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(Bild: Friederike Rieger).

„Who is Who in Werd?“

Zahlreiche Wappen zieren die Pfeiler und Gewölbe der Stadtpfarrkirche Donauwörth. Nicht nur die Wappen von Donauwörther Familien finden sich dort. Auch die Abzeichen der reichsten und mächtigsten Familien aus der benachbarten Reichsstadt Augsburg können dort betrachtet werden.

Donauwörth – Who is Who in Werd?“ könnte man fragen, wenn man das Fresko im südlichen Seitenschiff der Stadtpfarrkirche in Donauwörth betrachtet. Im Hintergrund der Kreuzigungsszene sehen wir die Silhouette der ehemaligen Reichsstadt Donauwörth. Unterm Kreuz stehen prächtig gekleidete Donauwörther Bürger und Bürgerinnen, die im 15. Jahrhundert großzügig für den Kirchenbau gespendet haben. Die Wappen der Donauwörther Familien sieht man an den Pfeilern und in den Gewölben der Seitenschiffe. Im nördlichen Seitenschiff findet man das Allianzwappen der Familien Imhof, Doninger und Rembold. Peter Doninger hatte 1404 die Leonhardskapelle (zerstört 1945) erbauen lassen, die Bürgermeister Michael Imhof 1452 vergrößern ließ. Michael Imhof (ermordet 1453) war mit Magdalena Doninger verheiratet, deren Mutter aus der Augsburger Familie Rembold stammte. Im südlichen Seitenschiff finden wir die Wappen der Familien Vetter, Ehinger und Zinngießer. In den Chorraum der Kirche aber sind die reichsten und mächtigsten Familien aus der benachbarten Reichsstadt Augsburg mit ihren Wappen eingezogen, die mit der Familie Walther aus Donauwörth verwandt waren. Deren prächtiges Wappen ist im Gewölbe des Chorraumes dargestellt. Bei der Grundsteinlegung für die Kirche am 11. Mai 1444 durch Abt Heinrich vom Kloster Heilig Kreuz als Patronatsherr wird eine großzügige Spenderin genannt: Elisabeth Walther. Elisabeth, aus der Donauwörther Patrizierfamilie Hager stammend, heiratete 1372 den Kaufmann Conrad Walther. An der Stelle der Waldenserhäuser (die Waldenser wurden 1393 als Ketzer verbrannt) stiftete das Ehepaar Walther ein Pilgerhaus, das heute noch als Bürgerspital der Stadt Donauwörth existiert.

Spenden für den Weiterbau

Als im 13. Baujahr das südliche Seitenschiff einstürzte, wurden neue Gelder gesammelt und der Donauwörther Baumeister, Johann Knebel, ausgewechselt. Zum Weiterbau der Kirche stellte der Enkel Elisabeths, Ulrich Walther II. aus Augsburg, Gelder zur Verfügung. Mit der Heirat der Augsburger Bürgerstochter Barbara Ridler im Jahr hatte er in Augsburg Karriere gemacht. Er war Handelsherr, Baumeister, bischöflicher Küchenmeister und Mitglied des Rates. Das Ehepaar Walther-Ridler hatte 22 Kinder, die in die angesehensten Augsburger Familien eingeheiratet hatten. Ulrich Walther schrieb eine Familienchronik und bei seinem Tod 1505 wurden 133 Kinder, Enkel und Urenkel gezählt, deren „Stammmutter“ die Donauwörtherin Elisabeth Walther ist. Das Allianz-Wappen Walther-Ridler erinnert an diese großzügige Spender-Familie. Marx Walther, das 15. Kind Ulrich Walthers und Urenkel der Donauwörtherin Elisabeth Walther, heiratete 1484 Afra Meuting, die einer der reichsten Augsburger Kaufmannsfamilien angehörte. Im Chor des Münsters ist das Meutingsche Wappen, ein schwarzer Hund mit einem goldenen Halsband, unter der Darstellung der Heiligen Afra zu sehen. Daneben finden wir unter dem Fresko des Heiligen Ulrich das Wappen des aus Ulm stammenden Kaufmanngeschlechtes der Roggenburger, die in die Augsburger Familien Gienger und Fugger eingeheiratet hatten. Regina Walther, eine Tochter Ulrich Walthers, heiratete 1464 Peter Imhof aus Augsburg. Deren erstgeborene Tochter Regina vermählte sich mit 1488 Georg Fugger, dem Bruder von Jakob und Ulrich Fugger, den Erbauern der Fuggerei in Augsburg. Der Sohn Regina Fuggers, geborene Imhof, Anton Fugger (1493–1560), ist der Erbauer des Fuggerhauses in Donauwörth.

Ein Sakramentshäuschen für Donauwörth

Fassen wir zusammen: Die Donauwörtherin Elisabeth Walther, großzügige Spenderin in Donauwörth, war die Großmutter Ulrich Walthers, des Vollenders der Stadtpfarrkirche und die Urururgroßmutter Anton Fuggers, des Inhabers der Reichspflege Wörth und Erbauers des Fuggerhauses in Donauwörth (heute: Landratsamt). Das Wappen der Familie Imhof, den Seelöwen, finden wir 15 mal im Münster „Zu Unserer Lieben Frau“. Das Wohnhaus der Familie Imhof befand sich in der oberen Reichsstraße. Laut den Stammtafeln des Regensburger Genealogen Johann Seifert war der Donauwörther Bürgermeister Michael Imhof (gestorben 1520) der Bruder von Regina Imhof und somit der Onkel Anton Fuggers. Das hochgotische Sakramentshäuschen im Chor der Stadtpfarrkirche erinnert an eine weitere Donauwörth-Augsburgische Spenderfamilie: 1491 heiratete der Donauwörther Kaufmann Georg Regel Barbara Lauginger, die Tochter von Otto und Helene Lauginger, die, laut den Steuerlisten der Stadt Augsburg, ebenfalls zu einer der mächtigsten und reichsten Augsburger Familien gehörten. Die Cousine Barbaras, Veronika Lauginger, hatte bereits 1478 Ulrich Fugger geheiratet und somit war Georg Regel mit der Familie Fugger verschwägert. Dank ihres großen Vermögens stifteten Barbara und Georg Regel nicht nur in Augsburg in der Kirche Sankt Anna direkt neben dem berühmten Fuggergrabmal eine Heiliggrabkapelle, sondern auch in der neuen Pfarrkirche ihrer Heimatstadt Donauwörth ein Sakramentshäuschen. Am prächtigen hochgotischen Sakramentshäuschen findet man neben der Stiftertafel auch die Wappen des Stifterpaares, den Fisch für Georg Regel und den Reiherflügel für Barbara Lauginger. So eröffnen die Wappen im Münster Zu Unserer Lieben Frau nicht nur Einblicke in die rege Spendentätigkeit Donauwörther und Augsburger Familien, sondern zeigen auch die verwandtschaftlichen Verflechtungen dieser Familien im 14. bis 16. Jahrhundert auf.

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