In Donauwörth ist ein Mann gestorben. Ein Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte. Ein Mensch mit Zielen, Wünschen und Träumen. Ein Mensch, um den Familienangehörige und Freunde trauern – und die vermutlich noch immer nicht fassen können, was an diesem Abend passiert ist.
Bei dem mutmaßlichen Täter und dem Opfer handelt es sich um zwei 43-jährige Männer aus der Ukraine. Vieles ist derzeit noch unklar. Die Polizei hat bislang keine Angaben zu ihrem Aufenthaltsstatus, zu einem möglichen Bekanntschaft- oder Verwandtschaftsverhältnis, zu einem Tatmotiv oder zu den genauen Umständen der Tat gemacht.
Fest steht bislang nur: Ein Mann ist an diesem Dienstagabend nach einem Streit gewaltsam ums Leben gekommen. Möglicherweise handelte es sich um eine Affekttat, auch Alkohol soll eine Rolle gespielt haben. Die Ermittlungen laufen.
Was unterdessen unter den Social-Media-Beiträgen unserer Redaktion passiert, ist erschreckend. Unzählige Kommentare sind geprägt von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Von Beileid, Trauer, Anteilnahme oder auch einfach nur der Fassungslosigkeit über einen Menschen, der sein Leben verloren hat, ist dagegen kaum etwas zu lesen.
Warum eigentlich?
Natürlich darf und soll über die Flüchtlingspolitik diskutiert werden. Über Unterbringung, Integration, politische Entscheidungen und darüber, was in unserer Gesellschaft besser laufen muss. Aber muss das wirklich der erste Gedanke sein, wenn ein Mensch gewaltsam ums Leben kommt?
Ein Mensch ist gestorben.
Hinter dieser Nachricht steht keine Nationalität. Keine politische Debatte. Hinter dieser Nachricht steht ein Leben das plötzlich ausgelöscht wurde und Menschen, die diesen Menschen verloren haben.
Was dem 43-Jährigen an diesem Abend widerfahren ist, ist schrecklich und kaum vorstellbar. Sollte sich der Tatverdacht bestätigen, muss sich der Täter für sein Handeln verantworten und die entsprechende Strafe erhalten.
Genauso muss die politische Debatte ihren Platz finden. Aber die Kommentarflut, die sich unter der Nachricht über den Tod eines Menschen ergießt, macht fassungslos und ist pietätlos. Zwischen all den politischen Forderungen und ausländerfeindlichen Äußerungen gerät nämlich das Wesentliche aus dem Blick: Ein Mensch ist gestorben. Sein Tod verdient Mitgefühl.