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Home / Region Oettingen / Matthias macht mit: Von der Zuckerrübe zum Zucker – Teil 2
Wie aus Rüben zunächst Zuckerdünnsaft und letztendlich Zucker wird (Bild: DRA)

Matthias macht mit: Von der Zuckerrübe zum Zucker – Teil 2

Mit der aktuellen Ausgabe des blättle haben wir eine neue Artikelserie gestartet: Matthias macht mit. In jeder Ausgabe stelle ich mir eine Frage, die ich dann anhand von regionalen Unternehmen erkläre. Im aktuellen Heft (Ausgabe 12) habe ich mich gefragt, wie aus der Zuckerrübe eigentlich der Zucker wird. Hierfür war ich zum einen bei der Rübenernte mit dabei (Teil 1)  und habe anschließend einen Blick in die Zuckerproduktion bei Südzucker in Rain geworfen. Den gesamten Text sowie zahlreiche Zusatzinfos zur Zuckerrübe und zum Zucker könnt ihr im blättle lesen. Hier lest ihr eine gekürzte Fassung.

Die Verarbeitung der Rüben in der Zuckerrübenfabrik
Nachdem ich mich auf dem Rübenfeld ausführlich über die Ernte der Zuckerrüben informiert habe, bin ich neugierig, wie es weitergeht. Noch immer ist meine Frage, wie aus der Rübe der Zucker wird nicht beantwortet. Um das zu erfahren, treffe ich Benjamin Kirchberger, Leiter der Rübenabteilung der Südzucker AG in Rain. Er erklärt mir: „Häufig bleiben die geernteten Zuckerrüben einige Wochen auf sogenannten Mieten am Feldrand liegen, ehe sie zur Weiterverarbeitung zu uns gebracht werden. Dank der Digialisierung und der Zusammenarbeit mit dem Maschinenring können wir heute genau planen, wann welche Rüben angeliefert werden“, so Kirchberger. Er betreut die Landwirte, die für Südzucker Rüben anbauen und koordiniert unter anderem die Anlieferung. Er und die Mitarbeiter stehen Landwirten auch bei Fragen rund um den Anbau zur Seite.

Nach der Anlieferung werden die Rüben gewaschen (Bild: DRA)

Ankunft der Rüben auf dem Rübenhof
Bei Südzucker werden die Rüben auf dem sogenannten Rübenhof angeliefert. Hier stehe ich jetzt auch und beobachte das Geschehen. Im Minutentakt fahren die voll beladenen Lkw vor. Vor etwa 10 Jahren furhen viele Landwirte noch selbst mit ihren Traktoren zum Werk. Daran erinnere ich mich noch gut. Das führte teilweise zu massiven Verkehrsbehinderungen rund um Rain. Ein weiterer Nachteil waren damals auch die Lieferungen zu Stoßzeiten mit Wartezeiten von drei bis vier Stunden. Mittlwerweile organisieren die Maschinenringe den Transport und takten die Anlieferung minutengenau. Alle zwei Minuten wird ein Lkw entladen. Den ganzen Tag über sind das etwa 600 bis 700 Lkw-Ladungen. Bereits bei der Anlieferung gibt es eine Sichtkontrolle der Rüben, die anschließend gewaschen und über viele Förderbänder in die Fabrik transportiert werden.

Weiterverarbeitung der Rüben

In den Tanks wird der Zuckersaft immer weiter eingekocht (Bild: DRA)

Im Inneren des Fabrikgebäudes gelangen die Rüben zunächst in eine große Trommel, die mit Messern besetzt ist. Die Rüben werden hier zu Schnitzeln geschnitten und landen anschließend im 70°C heißen Wasser. Hier löst sich der Zucker aus den Zellen und der Rohsaft entsteht. Die Schnitzel werden durch Pressen und Heißluft getrocknet. Dabei entsteht auch der typische Geruch der Zuckerfabrik, den viele zur Kampagnenzeit rund um Rain schon einmal in die Nase bekommen haben. Bei diesem Produktionsschritt fallen Rübenschnitzel als Nebenprodukt an. Auch für diese Schnitzel gibt es eine Verwendung, denn sie werden zu Futtermittel weiterverarbeitet.

Vom Zuckersaft zum Zucker
Im nächsten Schritt wird es spannend. Endlich wird aus dem Rohprodukt das weiße Gold. Im hauseigenen Kalkofen werden zunächst Kalk und Kohlensäure gewonnen, die dann nacheinander dem Rohsaft zugesetzt werden. Diese binden die in der Lösung enthaltenen Nichtzuckerstoffe. Übrig bleibt der klare Dünnsaft mit einem Zuckergehalt von etwa 16 %. Anschließend wird der Dünnsaft in mehreren Stufen durch Erhitzen zum Dicksaft mit 67 % Zuckergehalt, da das Wasser verdampft. Auch der Dicksaft wird weiter gekocht, bis sich aus den Zuckermolekülen nach und nach Kristalle bilden. Sie sind zu diesem Zeitpunkt goldgelb, weil sie von einem Sirup überzogen sind. Durch anschließendes Schleudern in einer Zentrifuge trennt sich der Sirup von den Kristallen. Zurück bleibt der reine Zucker. Dieser wird getrocknet, gekühlt und in riesigen Silos gelagert.

Damit bin ich eigentlich am Ende des Produktionsprozesses angelangt. Dennoch sind bei mir noch einige Fragen offen:
Wohin geht der Zucker dann?
Von dem in Rain produzierten Zucker gehen 90 % direkt an die weiterverarbeitende Industrie, z. B. zur Herstellung von Süßwaren, Getränken und Backwaren. Rund 10 % gehen in die Produktion von Haushaltszucker, abgefüllt in Zuckerpäckchen, wie wir sie aus dem Supermarkt kennen. Für ein Kilo handelsüblichen Haushaltszucker werden rund 7-8 Zuckerrüben mit je einem Kilogramm Gewicht benötigt.

Was passiert in der Zuckerfabrik, wenn alle Rüben verarbeitet und die Kampagne beendet ist?
Die Zuckerrübe muss vor dem ersten Frost, also meist ab September/Oktober geerntet werden. Danach bleibt sie bis maximal Januar haltbar, dann muss sie verarbeitet sein. So ergeben sich rund 120 Tage für die Zuckerproduktion. Nachdem in der Zuckerfabrik etwa 1/3 des Jahres Vollgas gearbeitet wurde, stehen für den Rest des Jahres Wartungs- und Reinigunsarbeiten an.

Über Matthias Stark

Geschäftsführer. Gründer von Donau-Ries-Aktuell. Immer direkt vor Ort wenn etwas passiert, auch in der Nacht. Verantwortlich für den Anzeigenvertrieb. Bespricht dienstliches gerne bei einem Arbeitsessen. Katzenliebhaber. Hat ein Faible für antike Holzmöbel.