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Die Reichsstraße ohne Autos. Ein seltener Anblick, an den sich die Händler durchaus gewöhnen könnten. (Bild: Mara Kutzner)

Eine Reichsstraße ohne Verkehr

Entspannt durch die prächtige Reichsstraße schlendern, ohne auf den Verkehr achten zu müssen, die Straßenseiten wechseln. Viele Donauwörther wünschen sich, dass die Reichsstraße autofrei wird. Das ist leider nicht oft möglich. Aufgrund der Abrissarbeiten am ehemaligen Cafe Engel war das möglich. Und es ist auch irgendwie ein Testlauf für den von vielen Menschen gewünschten Schritt zur Fußgängerzone. 

Donauwörth – Als Autofahrer merkt man es bereits an der Kreuzung Berger Vorstadt / Salinger Straße, dass deutlich weniger Fahrzeuge gerade in Richtung Pflegstraße fahren wollen. Auch kommen einem deutlich weniger Fahrzeuge entgegen. Es ist klar, irgendwas ist in Donauwörth anders. Das Herzstück der Stadt, die Reichsstraße ist aufgrund von Bauarbeiten im Moment voll gesperrt. Ein Teil der Fahrzeuge wird über Sonnenstraße und Kronengasse umgeleitet. Zwischen der Abzweigung Augsburger Botengasse und Sonnenstraße ist die Reichsstraße eine Fußgängerzone und wird von den Passanten auch als solche verwendet. Die Menschen schlendern über die Straße und müssen keine Angst haben, von einem Auto erfasst zu werden. Und es sind zahlreiche Fußgänger an diesem Dienstagnachmittag unterwegs.

Auch die Außenbestuhlung der Cafés in der oberen Reichsstraße ist nahezu komplett ausgelastet. Es ist deutlich ruhiger und die Luft ist besser. Normalerweise fahren ja auch täglich tausende Fahrzeuge durch die Reichsstraße die Lärm und Feinstaub mit sich bringen. Der einzige Staub kommt aktuell von der Baustelle am ehemaligen Café Engel. Ansonsten ist es ungewohnt still in Donauwörths Zentrum.

Sperrung hat dem Handel nicht geschadet

Immer wieder wird gefordert, dass die Reichsstraße eine Fußgängerzone werden solle. Besonders in den sozialen Medien ist immer wieder die Rede davon. „Aus vielen Gründen wurde das bisher abgelehnt“, so Christiane Kickum, die als Vorsitzende die CID führt. „Wir haben durchaus Sorge gehabt, dass die Sperrung dem Handel in der Reichsstraße schadet. Erfreulicherweise haben die Rückmeldungen der Händler gezeigt, dass es nicht so schlimm war wie befürchtet. “ Trotzdem kann man die Sperrung der Reichsstraße als Testlauf sehen. Wäre es theoretisch möglich, die Prachtstraße zur Fußgängerzone zu erklären? „Das ist eine rein politische Entscheidung. Die CID hat sich hiermit noch nicht  beschäftigt.“ erläutert Kickum weiter. Aufgrund der Rückmeldungen der Händler, wird sich die CID nun im Vorstand und mit den Mitgliedern austauschen, ob man hier aktiv werden soll. Einen ersten Schritt hat man ja bereits unternommen, Samstags gelten einheitliche Öffnungszeiten bis mindestens 15:00 Uhr.

Sollte die Reichsstraße eine Fußgängerzone werden, müssten die Händler mit einer dauerhaften Sperrung für den Verkehr auskommen. Zu einem Verlust von Parkplätzen würde es durch die Sperrung nicht kommen, da in der Reichsstraße selbst nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Alle anderen Parkmöglichkeiten wären trotzdem zu erreichen. Für den Stadtbus müsste allerdings eine andere Lösung gefunden werden. In vergleichbaren Städten dürfen Busse Fußgängerzonen durchfahren.

Nicolas Greno führt seine Buchhandlung seit über zehn Jahren in der Reichsstraße. Er erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass man im Moment natürlich die Urlaubszeit merkt. „Aber die Passanten sind deutlich entspannter unterwegs und flanieren durch die Reichsstraße. Davon profitieren wir Händler natürlich, weil sich die Passanten mehr Zeit nehmen, um auch in die Schaufenster zu schauen.“ Greno würde sich eine häufigere Sperrung der Reichsstraße wünschen. „Natürlich ist es kaum möglich die Reichsstraße generell zu sperren. Aber die Samstage und Sonntage im Sommer könnten hierfür verwendet werden um die Attraktivität der Reichsstraße zu erhöhen,“ so der Buchhändler abschließend.

Hermann Bernreuther war am Montag selber in seiner Filiale in der Reichsstraße. „Die Kunden waren deutlich entspannter. Häufig wirken diese gehetzt, dazu kommt die Lautstärke von der Straße. An diesem Montag war das deutlich anders.“ Auch an den folgenden beiden Tagen, waren die Kunden in guter Stimmung, ebenso das Personal. „Man kann auch die Türe offen lassen, ohne, dass der ganze Lärm von der Straße hereinkommt.“ Der Händler selbst befürwortet die Einrichtung einer Fußgängerzone. „Natürlich müsste man deutlich mehr noch tun, wie nur die Reichsstraße sperren. Wir brauchen mehr Außenbestuhlung und die Optik müsste ansprechender gestaltet werden. Aber für die Einkaufsstadt Donauwörth wäre es eine deutliche Weiterentwicklung,“ so Bernreuther weiter.

Gastronomie profitiert von Sperrung

Auch die Gastronomie hat von der Sperrung profitiert. Normal sitzen die Gäste der Bäckerei Pfister direkt neben den stehenden Autos an der Fußgängerampel. Aufgrund der Sperrung hatten die Gäste an diesen Tagen eine deutlich angenehmere Situation. „Auf der einen Seite merken wir, dass wir im Laden etwas weniger Betrieb haben, besonders am Morgen. Das ist aber auch der Urlaubswoche geschuldet, die Situation ist ähnlich wie in der Vorwoche. Auf der anderen Seite ist im Cafe deutlich mehr los. Hier können die Gäste nun ohne den Verkehrslärm sitzen. Das möchte ich aber nicht allein auf die Sperrung der Reichsstraße beziehen, denn in dieser Woche sind auch viele Urlauber in Donauwörth unterwegs,“ erklärt uns Jutta Pfister.

Das Thema „Fußgängerzone in der Reichsstraße“ steht nicht auf der politischen Agenda, heißt es aus dem Donauwörther Rathaus. Pressesprecherin Annegret Moser erklärte hierzu, dass eine Vielzahl von Gründen dagegen spricht. Konrad Nagl ist Leiter des Ordnungsamts, und erklärt diese im Gespräch mit unserer Redaktion genauer. „Die Entscheidung, ob die Reichsstraße eine Fußgängerzone wird, ist eine rein politische Frage. Die Frage, die sich für uns als Ordnungsamt stellt ist, wo wir den Verkehr in Zukunft führen können. Für Veranstaltungen ist die Umleitung über Sonnenstraße und Kronengasse durchführbar. Eine dauerhafte Umleitung ist im Jahreslauf nicht darstellbar. Die Seitenstraßen können den Verkehr schlicht und ergreifend nicht aufnehmen. Mögliche Alternativen gibt es nicht. Damit haben wir ein Problem.“

Eine Lösung, in der die Reichsstraße zur Fußgängerzone wird, ist also nicht in Sicht. Für die Donauwörther bleibt damit nur das Ried als Fußgängerzone. Einziger Hoffnungsschimmer dürfte die CID sein, die sich nun mit dem Thema beschäftigt.

Über Matthias Stark

Geschäftsführer und Gründer. Immer direkt vor Ort wenn etwas passiert, auch in der Nacht. Verantwortlich für den Anzeigenvertrieb. Bespricht dienstliches gerne bei einem Arbeitsessen. Katzenliebhaber. Hat ein Faible für antike Holzmöbel. Bringt seine Tochter auch mal ins Büro mit.