Baufortschritt

Warum der Umbau des Tanzhauses nur Schritt für Schritt vorangeht

Eine Großbaustelle inmitten der Donauwörther Innenstadt. Bis zur Landesgartenschau 2028 soll das Tanzhaus in Donauwörth fertigstellt sein. Bild: Thomas Oesterer
Das Donauwörther Tanzhaus wird derzeit kernsaniert. Bei einer Baustellenbesichtigung erklärt Hochbauleiter Josef Stuber, welche Herausforderungen das Projekt mit sich bringt und warum der Umbau so viel Zeit beansprucht.

Wer heute durch die ehemalige Tanzhauspassage in Donauwörth geht, muss schon genau hinschauen, um den Ort wiederzuerkennen. Wo früher Geschäfte zum Bummeln einluden, sind die Ladenlokale verschwunden. Wände wurden herausgenommen, Böden freigelegt und Decken vom alten Belag befreit. Von der einstigen Passage ist vor allem das Gebäudeskelett geblieben. Und doch lässt sich zwischen Beton, Staub und freigelegten Bauteilen bereits erahnen, wie das Tanzhaus künftig aussehen soll.

Josef Stuber, Leiter des Hochbaus der Stadt Donauwörth, führt uns durch das Gebäude. Er und sein Team begleiten die Sanierung täglich. Der Rundgang macht deutlich: Hinter dem sichtbaren Rückbau steckt ein komplizierter Prozess. Denn im Tanzhaus geht es nicht nur darum, Altes zu entfernen und Neues einzubauen. Das bestehende Gebäude muss während der Arbeiten Schritt für Schritt statisch gesichert werden.

Erst sichern, dann abbrechen

„Der Abbruch und der Aufbau laufen praktisch Hand in Hand, Step für Step“, erklärt Stuber. Das statische Konzept gebe vor, in welcher Reihenfolge die Arbeiten erfolgen dürfen. Neue Wände müssen teilweise erst hergestellt und bestehende Bauteile verstärkt werden, bevor an anderer Stelle weiter zurückgebaut werden kann. Ein passendes Beispiel dafür ist das Treppenhaus direkt an der Reichsstraße. Erst wenn das neue Treppenhaus auf der Nordseite vollständig hergestellt ist, darf das bisherige Treppenhaus im Süden entfernt werden. Die Arbeiten greifen hier direkt ineinander: Während an einer Stelle noch abgebrochen wird, werden anderswo bereits Decken vorbereitet oder Wände verstärkt.

Zum Einsatz kommen dabei auch Carbonfasern. An den Wänden werden entsprechende Matten hinter dem Putz angebracht, um die erforderliche Aussteifung wiederherzustellen. Die Decken werden zunächst sandgestrahlt und anschließend statisch ertüchtigt. Auch der Beton selbst muss an einigen Stellen saniert werden. Vor allem in Bereichen, die über Jahre Streusalz ausgesetzt waren, untersuchen Fachleute die vorhandene Substanz. Proben werden entnommen und im Labor ausgewertet. Erst danach steht fest, welche Bereiche tatsächlich saniert werden müssen

Aus der Passage wird ein neuer Treffpunkt

Besonders anschaulich wird der Rundgang dort, wo Stuber die künftige Nutzung der Räume erklärt. In der ehemaligen Tanzhauspassage sollen Besucherinnen und Besucher künftig wieder ein- und ausgehen – allerdings aus anderen Gründen als früher. Im Eingangsbereich ist die Tourist-Information vorgesehen. Links davon soll ein Café entstehen, dahinter die Stadtbibliothek. Ein neues Treppenhaus und eine Aufzugsanlage verbinden die Bereiche miteinander.

Auch der Stadtsaal bleibt an seinem bisherigen Standort. Er wird modernisiert und durch Nebenräume wie Garderoben, Cateringbereich und Veranstaltungsfoyer ergänzt. In den Dachgeschossen sind Büroflächen sowie ein Trauzimmer vorgesehen. Unter dem Gebäude bleiben Fahrradabstellplätze und Behindertenparkplätze erhalten. Damit setzt die Stadt auf ein Konzept, das unterschiedliche Nutzungen unter einem Dach vereint: Kultur, Veranstaltungen, Lesen, Tourismus und Gastronomie. Die Sanierung soll das Tanzhaus wieder zu einem Ort machen, an dem sich Menschen nicht nur zu bestimmten Anlässen treffen.

Was vom alten Tanzhaus bleibt

Bei aller Veränderung verschwinden nicht sämtliche Spuren der Vergangenheit. Während der Rundgang durch die entkernten Räume führt, fällt der Blick immer wieder auf einzelne Elemente, die erhalten bleiben sollen. Dazu gehört das Geländer der Galerie, das als denkmalprägendes Bauteil eingestuft ist. Auch die früheren Kronleuchter aus dem Stadtsaal werden nicht einfach entsorgt. Sie sind als Einzeldenkmäler geschützt, derzeit eingelagert und sollen restauriert werden, bevor sie wieder an ihren Platz zurückkehren.

Gerade weil ringsum so viel entfernt wurde, treten diese verbliebenen Elemente besonders deutlich hervor. Sie erinnern daran, dass die Stadt nicht einfach ein neues Gebäude errichtet, sondern ein bestehendes Haus weiterentwickelt. Nach aktuellem Plan soll das Tanzhaus Anfang 2028 fertig sein – rechtzeitig zur Landesgartenschau in Donauwörth. Bis dahin bleibt allerdings noch einiges zu tun. 

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

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