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Home / Region Donauwörth / Durch zwei Königinnen – Mutter und Tochter – miteinander verbunden
(Bild: Friederike Rieger)

Durch zwei Königinnen – Mutter und Tochter – miteinander verbunden

Donauwörth und Percholdsdorf – eine außergewöhnliche Städtepartnerschaft. Schon im 13./14. Jahrhundert waren die beiden Städte verbunden.

Die Historie ist etwas verzwickt und die Familienbande ist komplex, doch waren die heutigen Partnerstädte Donauwörth und Perchtoldsdorf bereits im dreizehnten Jahrhundert miteinander verbunden. Die Städtepartnerschaft des bayerischen Donauwörth und der Marktgemeinde Perchtoldsdorf in Niederösterreich besteht seit dem 6. Oktober 1973. Perchtoldsdorf zählt rund 15000 Einwohner und ist einer der zahlreichen Weinorte im Umkreis Wien. Dass die beiden Orte über zwei Königinnen aber bereits im 13./14. Jahrhundert miteinander in Verbindung standen, hat Donauwörths Stadtführerin und Buchautorin Frederike Rieger erforscht…

In Kurzform könnte man die historische Städteverbindung so zusammenfassen: Die eine Königin war Elisabeth, Ehefrau Konrads IV., Schwester Ludwigs des Strengen und Mutter Konradins. Ihr gehörten zwischen 1246 und 1266 Stadt und Burg Donauwörth. Die andere Königin war ihre Tochter Elisabeth, die aus der Ehe mit Graf Meinhard von Görz-Tirol hervorgegangen war. Sie war Ehefrau König Albrechts I., Stammmutter des Habsburger, und Halbschwester Konradins. Der Tochter gehörte Grundbesitz in Perchtoldsdorf. Durch Mutter Elisabeth von Wittelsbach und ihrer Tochter Elisabeth von Görz-Tirol lagen Donauwörth und Perchtoldsdorf also in der Hand einer Familie!

Aus der „bayrischen Chronik“ von Johannes Aventinus

„… Herzog Otto … gab sein tochter elspet, die vast schön und vernünftig, künftig Chunraden … zur ehe und jagt den päbstlichen Leganten Albrechten aus dem land, …“ mit diesen Worten berichtet der Geschichtsschreiber Johannes Aventinus in seiner „bairischen Chronik“ über die Hochzeit der neunzehnjährigen, bayerischen Prinzessin Elisabeth Tochter Herzogs Otto II. des Erlauchten von Bayern, mit König Konrad IV., dem Sohn Kaiser Friedrichs II. Diese Hochzeit, die vor 771 Jahren am 1. September 1246 in Vohburg gefeiert wurde, schuf eine enge Verbindung zwischen den Staufern und den Wittelsbachern. Der päpstliche Legat Albrecht Behaim, der im Auftrag des Papstes gegen die Staufer und diese Ehe agitiert hatte, wurde von Herzog Otto aus dem Land verjagt. Die Brüder der jungen Braut waren die Bayernherzöge Heinrich XIII. und Ludwig II., der Strenge, der in Donauwörth kein Unbekannter ist.

Elisabeth von Wittelbach erhält Burg und Stadt Donauwörth 

Königin Elisabeth, Witwe Albrechts (Bild: wikipedia gemeinfrei)

Als Morgengabe oder Witwengut übereignete Konrad IV. „seine Gemahlin Elisabeth“neben anderen Gütern auch Burg und Stadt Werd (Donauwörth), wie aus der Urkunde aus dem Jahr 1266 hervorgeht. Am 25. März 1252 schenkte Elisabeth auf der Burg Wolfstein bei Landshut einem Sohn das Leben Konrad, den die italienischen Quellen Conradino nannten. Er sollte seinen Vater Konrad IV. niemals sehen, denn dieser starb am 21. Mai 1254 in Süditalien an Malaria. Nach Konrads Tod kümmerte sich die Witwe gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig II. als Vormund um die Erziehung ihres Kindes. Elisabeth und ihr Sohn Konradin gehörten zum Hofstaat und Gefolge Ludwigs des Strengen. Wenn der Herzog für längere Zeit auf Reisen ging, nahm er Konradin und dessen Mutter mit. So auch im Januar des Jahres 1256, als Elisabeth tatenlos zusehen musste, wie ihr Bruder Ludwig bei einem Aufenthalt in Donauwörth seine Frau (Maria von Brabant) auf der Burg Mangoldstein enthaupten ließ. Während ihrer Witwenzeit traf Elisabeth aber auch selbstständige Verfügungen, bei denen sie sich als Königin von Jerusalem und Sizilien und Herzogin von Schwaben bezeichnete. Am 6. Oktober 1259 heiratete Elisabeth ein zweites Mal. Ihr Bräutigam, Graf Meinhard II. von Görz-Tirol, war etwa zehn Jahre jünger als Elisabeth. Die Verbindung mit einem einfachen Grafen stellte für eine Herzogstochter und Königswitwe eine nicht standesgemäße Ehe dar; einem Chronisten zu Folge ließen ihre Brüder Meinhard seinen minderen Rang auch spüren. So forderten sie ihn auf, vor der Hochzeit „den Rittergürtel zu nehmen“ (eine Vorstufe des Ritterschlages), da er andernfalls als Schwager untragbar wäre und die „Ehe nicht vollzogen werden könne“. Meinhard beugte sich. Vier Jahre nach der Hochzeit traf sie im April 1263 in Wilten bei Innsbruck mit ihrem Sohn Konradin zusammen, der bei dieser Gelegenheit seinen Onkel Herzog Ludwig aus Dankbarkeit, dass dieser ihn wie einen eigenen Sohn geliebt und erzogen habe, als seinen Universalerben einsetzte; eine Bestimmung, die er auf dem Hoftag von Augsburg 1266 auch auf Ludwigs Bruder Heinrich XIII. ausdehnte: Am 6. November 1266, bevor Konradin nach Italien aufbrach, wurde in Innsbruck eine vor allem auch für Donauwörth bedeutende Urkunde ausgestellt, die zugleich genau die Güter Elisabeths auflistet, die sie als Morgengabe oder Witwengut 1246 erhalten hatte.

Donauwörth geht von der Mutter an den Sohn Konradin.

In dieser Urkunde tauschte Elisabeth die Burgen Floss, Parkstein und Adelburg, Burg und Stadt Werd (also Donauwörth) sowie Möringen mit dem Heibisch mit ihrem Sohn Konradin gegen Imst, das Passeiertal, die Vogtei über Kloster Weingarten sowie das Land zwischen dem Berg Fern, dem Wald Scharnitz und Kufstein. Das heißt Burg und Stadt Donauwörth gehörten seit 1246 Elisabeth und gehen mit der Urkunde in den Besitz Konradins über. Augenblicklich danach übereignete Elisabeth die eingetauschten Ländereien an ihren Gemahl
Meinhard von Görz-Tirol. Noch am gleichen Tag gewährte sie ihrem Sohn einen Kredit über 2000 Mark Silber, um ein Heer für seinen Italienfeldzug auszurüsten.

Verpfändung von Burg und Stadt Donauwörth an Ludwig den Strengen

Drei Tage später verpfändete Konradin in Augsburg die eingetauschten Güter natürlich auch Stadt und Burg Donauwörth an seinen Onkel Ludwig II den Strengen. Dann zieht Konradin nach Italien in den Krieg, wo er nach der verlorenen Schlacht bei Tagliacozzo in Neapel 1268 hingerichtet wird. In Stams in Tirol, einem damals schon überregional geschätzten Wallfahrtsort zum Heiligen Johannes dem Täufer, gründeten Elisabeth und Meinrad 1273 ein Kloster, das auch als Familiengrablege der Grafen von Tirol dienen sollte. Aus dem Mutterkloster Kaisheim kamen Zisterzienser nach Stams, die nicht nur wegen ihrer Frömmigkeit und Bildung geschätzt wurden, sondern auch wegen ihrer wirtschaftlichen Kompetenz. Ein Bild in der Pfarrkirche von Stams zeigt die Ankunft der Kaisheimer Mönche. 1273, während ihr Mann sich zur Wahl des Habsburgers Rudolf zum König in Köln aufhält, starb Elisabeth und fand ihre Ruhestätte in der Klosterkirche in Stams.

Elisabeth von Görz-Tirol – Stammmutter der Habsburger

Königin Elisabeth, Gräfin von Tirol (Bild: Friederike Rieger)

„Kein König dürfe die Verschwägerung mit Graf Meinhard verschmähen“. Der österreichische Reimchronist Ottokar legte diese Worte Rudolf von Habsburg als Antwort auf die Frage in den Mund, ob er auch nach seiner Königserhebung noch zu dem abgesprochenen Ehebündnis zwischen Elisabeth, der Tochter des Grafen Meinhard von Görz- Tirol und der Wittelsbacherin Elisabeth, und seinem Sohn Albrecht stünde.

Zerstörung der Burg Mangold in Donauwörth

Diese Elisabeth, eine Halbschwester Konradins, wurde 1262 als eines der sechs Kinder Graf Meinhards und der Wittelsbacherin Elisabeth geboren. Sie, die Stammmutter der Habsburger, heiratete 1274 Albrecht, den Sohn Rudolfs von Habsburg. Als Albrecht 1298 zum König gewählt wurde, forderte er Burg und Stadt Donauwörth zurück. Da er auf Widerstand seines Cousins Rudolf, eines Sohns Ludwig des Strengen stieß, zerstörte er 1301 die Mangoldsburg und gab sie 1308 zum Abbruch frei. Am 1. Mai 1308 wurde König Albrecht in der Schweiz von seinem Neffen Johann von Schwaben, genannt Parricida (Verwandtenmörder), getötet. Friedrich Schiller thematisiert in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ diese Bluttat. Zur Erinnerung an die Familientragödie gründete seine Witwe Elisabeth das Kloster Königsfelden.

Elisabeth von Görz-Tirol in Perchtoldsdorf

Auch Perchtoldsdorf ging an die Habsburger zurück, die zunehmend Gefallen am Ort fanden. Sie bauten die Burg in den Jahren bis 1338 weiter aus, bis sie schließlich ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts den Status einer landesfürstlichen Nebenresidenz einnehmen konnte. Erste Bewohnerin der Burg war, nach einer Veröffentlichung von Dr. Rudolf Büttner, Elisabeth, römisch-deutsche Königin, Witwe König Albrechts I., die als Grundherrin den Plan gefasst hatte, in Perchtoldsdorf ein Spital zu errichten. 1313 starb Elisabeth und wurde im Kloster Königsfelden begraben. Maria Theresia ließ 1764 ihre Gebeine heben und nach Sankt Blasien im Schwarzwald transferieren. Nach der Säkularisation kamen ihre sterblichen Überreste nach Sankt Paul im Lavanttal, wo Königin Elisabeth dann ihre letzte Ruhestätte fand.

 

von unserer Gastautorin Friederike Rieger.

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