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Hausgeburt - oder doch lieber ins Krankenhaus? (Bild: Pixabay)

Geburt zuhause oder in der Klinik?

Warum sich manche Frauen für Hausgeburten entscheiden, Hebammen diese Betreuung aber oft nicht anbieten können

Reimlingen – Nichts hier erinnert an das oft sterile Medizinische beim Arzt oder im Krankenhaus. Wenn man nicht wüsste, dass man in einer Praxis ist, könnte man im ersten Moment vielleicht denken, man  steht in einer gemütlich eingerichteten Altbauwohnung. Der Geburtsvorbereitungskurs ist eigentlich schon seit einer Viertelstunde beendet, einige Frauen stehen immer noch zusammen und plaudern …

„Ich will mein Kind selbstbestimmt ohne Interventionen von außen zur Welt bringen, eine natürliche Geburt eben“, sagt eine. „Bei der ersten Geburt im Krankenhaus hatte ich schlechte Erfahrungen gemacht, diesmal soll es anders werden“, stimmt eine andere zu. „Bei einer Hausgeburt mischt sich niemand in den natürlichen Ablauf der Geburt ein. Wichtig ist natürlich, dass man Vertrauen in die Erfahrung der Hebamme hat“, erwidert die nächste werdende Mutter.

Sie alle haben sich dazu entschieden, ihr Kind nicht im Krankenhaus auf die Welt zu bringen. Damit bilden sie aber die Minderheit. Weniger als zwei Prozent der Kinder in Deutschland werden zuhause geboren.

Auf die Frage warum das so ist, kennt Hebamme Isabel Graumann aus Reimlingen viele Antworten. Sie arbeitet als freiberufliche Hebamme im Zusammenschluss „Hausgeburten Ries“ mit zwei weiteren Hebammen zusammen und begleitet seit 1996 ausschließlich Hausgeburten. Damit ist sie eine der wenigen Geburtsbegleiterinnen überhaupt, die die Betreuung während einer Hausgeburt übernehmen.

„Die Geburtshäuser in Oettingen und Donauwörth haben geschlossen und viele Hebammen können keine Hausgeburten mehr betreuen“, stellt Graumann fest. Als Grund sieht sie vor allem die ständig steigenden Beiträge der Haftpflichtversicherung, die Hebammen abschließen müssen, wenn sie in der Geburtshilfe tätig sind. 2010 lag die jährliche Haftpflichtsumme noch bei 3700 Euro, mittlerweile liegt der Beitrag bei 7600 Euro.

Isabel Graumann rechnet vor: „Bei der Vergütung von nur knapp 550 Euro pro Geburt, kann ich von meinen 10 bis 20 Geburten, die ich im Jahr begleite, also gerade einmal die Versicherung bezahlen.“ Neben den Geburten selbst betreut Graumann aber auch Frauen vor und nach der Geburt. In den ersten sechs Tagen, nachdem ein Kind zur Welt gebracht wurde, besucht sie Mutter und Baby täglich. Sie hilft im Alltag beim Stillen und der Pflege des Kindes, untersucht den Säugling und hilft der Mutter mit der neuen psychoemotionalen Situation. Jede Schwangere, Gebärende, entbundene oder stillende Frau kann Hebammenhilfe in Anspruch nehmen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Um über die Runden zu kommen, muss Isabel Graumann mittlerweile aber einen Haftpflichtanteil von 200 Euro und 100 Euro für die Rufbereitschaft am Ende der Schwangerschaft verlangen. „Und wenn ich nochmal 100 Euro drauflegen müsste, würde ich es bezahlen. Mir ist es einfach wichtig, mein Kind selbstbestimmt auf die Welt zu bringen“, wirft eine Frau aus Graumanns Geburtsvorbereitungskurs ein.

Risiko Hausgeburt?

Nicht für alle Frauen ist der Wunsch nach einer Hausgeburt so groß, wie bei denen aus Isabel Graumanns Praxis. Für die meisten Schwangeren ist klar, das Baby kommt im Krankenhaus zu Welt – denn Sicherheit geht vor. Sind also Frauen, die zu Hause gebären risikobereiter und bringen sich und ihr Kind in Gefahr?

Eine Geburt in einer Klinik wird meistens mit bester medizinischer Betreuung und hohen Sicherheitsstandards in Verbindung gebracht. Statistiken belegen allerdings eine gute Geburtshilfe auch außerhalb der Klinik. Die hygienischen Verhältnisse in den meisten Haushalten sind gut und Hebammen bestens ausgestattet. Also sind die Bedenken unberechtigt? Nicht vollkommen – sagen ebenfalls Statistiken und viele Ärzte.

„Alle Frauen haben Bedenken – egal wo sie ihr Kind bekommen“, meint Hebamme Graumann. Die Geburt ist schließlich ein ganz besonderes Ereignis, gerade Erstgebärende können sich oft nur schwer vorstellen, was auf sie zukommt. Graumann erklärt, dass sie neun Prozent der geplanten Hausgeburten rechtzeitig in ein Krankenhaus verlegen muss. „Wir fahren dann in Ruhe in die Klinik“, so die Hebamme. Nur in einem vonhundert Fällen muss sie den Notruf wählen und Mutter und Kind werden mit Rettungswagen oder Hubschrauber in die nächste Klinik gebracht.

Die erfahrene Hebamme ist sich außerdem sicher, dass im Krankenhaus in 30 Prozent der Fälle ein ungeplanter Kaiserschnitt vorgenommen werde, bei Schwangeren, die eigentlich zu Hause gebären wollen, käme ein Kaiserschnitt nur bei sechs Prozent der Geburten vor. Bei Hausgeburten würden weniger Schmerzmittel verabreicht und Frauen hätten weniger Schwierigkeiten beim Stillen.

Eines ist aber sicher: Auch bei der Geburt in der Klinik – sogar bei einem Kaiserschnitt – muss eine Hebamme vor Ort sein. An den Krankenhäusern in Nördlingen und Donauwörth arbeiten bislang Beleghebammen, die wie Isabel Graumann freiberuflich tätig sind. Auch sie bieten Vor- und Nachsorge für Mutter und Kind an. Entscheidet sich eine Frau für einen Geburtsvorbereitungskurs bei einer anderen Hebamme, wird die Geburtsbegleitung im Krankenhaus trotzdem eine der Beleghebammen im Krankenhaus übernehmen.

Wie finde ich die richtige Hebamme?

Unter www.hebammenliste-donauries.de findet sich eine Auflistung freiberuflicher Hebammen im Landkreis. Dort sind auch die einzelnen Angebote der Hebammen vermerkt. Außerdem verschafft die Liste einen Überblick, welche Geburtshelferinnen Geburten im Krankenhaus oder Hausgeburten begleiten.

Über Mara Kutzner

Redakteurin für online und blättle. Regionalpolitischen Kontroversen und sozialkritischen Themen geht sie mit Nachdruck auf den Grund. Stellt gerne kritische Fragen. Geht im Landkreis fürs blättle auf die Suche nach tollen Lifestyle Produkten. Ist auch privat sozial engagiert.