedet wurde.

Völlig Kontrovers wird Weidels Rede spätestens beim Thema Familienpolitik. Im Wahlprogramm spricht sich die Partei für ein „klares Familienbild“ aus und erklärt die Gender-Ideologie als „verfassungsfeindlich“. Die Familienpolitik des Bundes und der Länder solle sich laut Programm, am „Bild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern“ orientieren und die AfD lehnt darin alle Versuche ab, „den Sinn des Wortes Familie auf andere Gemeinschaften auszudehnen“. Dass Alice Weidel selbst in einer lesbischen Partnerschaft lebt und mit ihrer Partnerin gemeinsam deren Kinder groß zieht, widerspräche den Inhalten der AfD aber nicht. Weil die meisten Paare heterosexuell sind und somit auch die meisten Kinder mit heterosexuellen Eltern aufwachsen, seien solche Familienkonstruktionen „das tragende Fundament der Gesellschaft“, und sollten besonders entlastet werden.

„Nach Terroranschlägen setzten die Medien uns weinende Kopftuchmuttis vor“

Nachdem Weidel sich über 45 Minuten in Rage redet und mit den etablierten Parteien abrechnet, will sie ihren Vortrag beenden. „Es ist ziemlich heiß hier drin und Sie sind ja schon länger da wie ich“, sagt Weidel. Zuschauer wedeln sich mit den schwarz-rot-goldenen AfD-Flyern kühle Luft zu. Im Saal ist es heiß und stickig. Trotzdem fordert das Publikum die Rednerin auf noch zum Thema Sicherheit und Terror zu sprechen. Weidel steigt jetzt erst recht ein und scheint voll und ganz in ihrem Thema zu sein. Sie erinnert an den „Edeka-Anschlag“ in Hamburg und an den Anschlag in Barcelona und kritisiert, die Opfer seien in den Medien „Gesichts- und Geschichtslos“ dagegen „werden uns in den Nachrichten tunesische Kopftuchmuttis vorgesetzt, die um den Sohn weinen“.

Fast eine Stunde hat Weidel jetzt gesprochen. Dann hält sie ihr Smartphone hoch. „Geben sie mal bei Google Mann und Messer ein. Ich mach das jetzt.“ sagt sie und tippt auf das Display. Sie liest vor :“Mann bedroht Hausbewohner mit Messer“, „Versuchter Mord – Mann greift eigene Ehefrau an“, „Mann in Jogginghose zückt ein Messer“ und so weiter. Durch das Publikum geht ein Raunen.

„Ich bin in die Politik gegangen, weil ich Wutbürgerin bin!“ ruft Weidel zum Abschluss und „wir von der AfD werden denen im Bundestag auf den Kopf steigen!“. Beifall und Standig Ovationes gehen in das obligatorische Singen der Nationalhymne am Ende einer AfD-Veranstaltung über. Das finden jetzt sogar einige Zuschauer „etwas kindisch“, wie man tuscheln hört.

 

 

 

 

 

 

 

Über Mara Kutzner

Redakteurin für online und blättle. Regionalpolitischen Kontroversen und sozialkritischen Themen geht sie mit Nachdruck auf den Grund. Stellt gerne kritische Fragen. Geht im Landkreis fürs blättle auf die Suche nach tollen Lifestyle Produkten. Ist auch privat sozial engagiert.
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