30. Dezember 2018, 08:00

Auf den Spuren von Martin Luther

Bild: Jenny Wagner
Für jede Ausgabe sind wir in diesem Jahr auf Pilger- und Wallfahrerwegen im Landkreis unterwegs. Zum Abschluss unseres Jahresthemas hat sich unsere Volontärin auf die Spuren von Martin Luther gemacht. 

Dieser ist ein Beitrag des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weilheim zum Reformationsjubiläum 2017 und führt von Augsburg nach Wittenberg entlang der wichtigsten Orte der Reformationsgeschichte. Gestaltet und ausgearbeitet wurde der Luther Radpilgerweg von Pfarrer Jürgen Nitz und seinem Team aus Kaufering. Das Besondere daran ist, dass Pilger den Weg nicht blauäugig bestreiten müssen, sondern sich auf einen GPS-Track verlassen können. Die Strecke ist sozusagen „virtuell ausgeschildert“. So kann mit einem Smartphone oder einem Navigationsgerät in der Tasche nichts mehr schief gehen.

Meine kleine Etappe starte ich am ehemaligen Kloster in Kaisheim. Natürlich ist meine Route nur ein minimaler Bruchteil des eigentlichen Luther Radpilgerweges. Dieser erstreckt sich nämlich von Augsburg bis in die Lutherstadt Wittenberg und umfasst über 800 km. Der Luther Radpilgerweg startet in der St. Annakirche mitten in der Fußgängerzone Augsburgs. Das Museum „Lutherstiege“ und die dazugehörende Kirche sind der historische Boden der Reformation und führen in die Welt Luthers ein. Der Radpilgerweg endet in der historischen Altstadt von Wittenberg.

Der Luther Radpilgerweg ist eine historische Deutschlandtour durch Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auf Naturwegen und Radwegen, fast immer abseits der Verkehrsachsen nimmt er Sie mit in eine lebendige Begegnung mit dem Reformator und Menschen Martin Luther.

Pfarrer Jürgen Nitz

Doch für mich als Pilgerneuling sind die knapp 15 km von Kaisheim bis nach Monheim ein optimaler Anfang. Ziel meines Pilgerweges ist die historische Stadt Monheim, genauer gesagt der ehemalige Gasthof „Zum Goldenen Lamm“, an dem ein Gedenkstein an Luthers Aufenthalt erinnert. Laut Überlieferungen übernachtete Martin Luther auf seiner Flucht 1518 aus Augsburg in dem beschaulichen Städtchen Monheim.

Für meine erste Pilgererfahrung habe ich mir als Startpunkt das ehemalige Klostergelände in Kaisheim ausgesucht. Das Kloster im Kaibachtal wurde von Graf Heinrich II. von Lechsgmünd im Jahr 1133 gegründet und war die älteste Niederlassung des Zisterzienserordens. Hinter den barocken Klostermauern befindet sich jedoch seit der Säkularisation im Jahre 1802 ein Gefängnis – ein Schicksal, das neben Kaisheim auch andere ehemalige Klöster teilen. Die Nutzung als Gefängnis verhinderte jedoch den Abbruch der Gemäuer. Bis zum heutigen Tag wurde durch die Weiternutzung das historische Gebäude erhalten, wenn auch mit erforderlichen Umbauten.

Von dort aus mache ich mich auf den Weg nach Buchdorf. Entlang der Hauptstraße Richtung Nordosten gelange ich schon nach wenigen Kilometern in einem langgezogenen Aufstieg in das Dorf. Ich weiche ein wenig vom Weg ab und werfe noch einen Blick in die katholische Kirche St. Ulrich in Buchdorf. Diese wurde im Jahr 1736 neugebaut, da die alte Kirche für die immer größer werdende Gemeinde zu klein geworden war. Bereits zwei Jahre nach Beginn des Baus konnten im neuen Gotteshaus Gottesdienste gefeiert werden, feierlich geweiht wurde die Kirche allerdings erst am 21. September 1834.

Wieder auf meinem Fahrrad, kehre ich über die Hauptstraße zurück und gelange über die Römerstraße aus der Gemeinde heraus. Auf der Baierfelder Straße geht es bergauf. An einer kleinen Bank am Straßenrand mache ich meine erste Pause und genieße den wunderschönen Ausblick auf Buchdorf.

Hinauf auf die Monheimer Alb

Bild: Jenny Wagner

Die Baierfelder Straße hinab, gelange ich auf den Radweg entlang der Bundesstraße. Ich radle vorbei an Bergstetten und Itzing und gelange zum wohl anstrengendsten Teil meines Pilgerweges: den Anstieg auf die Monheimer Alb. Bergauf muss ich ganz schön in die Pedale treten, doch der herrliche Ausblick auf die weiten Felder des Monheimer Umlandes lässt mich fast die Anstrengungen über den Aufstieg vergessen.

Vorbei am weitläufigen und imposanten Gelände von Hama, radle ich entspannt durch Monheim, bis ich schließlich am Stadttor angelangt bin. Ich lasse mich auf einer Bank am Marktplatz nieder und genieße das rege Treiben.

Nach einer kleinen Pause mache ich mich auf die Suche nach dem ehemaligen Gasthof „Zum goldenen Lamm“ und dem Gedenkstein, der an Martin Luthers Aufenthalt erinnert. Eine große Hilfe bei der Suche dabei sind die in der Stadt verteilten Informationstafeln. Eine Tafel direkt vor dem ehemaligen Schloss weist mir den Weg durch die historische Stadtmauer. Circa 200 Meter nördlich befindet sich auf der linken Seite ein unscheinbares rosafarbenes Gebäude. Andächtig lese ich die auf der Gedenktafel eingemeißelten Worte: Die in die Jahre gekommene Schrift auf dem Gasthof versichert mir, dass ich mein Ziel gefunden habe. Auf der Vorderseite des Gebäudes finde ich nach kurzer Suche den Gedenkstein.

Hier im Gasthof zum Goldenen Lamm ehem. pappenheimisch nächtigte nach einem anstrengenden Ritt am 20.10.1518 Dr. Martin Luther auf der Flucht aus Augsburg nach dem Verhör durch Kardinal Cajetan.

Pfarrer Jürgen Nitz

Auf der Flucht von Augsburg nach Wittenberg

Laut Überlieferungen gehörte zu den Aufgaben von Kardinal Thomas Cajetan das Verhör von Martin Luther beim Reichstag zu Augsburg im Jahr 1518. Cajetan forderte Luther auf, seine 95 Thesen über den Ablasshandel zu widerrufen. Unter anderem mit einem Juristen und einer Gruppe ausgesuchter Zeugen erschien Martin Luther vor dem Tribunal und bestritt, etwas ausgesprochen zu haben, das der Heiligen Schrift widersprochen hätte. In Folge dessen rechneten Luthers Freunde mit einer Verhaftung. Luther entzog sich dieser und flüchtete in der Nacht des 20. Oktobers aus der Stadt. „Das Verhör vor Kardinal Cajetan ließ erahnen, dass er gefangen genommen worden wäre“, erzählt Pfarrer Jürgen Nitz.

Im Gasthof „Zum goldenen Lamm“ fand Luther in dieser Nacht einen Unterschlupf, bevor er sich auf den Weg zurück nach Wittenberg machte.

Mit dem Fahrrad durch die Reformationsgeschichte – das ermöglicht der Luther Radpilgerweg von Augsburg nach Lutherstadt Wittenberg

Pfarrer Jürgen Nitz