23. April 2018, 10:18

Die VHS Donauwörth im Wandel der Zeit

1977 standen die Kursteilnehmer Schlange vor der Geschäftsstelle im Ried. Bild: VHS Archiv
Die Volkshochschule Donauwörth feiert am vergangenen Freitag Jubiläum – Anlass, um auf ein 70-jähriges Bestehen zurückzublicken und Zukunftspläne zu schmieden ...
Donauwörth - Nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, am 30. Juni 1948, gründete eine Gruppe von elf Männern die Volkshochschule Donauwörth e.V. Mit Handzetteln, Plakaten und Zeitungsanzeigen machten sie auf das Kursangebot aufmerksam. Im ersten Trimester meldeten sich 109 Teilnehmer an. Für die engagierten Bürger der Nachkriegszeit war das wahrscheinlich ein voller Erfolg – aber nicht vergleichbar mit den heutigen Teilnehmerzahlen. 2016 bot die VHS Donauwörth mit ihren sieben Außenstellen über 1600 Veranstaltungen, die von rund 30000 Menschen besucht wurden.
Dass sich während der Einschreibung Schlangen vor der Geschäftsstelle der VHS Donauwörth bilden, so wie es in den 1970er Jahren der Fall war, das kommt heute nicht mehr vor. Der Andrang auf die Kurse, Vorträge und Bildungsfahrten ist aber nach wie vor enorm. „Gut 90 Prozent der Anmeldungen kommen heute über das Internet“, sagt VHS-Geschäftsführerin Gudrun Reißer.
Bevor Reißer Ende 2011 die Leitung der VHS übernahm, standen schon große Herausforderungen und Veränderungen an. Der Beginn des „Computerzeitalters“ war zum Beispiel einer der wichtigsten Meilensteine. Oft teilten sich Ende der 1970er Jahre gleich zwei Kursteilnehmer einen PC, weil die Neugierde und das Interesse an den Computerund EDV-Kursen so groß war, weiß Reißer von ihrem Vorgänger Konrad Böswald, der vor ihr die VHS 37 Jahre lang führte. Zu dieser Zeit gewann die VHS vor allem auch als berufliches Weiterbildungszentrum immer mehr an Bedeutung. Damals wie heute nehmen anerkannte Zertifikatslehrgänge in Elektronik, EDV, CAD, CNC, SPS und Schweißtechnik einen Großteil der Kurse ein. Über 70 Unternehmen aus der ganzen Region nutzen die Weiterbildungsmaßnahmen der VHS. „Wir sind damit ein wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor“, so Reißer.
Neue Herausforderungen – neue Lernformen
Als 2012 das Forum für Bildung und Energie im Spindeltal eröffnete, brach wiederum ein neues Zeitalter für die VHS an. Interkulturelle Bildung gewinnt an Bedeutung, seit der Mittelstand zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund einstellt. 2017 wurde der Programmbereich Sprache durch Prof. Dr. Joachim Grzega mit seinem Projekt „Innovative europäische Sprachlehre – InES“ erweitert. Damit ist die VHS Donauwörth mittlerweile sogar bundesweit aktiv. Grzega bietet in seinen Kursen völlig neue Lernformen fürs Sprachenlernen. Mit seiner wissenschaftlich als effizient erwiesenen Methode lehrt er unter anderem im Kurs „Basic Global English“ an nur vier Vormittagen Englisch für den internationalen Gebrauch. Es gehe besonders darum, den Sprachaufbau zu verstehen und Sätze Wort für Wort zu übersetzen als „künstlich neue Vokabeln zu lernen“, erklärt der Dozent. Neue Lernformate gibt es auch in den Bereichen Ökologie und Energie. In Webinaren, also interaktiven Seminaren, die über das Internet gehalten werden, wird der Dozent oder Referent live zugeschaltet und Teilnehmer können ortsunabhängig über das Netz mit dem Dozenten kommunizieren. Vorträge zu Fahrzeugtechnik, zum Automatisierten Fahren oder zum Thema Energiewende halten Hochschulprofessoren aus ganz Deutschland, so auch in Donauwörth.
Work-Life-Balance wird immer wichtiger
Mit der Übernahme der Yogaschule in Donauwörth ergab sich 2015 ebenfalls eine große Chance. Themen wie „Meditation“ oder „Work-Life-Balance“ werden in der heutigen schnelllebigen Zeit für viele Menschen immer bedeutsamer. Gudrun Reißer und ihr Team sind deswegen auch immer auf der Suche nach neuen Trendsportarten. Im aktuellen Programmheft stößt man zum Beispiel auf „HIIT-Fatburn“-Kurse, Muskeltraining mit Schwungstab, Togu Brasil und Faszienrolle und Ganzkörpertraining mit smovey.
Blick in die Zukunft
Das 70-jährige Jubiläum der Volkshochschule ist für Gudrun Reißer nicht nur Grund, um in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft zu blicken. Der digitale Wandel hat in unseren Alltag längst Einzug gehalten, das wird sich auch auf das Kursangebot und die Lernformen der VHS weiter auswirken, ist sich die Geschäftsführerin sicher. Die Waage zwischen Online-Learning und der „Face-to-Face“-Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern muss auch in Zukunft gelten.