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Die Kapelle von Druisheim (Bild: Verena Gerber-Hügele).

Auf dem Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg von Mertingen nach Kloster Holzen

Der Bayerische-Schwäbische Jakobusweg ist ein Fernwanderung Abschnitt des großen Wegenetzes des berühmten Jakobsweges, der aus verschiedenen Teilen Europas in Richtung Santiago de Compostela in Spanien führt. Unsere Redakteurin hat sich auf den Weg nach Mertingen gemacht, um von Mertingen nach Kloster Holzen zu pilgern. Heute könnt ihr den zweiten Teil der Pilgerreise lesen.

Von ihrem Haus laufen wir zur katholischen Pfarrkirche St. Vitus. Dort hat Günter Willner bereits aufgeschlossen und erwartet uns für eine kleine Kirchenführung. „Gewidmet ist die Kirche dem Heiligen Vitus, erbaut wurde sie unter der Herrschaft von Kloster Holzen“, erzählt Willner. Druisheim stand einst unter der Herrschaft der Pappenheimer, danach erwarben es die Fugger. Im Jahr 1652 kaufte die Äbtissin des
Benediktinerstifts Holzen Druisheim, unter dessen Herrschaft der Ort 150 Jahre lang stand. In diese Zeit fällt auch der Bau der Pfarrkirche. Die Deckengemälde erzählen aus dem Leben des Heiligen Vitus und stammen von Matthäus Günther, dem letzten Großmeister des Schwäbischen Rokoko. Wer auf dem Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg unterwegs ist, sollte unbedingt einen Blick in die wundervoll ausgestattete Kirche werfen. Ein Muss ist auch die einige Schritte entfernt liegende Kapelle zu Druisheim, da es sich um einen echten Wallfahrtsort handelt. Günter Willner erzählt: „Der mündlichen Überlieferung nach stürzte der Müller von Druisheim bei seiner Arbeit in die Fluten der Schmutter und wurde unter die Eisdecke gezogen. In seiner Not tat er das Gelübde, der Mutter Gottes einen Bildstock an dieser Stelle zu errichten, sollte er lebendigen Leibes wieder aus der Notlage herauskommen. Er entrann dem Tod und erfüllte sein Versprechen,“ so Willner. Mit der Zeit wurde um den Bildstock zunächst ein Unterstand, später die Kapelle errichtet. Etwas Besonderes stellt der prächtige Altar dar, denn er wirkt luftig und leicht in den Raum gehängt. „Der Künstler des Altars ist unbekannt, aber auch hier zeichnet sich Matthäus Günther für die Ausmalung verantwortlich. Alljährlich wird am Freitag vor Palmsonntag das Patrozinium der Kapelle gefeiert, dies ist seit Jahrhunderten ein fester Termin. Über die Zeit sind zahlreiche Hilfesuchende zum Bildstock der ‚Schmerzhaften Muttergottes‘ gepilgert, hinterlassene Bilder, wächserne Füße und Arme und zurückgelassene Krücken künden von Gebetserhörungen und Heilungen“, erläutert Günter Willner. Das erstaunt auch Gabriele Schmid, denn bisher wusste sie nicht, dass es sich bei der Kapelle um einen Wallfahrtsort direkt vor der eigenen Haustüre handelte. Ganz ehrfürchtig nimmt sie nach der Besichtigung den großen Türschlüssel – ein Original aus der Erbauungszeit 1749 – entgegen und schließt die Kapelle wieder zu. Wir werfen noch einen Blick hinüber zur Mühle und laufen am neu angelegten Biotop mit der Fischtreppe vorbei in Richtung Kloster Holzen, das wir von hier aus bereits sehen können. Ich frage Gabriele Schmid, ob sie bei ihrer ersten Pilgerreise auf dem Camino schon wusste, dass sie darüber schreiben würde. Sie lacht: „Nein und gerade gut ist es, dass ich davon noch nichts ahnte. Das kam erst am Schluss meines Weges in Santiago. Da sagte mein Schutzengel zu mir: Und jetzt schreibe ein Buch über deinen Camino und bringe es bei einer zweiten Pilgerreise mit hierher. Da dachte ich mir, wie bitte, ich soll ein Buch schreiben? Dann fi ng ich an und die Worte sind nur so gesprudelt. Auch habe ich den Engel beim Wort genommen und das Buch auf meinem zweiten Camino im Rucksack mitgenommen. Auch über diese Reise habe ich dann geschrieben. Im letzten Jahr war ich dann auf meinem dritten Camino – an diesem Buch schreibe ich gerade. Jetzt nennen Sie mich Buchautorin, und ich kann es manchmal noch immer nicht fassen.“

Entlang der Schmutter bis Kloster Holzen

Während wir uns unterhalten, sind wir schon in Allmanshofen angekommen und damit knapp aus dem Landkreis Donau-Ries hinausgelaufen. Entlang der Schmutter geht es durch ein bilderbuchartiges Wäldchen zu Kloster Holzen. Wir erklimmen die Stufen und treten durch das Tor auf das Klostergelände. Der Legende nach wurde es 1150 durch Marquard von Donnersberg als Doppelkloster der Benediktiner gegründet. Wie wir zwischen den Gebäuden und der Klosterkirche umhergehen, fragen wir uns, was diese alten Mauern wohl schon alles gesehen und erlebt haben. Kloster Holzen ist auf dem Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg eine Tagesetappe von Donauwörth entfernt. Dem müden Pilger stehen im heutigen Hotel Zimmer zur Verfügung. Eine Führung oder auch eine Lauschtour mit Kopfhörern über das Gelände ist lohnenswert, denn es gibt viel zu entdecken und Geschichtliches zu erfahren.

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