8. Mai 2017, 08:00

Gesundheitsregion Donau-Ries Teil 5: Die Arbeit der mobilen Pflegedienste

Mobile Altenpflege des Caritas Pflegedienstes in Monheim Bild: DRA
Im aktuellen blättle (Mai/Juni 2017) dreht sich alles um das Thema Gesundheit, den Zukunftstrend Gesundheit und um die ortsnahe ärztliche und pflegende Versorgung. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei die Pflegedienste und Wohlfahrtsverbände wie BRK, Caritas, Diakonie, Johanniter und zahlreicher anderer Anbieter. Das Thema Gesundheit und Pflege im Alter ist jetzt schon wichtig und wird in Zukunft einen noch höheren Stellenwert haben. Wir haben mit Anita Riedelsheimer vom Caritas Pflegedienst in Monheim über ihre Arbeit in der mobilen Altenpflege gesprochen.
Der Caritas Pflegedienst in Monheim ist mit 90 zu betreuenden Patienten eine mittelgroße Station. "Das ist von der Größe her gut überschaubar, da hat man noch den persönlichen Kontakt, kann sich Einzelheiten und Eigenheiten der einzelnen Patienten merken", sagt Anita Riedelsheimer. Eine gute Planung und Zeitmanagement sind dabei wichtig.  "Wir fahren im Früh- und Spätdienst, manche Patienten wie z. B. Diabetiker müssen dabei drei Mal am Tag besucht werden, weil sie zu bestimmten Zeiten ihre Spritzen benötigen. Morgens erledigen wir oft die Grundpflege wie Waschen, Duschen oder Baden, Hautpflege, Hilfe beim Ankleiden und eventuell auch beim Frühstück. Bei manchen Patienten müssen Verbände gewechselt werden oder OP-Wunden benötigen eine spezielle Nachsorge. Wir legen auch Kompressionsstrümpfe an oder verabreichen Augentropfen. Bei einigen Patienten machen wir auch Mobilisationsübungen. Gerade nach einem Schlaganfall helfen wir ggf. dabei, die Beweglichkeit wieder zu erlangen. Am Abend machen wir dann die Abendpflege vor der Bettzeit. Auch die Ernährungshilfe über Venenports wird am Abend angelegt, das ist relativ zeitaufwendig", erklärt die Pflegedienstleiterin.
In der mobilen Altenpflege hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren viel getan. Früher war es mit Blutdruck messen und Unterstützung beim An- und Auskleiden oder Essen oft getan, heute ist die Pflege sehr viel umfangreicher und auch medizinischer geworden: Beatmungsgeräte, Heimdialyse, Pflege von Wunden und OP-Nachsorge sind nur einige der Aufgaben des Pflegedienstes. "Die Patienten werden heute viel früher wieder aus dem Krankenhaus entlassen, da haben wir natürlich mehr Arbeit mit der Nachsorge. Außerdem schreitet der medizinische Fortschritt immer weiter voran, immer mehr Behandlungen können nun auch zu Hause durchgeführt werden. Hinzu kommt ,dass die Patienten immer älter werden. Früher war ein 90-jähriger alt, heute ist das ein normales Alter", erzählt Anita Riedelsheimer.
Die meisten Menschen möchten im Alter in der häuslichen Umgebung bleiben, doch die Versorgung ist nicht immer einfach, gerade wenn keine oder kaum Angehörige (mehr) da sind und diese meist zur Arbeit gehen müssen. "Viele der älteren Menschen möchten so viel wie möglich selbst machen, das verstehe ich einerseits, andererseits überschätzen sie sich dabei oft und es kommt zu Stürzen teils mit schwerwiegenden Folgen. Hier ist von Seiten der Pflegekräfte viel Fingerspitzengefühl gefragt, im Umgang mit den Patienten und den Angehörigen. Im Krankenhaus oder im Heim ist der Patient zu Gast und fügt sich oft leichter in die Gegebenheiten. Im eigenen Haus sind wir Pflegekräfte die Gäste und müssen immer abwägen, wie sehr wir uns einmischen dürfen. Das fällt nicht immer leicht und die Grenzen zwischen alleine zurechtkommen und Verwahrlosung sind fließend. Jeder Patient ist individuell, ein Schema F gibt es nicht", weiß Anita Riedelsheimer aus Erfahrung. "Das Problem liegt oft auch in der Finanzierung der Pflege. Die Krankenkassen nehmen in der Pflegekasse ihre Einstufungen vor, darin sind dann bestimmte Leistungen enthalten, andere wiederum nicht. Das isch nicht immer leicht zu kommunizieren. Wir von der Caritas müssen uns ja auch danach richten, was die Kassen erstatten und uns selbst müssen wir auch noch finanzieren. Da kommt einiges zusammen, auch unsere Pflegekräfte brauchen Fortbildungen, unsere Autos brauchen Wartung, usw.", erklärt sie.
Um Pflegekosten zu senken beschäftigen viele Patienten zunehmend auch private Pflegerinnen, die meist aus Osteuropa stammen. Diese sind oft rund um die Uhr für die Patienten da, meist für eine geringe Entlohnung. "Einen solchen rundum Versorgungsdienst können wir nicht leisten. Ich verstehe jeden, der eine solche Kraft einstellt und ich habe auch nichts dagegen, dennoch gibt es immer ein 'einerseits - andererseits'. Das 'andererseits' liegt oft in der Ausbildung dieser Kräfte, die Standards können hier erheblich schwanken und das kann auch mal Probleme machen", sagt Riedelsheimer.
Wie die Ausbildung von Nachwuchskräften in unserer Region geregelt ist und welche Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsaussichten es im Landkreis Donau-Ries für Pflegekräfte gibt, lest ihr in der nächsten Folge dieser Serie.