• blaettle 14/15
    blaettle 14/15
  • blaettle 12/13
    blaettle 12/13
  • blaettle 10/11
    blaettle 10/11
Home / Das Beste aus dem blättle / Titelthema: Erneuerbare Energie / Auf ein Tässchen mit Jürgen Wollny, Bezirkskaminkehrmeister aus Rain
Bezirkskaminkehrmeister Jürgen Wollny aus Rain (Bild: privat)

Auf ein Tässchen mit Jürgen Wollny, Bezirkskaminkehrmeister aus Rain

In jedem blättle laden wir einen Gesprächspartner zu einem 50-Fragen Interview ein. Im aktuellen Heft haben wir Bezirkskaminkehrmeister Jürgen Wollny getroffen, der uns zu unserem aktuellen  Titelthema „Erneuerbare Energie“ einige wichtige Fragen beantworten und über die neuesten Entwicklungen in seiner Sparte aufklären konnte. Außerdem haben wir uns zum Neuen Jahr natürlich auch ein bisschen Glück „abgestaubt“. Das komplette Interview lest ihr in unserem aktuellen blättle (Ausgabe 12) – hier haben wir 10 Fragen für euch herausgepickt:

Grüß Gott Herr Wollny, ich freue mich sehr, dass Sie sich heute Zeit für unser Regionalgespräch nehmen. Das Motto unseres Gesprächs lautet immer „Auf ein Tässchen mit …“

1 Was trinken Sie, Tässchen Kaffee oder Tässchen Tee?

Jürgen Wollny: Sowohl als auch. In der Früh und bei der Arbeit eher Kaffee. Am Nachmittag zu Hause machen wir Teezeit.

Seit über 20 Jahren sind Sie als Kaminkehrer für den Bezirk Rain zuständig. Lassen Sie uns einwenig über diesen speziellen Beruf reden.

2 Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Jürgen Wollny: Das ist eine gute Frage. Mit 15 Jahren lag ich einmal krank im Bett und schaute aus dem Fenster. Da sah ich auf dem gegenüber liegenden Dach einen Mann laufen, der an den Kaminen gearbeitet hat. Das hat mir gefallen, das wollte ich auch machen. In der Schule hatte ich es damals mit diesem Berufswunsch bei den Mitschülern nicht leicht, da der Beruf ja immer mit Schmutz und auch mit Straßenfegerarbeit assoziiert wurde. Aber meine Lehrer haben mich unterstützt. Ich wollte auf jeden Fall einen handwerklichen Beruf ergreifen. Alst Alternativen hatte ich Schlosser oder Fliesenleger im Kopf. Mein Vater war Schlosser und am Fliesenleger gefiel mir der kreative Teil der Arbeit. Doch der Mann auf dem Dach ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. (lacht)

3 Was waren früher die klassischen Aufgaben des Schornsteinfegers, und was kommt heute neu dazu, gerade beim Thema Energieberatung?

Jürgen Wollny: Klassische Ausgaben sind das Säubern des Schlotes und vor allem der vorbeugende Brandschutz. Das ist auch heute noch immer der Kern des Berufes. Eine andere Hauptsäule ist mittlerweile der Umweltschutz. Der Emissionsschutz ist sehr viel effektiver geworden. Obwohl heute mehr Menschen heizen als zu früheren Zeiten, ist die Luft heute besser als damals. Bei einem Standarttermin prüfen und messen wir Schornsteinfeger die Heizanlage und schaue, dass die gesetzlichen Richtwerte eingehalten werden. Hinzu kommt, dass der Kaminkehrer heute auch in Sachen Energie und Heizen berät.

4 Welche verschiedenen Formen von Anlagen gibt es und was sind die aktuellen Trends in Sachen Wärme und Heizen?

Jürgen Wollny: Wir unterscheiden drei Formen von Anlagen: Brennstoffanlagen für Gas, für flüssige Brennstoffe wie Öl und für feste Brennstoffe wie Holz oder Pellets. Alle diese Anlagen sind prüf- und messpflichtig und müssen regelmäßig überwacht werden. Hinzu kommen noch Fernwärmeanlagen. Hier in der ländlichen Gegend geht der Trend hin zu Feststoffanlagen mit Holz oder Pellets. Das war im Gegensatz zu Österreich in Deutschland lange Jahre in Vergessenheit geraten und jeder hatte einen Öltank im Keller. Öl als Heizstoff ist stark auf dem Rückzug. In den Städten ist die Fernwärme mehr und mehr aktuell. Auch elektrobasierte Wärmepumpen werden verstärkt eingebaut. Ich finde es wichtig, dass Deutschland hier auf mehrere Säulen setzt und man nicht nur von einer Heizvariante abhängig ist.

5 Sie treffen die Menschen im Zuge Ihrer Arbeit meist in den privaten Räumen an. Müssen da oft erst Bilder abgehängt oder Möbel verrückt werden, um die Arbeit erledigen zu können?

Jürgen Wollny: Ich komme nur zu vorab abgesprochenen Terminen und nicht unangemeldet zu meinen Kunden. Da haben die Leute sich meist auf meinen Besuch vorbereitet. Deshalb kommt Möbelrücken bei mir eher selten vor. Aber skurrile Dinge passieren schon manchmal. In Münster kam ich einmal zu einem Ehepaar. Ich kam auf Termin und der Ehemann sagte zu mir, ich solle einfach runter in den Keller gehen. Die Herrschaften hatten dort neben der Heizanlage allerdings auch eine Dusche, und die Ehefrau stand gerade darunter. Ein anderes Mal kam ich in eine frisch geweißelte Wohnung. Der Mannn hatte das Ofenrohr abmontiert, aber vergessen, das Loch mit einer Plane zu verschließen. Ich habe also den Kamin gerußt und der schwarze Staub kam durchs Loch und setze sich auf die frisch gestrichene weiße Wand (lacht). Obwohl es eigentlich eher zum Weinen war wegen der vielen Arbeit, konnte der Mann trotzdem über die Situation lachen.

6 Sie leiten den Betrieb als Familienunternehmen, Ihre beiden Söhne sind auch Schornsteinfeger. Freuen Sie sich, dass die Tradition fortgeführt wird?

Jürgen Wollny: (lacht) Ich habe beiden Söhnen empfohlen, sich auch andere Berufe anzusehen, bevor sie sich entscheiden. Beide haben auch diverse Praktika in anderen Berufen gemacht, doch beide haben sich aus eigener Entscheidung für den Beruf des Schornsteinfegers entschieden. Natürlich freut mich das auch. Einer der Söhne arbeitet bei mir mit, der anderen hat seinen Kehrbezirk in Marxheim.

7 Sie haben Ihren Betrieb in Rain. Stammen Sie auch aus der Region?

Jürgen Wollny: Nein, ursprünglich stamme ich nicht aus Rain, ich komme aus Augsburg. Ich bin dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach Rain kam ich mit meiner Frau und den Kindern erst, als ich den Kehrbezirk hier bekommen habe.

8 Haben Sie mittlerweile einen Lieblingsort oder Lieblingsplatz im Landkreis Donau-Ries?

Jürgen Wollny: Nein, einen Lieblingsplatz habe ich eigentlich nicht. Die Parkanlagen hier in Rain finde ich sehr schön, alber als speziellen Lieblingsplatz würde ich das nicht bezeichnen.

9 Der Schornsteinfeger gilt ja auch als Glücksbringer, vor allem jetzt zum neuen Jahr. Kommt es oft vor, dass die Menschen Ihnen auf die Schulter klopfen wollen, um sich Glück zu verschaffen?

Jürgen Wollny: Ja, das kommt sehr oft vor. In der Stadt noch öfter als auf dem Land. Wenn ich morgens noch frisch und ohne Ruß unterwegs bin, sind die Leute sogar eher enttäuscht, wenn sie beim auf die Schulter klopfen keinen Ruß abkriegen.

10 Welche Glückwünsche haben Sie für unsere Leserinnen und Leser für das Jahr 2017?

Jürgen Wollny: In der heutigen Zeit wünsche ich uns allen ein bisschen mehr Gelassenheit, dass wir alles etwas ruhiger angehen lassen. Und natürlich Gesundheit, das ist, denke ich, unser höchstes Gut.

Über Verena Gerber-Hügele

Chefredakteurin. Hat die Oberaufsicht übers blättle. Macht am liebsten Reportagen, Reiseberichte und Interviews. Auch verantwortlich für Art Direction und Freihandzeichnungen im blättle. Naturverbunden, hält sich zu Hause einen halben Bauernhof.