• blattle 19/20
    blattle 19/20
  • blaettle 17/18
    blaettle 17/18
Home / Region Donauwörth / Lebendiges Brauchtum
(Bild: Donauwörther Fischerstecher e. V. )

Lebendiges Brauchtum

Auf der Altstadtinsel Ried ließen sich bereits zur Zeit der Völkerwanderung Fischer nieder. Im Laufe der Zeit entstand das Donauwörther Fischerstechen, ein den mittelalterlichen Lanzenturnieren nachgebildetes Wasserturnier. Beim „Ritterspiel der armen Leute“ erkämpften sich die Fischer das begehrte Fischrecht an Donau und Wörnitz. Beim Inselfest und dem Donauwörther Fischerstecher e.V. wird dieses Brauchtum bis heute gepflegt – um das Fischrecht geht es schon lange nicht mehr.

Donauwörth – Die ersten historischen Belege für das sogenannte „Wasserstechen“ reichen bis 1737. Die Stechen fanden alle sechs bis sieben Jahre, jeweils zu Kirchweih oder Nachkirchweih statt – natürlich nur mit „obrigkeitlicher Bewilligung“. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es vor allem die Donauwörther Fischer- und Fischermeistersöhne, die sich auf der Donau an der Mündung der Wörnitz beim Donau-Wörnitz-Spitz duellierten. In den Wochen- und Anzeigenblättern der Stadt Donauwörth waren über die Jahre hinweg immer wieder Fischerstechen angekündigt. Nach dem Fest der Drescher bei dem „mit kräftigem bayerischem Bier unter allgemeinen Hoch- und Jubelrufen auf das Wohl der Königlichen Majestät und aller derer getrunken wurde, welche das schöne Fest bereitet haben“, fand 1850 wieder einmal ein Fischerstechen statt. Es sollte aber das vorerst letzte für über ein Jahrhundert sein. 1877 schrumpfte die Zunft der Fischer um die Hälfte ihrer Mitglieder und die Bürgerliste der Stadt Donauwörth zählte nur mehr zwanzig Schiffmeister. Kein Wunder, dass den Übriggebliebenen die Freude am Fischerstechen vergangen war.

Es sollte bis 1983 dauern, als sich auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Dr. Alfred Böswald einige „gestandene Mannsbilder“ wieder zu einem neuen Verein zusammenschlossen und die alte Tradition des Fischerstechens in Donauwörth erneut aufleben ließen. Das erste Fischerstechen nach 135 Jahren fand 1985 unterhalb der Wörnitzbrücke im Ried statt. Die Donauwörther Fischerstecher waren motiviert durch Erfolge beim Kampf, schlossen Freundschaften mit anderen Fischerstechern und der Verein festigte sich zu einer schlagkräftigen Gruppe. Mittlerweile zählt der Verein über achtzig Mitglieder, pflegt zudem Freundschaften zu Vereinen im europäischen Ausland und hatin Österreich, Belgien, Frankreich und in der Schweiz schon sein Können gezeigt.

Das alte Sägewerk bei der Donauwörther Stadtmühle konnte durch den Einsatz der Mitglieder zum Trockendock umfunktioniert werden und dient den Fischerstechern als Werkstatt, Bootshaus und Vereinsheim. Dort können Reparaturen an den Zillen, den kleinen flachen Booten, die an venezianische Gondeln erinnern, vorgenommen werden.

Inselfest mit Fischerstechen vom 7. bis 10. Juni

Seit den 80er Jahren wird in zweijährigem Turnus ein eigenes Turnier auf der Wörnitz ausgerichtet – denn die Tradition der ehemals Freien Reichsstadt soll nicht in Vergessenheit geraten. Mittlerweile ist das historische Fischerstechen in das Inselfest der City-Initiative-Donauwörth e.V. auf der Altstadtinsel Ried eingebunden. Im Juni 2018 ist es wieder so weit: Ein ganz besonderes Brauchtum wird gepflegt.

Am Donnerstag, 7. Juni, wird um 17:00 Uhr das Fest eröffnet. Es gibt tolle Live-Musik auf zwei Bühnen bis 23:00 Uhr. Am Freitag beginnt um 13:00 Uhr das Programm zum Nachmittag. Ab 16:30 Uhr treten beim Fischerstechen die Hobbymannschaften auf der Wörnitz gegeneinander an. Der Freitag klingt dann mit Musik auf den beiden Bühnen aus. Am Samstag, den 9. Juni, findet dann das historische Fischerstechen auf der Wörnitz statt. Der Vorstand der Donauwörther Fischerstecher Peter Heckmeier moderiert dies persönlich. Und Oberbürgermeister Armin Neudert lässt es sich nicht nehmen, als Auftakt zum Abendprogramm die Sieger um 18:30 Uhr zu ehren. Ab 19:00 Uhr sorgen Musikbands für beste Unterhaltung. Der Sonntag startet um 11:00 Uhr mit dem Frühschoppen, begleitet von Musikkapellen und einem feierlichen Gottesdienst.

Fairness und Ritterlichkeit sind oberstes Gebot

Das Fischerstechen ist den mittelalterlichen Lanzenturnieren nachgebildet. Fairness und Ritterlichkeit sind daher oberstes Gebot. Außerdem wird das Donauwörther Fischerstechen grundsätzlich in historischen Trachten durchgeführt. Gekämpft wird mannschaftsweise. Jede Mannschaft besteht aus einem Steuermann und zwei oder drei Stechern. Im Kampf auf dem Wasser wird versucht, mit der Lanze ruhig auf den Oberkörper des Gegners zu zielen. Wegschlagen und Stoßen des Oberkörpers oder Festhalten der gegnerischen Lanze sowie Lanzenstöße auf Hals, Kopf oder Bauch führen zur Disqualifikation. Wer selbst stehen bleibt und seinen Kontrahenten ins Wasser stößt, erhält zwei Punkte. Ein Kampfgericht ermitteln den Sieger der einzelnen Kämpfe und den Stecherkönig. König wird derjenige Stecher, der persönlich die meisten Punkte erkämpfen konnte.

Historische Zillenfahrten auf der Wörnitz

Neben dem Fischerstechen bietet der Verein auch historische Zillenfahrten um die Altstadtinsel Ried an. Die Muttertagsfahrten am Maimarkt-Wochenende finden am 12. und 13. Mai statt. Zudem können romantische Zillenfahrten rund um die Altstadtinsel Ried mit maximal 10 Personen pro Zille nach Vereinbarung bei Peter Heckmeier unter Tel. 09 06 / 63 03 gebucht werden. (pm)

Über Mara Kutzner

Redakteurin für online und blättle. Regionalpolitischen Kontroversen und sozialkritischen Themen geht sie mit Nachdruck auf den Grund. Stellt gerne kritische Fragen. Geht im Landkreis fürs blättle auf die Suche nach tollen Lifestyle Produkten. Ist auch privat sozial engagiert.