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Spaziergang durch Marxheim

Marxheim: Unterwegs im bayerischen Stammesdreieck

In jedem blättle machen wir einen Spaziergang durch eine Gemeinde oder Stadt unseres Landkreises. Für das aktuelle blättle war ich in und rund um Marxheim unterwegs. Eine gekürzte Version des Artikels lest ihr hier, die ganze Geschichte findet ihr im blättle Ausgabe März/April 2017.

Marxheim – Die Gemeinde Marxheim liegt an der Mündung des Lechs in die Donau und besteht aus den Ortsteilen Marxheim, Burgmannshofen, Übersfeld, Gansheim, Graisbach, Neuhausen, Lechsend und Schweinspoint. Ich fahre die Gemeinde aus Richtung Leitheim kommend an und biege im Tal sogleich in den Ortsteil Graisbach ab. Dort will ich mir vor allem die Burgruine anschauen.

Die Burgruine in Graisbach (Bild: DRA)

Die ehemalige Burg war einst eine Höhenburg, die wohl um 1130 von den Herren von Graisbach erbaut wurde. Um zur Burg zu gelangen, muss ich zunächst die steile Welfenstraße und dann den Burgweg hinauf. Vor der Ruine stehen einige Bänke und Kastanienbäume, vom Burgberg aus genieße ich den Blick auf die schöne Landschaft rund um Graisbach. Von der ehemaligen Burganlage stehen heute noch bedeutende Mauerreste mit Burgtor und auch die romanische Burgkapelle ist erhalten. Von Mai bis September kann man die Burg jeweils am 1. und 3. Sonntag des Monats zwischen 14 und 17 Uhr oder nach Vereinbarung sogar besichtigen.

Von Graisbach aus fahre ich durch Lechsend nach Marxheim. Vor dem Rathaus parke ich mein Auto und schaue zunächst einmal ins Rathaus hinein. Im Erdgeschoss befinden sich eine kleine Bücherei und der Trauraum. Im ersten Stock sind die Verwaltung und das Zimmer des Bürgermeisters untergebracht. Hier leitet Marxheims 1. Bürgermeister Alois Schiegg seit 2008 die Geschicke seiner Gemeinde. Von ihm erfahre ich auch einige interessante Details zu Marxheim und zur näheren Umgebung. Zum Beispiel,

Das Rathaus im Herzen von Marxheim (Bild: DRA)

dass im sogenannten bayerischen Stammesdreieck nicht nur die Stämme der Bayern, der Schwaben und der Franken aufeinander treffen, sondern auch deren jeweilige Dialekte. So kommt es, dass man in den einzelnen Ortsteilen jeweils auch etwas anders spricht oder man auf verschiedene Worte für die gleiche Sache trifft. Abschließend frage ich den Bürgermeister noch nach seinem persönlichen Lieblingsplatz in seiner Gemeinde. „Ich bin sehr gerne zu Fuß unterwegs, auf dem Höhenzug am Südrand des Waldes. Von dort aus genieße ich den wunderbaren Ausblick über Lech und Donau, manchmal kann man von dort sogar die Alpen sehen. Bei unserem eher typischen Donau-Nebelwetter ist man dort oben außerdem meist oberhalb des Nebels“, lacht der Bürgermeister. Nach meinem Besuch im Rathaus schaue ich mir noch die St. Peter und Paul Kirche an und spaziere eine Runde durch die Dorfmitte.

Danach mache ich mich auf den Weg nach Schweinspoint. Hier bin ich zunächst neugierig, woher der etwas kuriose Ortsname stammt. Aus historischen Aufzeichnungen erfahre ich, dass die Schweinspointer Herren sich zu mittelalterlichen Zeiten der Zähmung und Aufzucht von Wildschweinen in einem umzäunten Areal, das Point genannt wurde, gewidmet haben. Daraus entstand wohl zunächst der Name Suinesbuint, woraus später Schweinspoint wurde. Im Ortskern stand früher das Schloss als

Über das Gelände der Stiftung St. Johannes schlängelt sich der Erlebnispfad (Bild: Stiftung St. Johannes)

einstiger Adelssitz. Heute stehen auf diesem Gelände die Bauten der Stiftung St. Johannes. Hier treffe ich Sarah Hermannn, die Öffentlichkeitsreferentin der Stiftung, sowie eine ihrer Kolleginnen. Gemeinsam machen wir einen Spaziergang auf dem neu eingerichteten Erlebnispfad „Wege und Spuren“. Auf diesem Weg sollen sich Menschen untereinander begegnen, es soll aber auch ein Begegnungsweg zwischen Mensch und Natur, Mensch und Pflanzen sowie Mensch und Tieren sein. Der Weg, die Beete, der See, die Tiere – alles wird von den Stiftungsbewohnern liebevoll angelegt und gepflegt. Für Kindergärten, Schulen oder zu Veranstaltungen der Stiftung gibt es sogar spezielle Kinderprogramme rund um den Weg und die Tiere.

Von Schweinspoint aus fahre ich weiter nach Gansheim, einem weiteren Ortsteil von Marxheim. Hier siedelten im Mittelalter die Franken. Was mir gleich am Ortseingang auffällt ist die Partnerschaft von Gansheim mit der Gemeinde Gansingen in der Schweiz. Beide Orte haben die Gans im Namen und auch im Wappen. Durch den Ort fließt von Daiting her kommend die Ussel. Dieser folgend verlasse ich das Gemeindegebiet von Marxheim und mache mich wieder auf den Weg nach Hause.

Über Verena Gerber-Hügele

Chefredakteurin. Hat die Oberaufsicht übers blättle. Macht am liebsten Reportagen, Reiseberichte und Interviews. Auch verantwortlich für Art Direction und Freihandzeichnungen im blättle. Naturverbunden, hält sich zu Hause einen halben Bauernhof.