25. März 2020, 08:00

Ein Leben auf der anderen Seite der Welt

Bild: Doris Sandner
Doris Sandner ist 46 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Monheim und lebt bereits seit 15 Jahren in Australien. Wie es zur Auswanderung kam, was sie alles beachten musste und wie das Leben in diesem weit entfernten Land ist, hat sie unserer Redaktion verraten.

Die Geschichte geht bis in das Jahr 1948 zurück, als Doris’ Tante nach Australien auswanderte und sich dort ein neues Leben aufbaute. Um die Verwandtschaft nicht aus den Augen zu verlieren, muss man sich gegenseitig besuchen – und das tat Doris Sandner. Zweimal flog sie auf die andere Seite der Welt, um dort Urlaub zu machen und ihre Tante zu besuchen. Da ihr das Land gefiel und sie ihre Sprachkenntnisse verbessern wollte, beschloss sie im Jahr 2000 erneut nach Australien zu fliegen und dieses Mal „Work and Travel“ zu machen.

In der Umgebung der Stadt Geelong arbeitete Doris Sandner ein Jahr lang und lernte währenddessen ihren heutigen Ehemann Ian kennen. Nachdem sie nach ihrem „Work and Travel“-Aufenthalt wieder zurück nach Deutschland musste, wollte sie jedoch weiterhin mit ihrem Partner zusammen sein. „So fing ein Hin und Her zwischen Australien und Deutschland an. Vier Jahre lang musste ich nach sechs Monaten Aufenthalt immer wieder Australien verlassen, weil mein Visum abgelaufen war, das war sehr anstrengend“, erklärt Doris Sandner. In dieser Zeit kamen ihre Tochter Zoe (18 Jahre) und ihr Sohn Sergej (15 Jahre) in Deutschland zur Welt. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes war dem Paar klar, dass sie heiraten und von nun an fix in Australien leben möchten. Nach der Hochzeit – Ian hat ebenfalls deutsche Wurzeln, daher der deutsche Nachname „Sandner“ – erhielt Doris eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, welche sie alle fünf Jahre erneuern muss. „Es ist soviel Aufwand mit den Pässen und man zahlt viel Geld für nichts, deswegen habe ich mich dafür entschieden, meinen deutschen Pass zu behalten“, so die Auswanderin. In Australien kam dann ihr drittes Kind Iggy (12) zur Welt.

Große Unterstützung aus Deutschland

Die Nachricht, dass Doris Sandner nach Australien auswandern wolle, schockte ihre Eltern damals sehr, erinnert sich die 46-Jährige zurück. „Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt. Wenn ich jetzt mit meiner Familie zu Besuch komme, finden wir jederzeit ein freies Plätzchen bei meinen Eltern.“ Alle eineinhalb Jahre – einmal im Winter, einmal im Sommer – fliegt die Familie Sandner nach Deutschland, um die Großeltern zu besuchen. Auch die Eltern von Doris Sandner waren bereits zweimal in Australien, um ihre Tochter und deren Familie zu sehen.

Seit 15 Jahren lebt Doris nun mit ihrer fünfköpfigen Familie in Jan Juc, einem kleinen Städtchen direkt am Meer, etwa 100 Kilometer südlich von Melbourne entfernt. „Wenn wir anden Klippen stehen und auf das Meer blicken, können wir Delfine, Haie, Rochen und Wale sehen“, erzählt Doris Sandner.

„In Australien herrscht in etwa derselbe Lebensstandard wie in Deutschland“, so Doris Sandner. „Es gibt zum Beispiel eine private und eine gesetzliche Krankenversicherung, wobei die gesetzliche jedoch nicht so ist. Man erhält auch eine Rente, wenn man, wie in Deutschland eben auch, eingezahlt hat“, erklärt Sandner.

Vor allem das Schulsystem in Australien unterscheidet sich von den deutschen Standards. Die Kinder lernen viel langsamer, haben mehr Spaß und gehen gerne in die Schule. „In Australien kann man sich nicht aussuchen, welche weiterführende Schule man besucht. Die Kinder hier gehen bis zur sechsten Klasse in eine Grundschule, von der siebten bis zur zwölften Jahrgangsstufe besuchen sie die High- School“, so die 46-Jährige. „Das Leben in Australien unterscheidet sich gar nicht so sehr vom Leben in Deutschland. Außer, dass es viele giftige Tierarten gibt. Aber damit kann man leben“, schmunzelt Doris Sandner. „Wir haben Metall-Fliegengitter vor jedem Fenster und die Türen bleiben nie geöffnet. So kann es schon nicht passieren, dass eine Schlange in das Haus kommt. Ich habe auch keine Angst vor all diesen Tieren, nur einen gesunden Respekt“, so Sandner.

Auf die Frage, ob sie sich es denn vorstellen könne, wieder nach Deutschland zurück zu kommen, muss Doris Sandner nicht lange überlegen: „Wenn meine Kinder nicht mehr schulpflchtig sind, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass ich wieder zurückkomme, zumindest teilweise. Ein paar Jahre hier, ein paar Jahre dort. Das wäre in Ordnung.“

Bild: Doris Sandner