27. Februar 2017, 19:12

Diagnose Lipödem: Wenn Fettzellen außer Kontrolle geraten

Marina Sandner aus Wechingen leidet am sogenannten Lipödem. Sie hat uns ihre Geschichte erzählt. Bild: Privat
Schiefe Blicke wegen ihrer Körperfülle ist Marina Sandner aus Wechingen gewohnt. Allerdings kann die 25-Jährige nichts für ihr Gewicht. Seit der Diagnose "Lipödem" kämpft die junge Frau, um sich ihre Lebensqualität zurückzuholen.
Schiefe Blicke wegen ihrer Körperfülle ist Marina Sandner aus Wechingen gewohnt. Allerdings kann die 25-Jährige nichts für ihr Gewicht. Seit der Diagnose "Lipödem" kämpft die junge Frau, um sich ihre Lebensqualität zurückzuholen.
Wechingen - Vier Operationen unter Vollnarkose hat Marina in den letzten Monaten über sich ergehen lassen müssen. Allesamt Fettabsaugungen. Hört man das ohne die Hintergründe zu kennen, bekommt man schnell einen bestimmten Eindruck. Allerdings kann Marina nichts für ihre Körperfülle, denn Marina leidet unter dem sogenannten Lipödem. Einer oft verkannten Fettverteilungstörung, die überwiegend im Oberschenkel-, Gesäß- und Hüftbereich, an der Innenseite der Kniegelenke und der Unterschenkel auftritt. Im Volksmund wird die Krankheit oft als Reiterhosenphänomen bezeichnet. Im fortgeschrittenen Stadium sind auch oft die Arme betroffen. Die Krankheit ist genbedingt vererbt und beginnt meist schon während oder kurz nach der Pubertät.
Eine Liposuktion ist auch für den Kreislauf eine anstrengende Angelegenheit. Hinzu kommen auch die Schmerzen nach dem Eingriff. Bild: Privat
In Einzelfällen auch erst nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Betroffen davon sind ausschließlich Frauen. Obwohl sie also nachweislich nichts für ihre Körperfülle kann, wird genau das der 25-Jährigen, oft vorgeworfen: "Es gibt immer wieder Menschen, die mir sagen, dass ich nicht so viel essen oder Sport machen soll." Mittlerweile, so die 25-Jährige weiter, mache ihr das aber nichts mehr aus: "Meistens prallt das von mir ab. Aber es gibt auch schlechte Tage, an denen ich mir das dann doch zu Herzen nehme." Viele Menschen, so Marina weiter, wissen auch gar nicht von der Krankheit. Deshalb sei es ihr so wichtig ihre Geschichte zu erzählen.
Keine Diät hat geholfen
Marinas Leidensgeschichte beginnt, als sie bemerkt, dass sie immer weiter zunimmt. Vor allem die Oberschenkel, die Hüften, der Po und die Arme sind von der Zunahme betroffen. Trotz gesunder Ernährung, und zahlreicher Diäten ist die Zunahme nicht aufzuhalten. Schließlich fiel der heute 25-Jährigen das Laufen immer schwerer und bereitete ihr schließlich sogar Schmerzen.  "Ich habe wirklich fast alle Diäten ausprobiert. Von der Brigitte-Diät bis zur AOK-Diät, war alles dabei", erzählt die 25-Jährige von ihren Erfahrungen. Geholfen habe nichts von alledem. "Irgendwann beginnt man dann auch zu resignieren", erinnert sich Marina zurück.  Weil ihre Schmerzen irgendwann fast unerträglich werden, beginnt Marinas Irrweg von Arzt zu Arzt. Als sie endlich einen Arzt gefunden hatte, der wusste, was mit ihr los war, fällt zum ersten Mal der Begriff Lipödem. Einerseits eine erschreckende Diagnose für die damals gerade 18-Jährige, andererseits war sie froh zu wissen, was eigentlich mit ihr los ist.  "Nach der Diagnose hat mich mein Arzt erstmal zur Reha geschickt", erzählt Marina weiter.
Trotz ihrer Krankheit ist Marina eine lebenslustige junge Frau. Ihr Ziel für die Zukunft: Dem Idealgewicht so nahe wie möglich zu kommen. Ein Anfang ist bereits gemacht, denn 30 Kilo sind bereits weg. Bild: Privat
Nach der Reha stehen Lymphdrainage und das Tragen von speziellen Kompressionshosen auf der Tagesordnung. Die einzigen Therapiemöglichkeiten, die von der Krankenkasse bezahlt werden. Diese lindern allerdings nur ihre Beschwerden. "Das einzige, was wirklich hilft, ist eine sogenannte Liposuktion - eine spezielle Fettabsaugung", erklärt Marina und fügt enttäuscht hinzu: "Diese wird allerdings von der Kasse nicht übernommen." Die Kosten für eine solche Operation belaufen sich in Marinas Fall auf 30.000 Euro. "Natürlich habe ich mich dann auch bei verschiedenen Schönheitschirurgen erkundigt. Einer hat mir auch ein günstigeres Angebot gemacht. Er wollte das ganze Fett in einer OP absaugen. Ich habe mir dann aber auch eine zweite Meinung bei meinem Arzt, Dr. Cornely aus Köln eingeholt. Er war von dem Angebot des Schönheitschirurgen schockiert und hat mir auf den Kopf zu gesagt, dass ich diese Operation wahrscheinlich nicht überlebt hätte", erzählt Marina. Also entschied sich Marina dazu, einen Kredit über 30.000 Euro aufzunehmen, und die Absaugung durch einen Spezialisten durchführen zu lassen. Mittlerweile hat sie bereits vier der fünf Operationen überstanden. Durch gesunde Ernährung und die vier Liposuktionen konnte sie so bereits 30 Kilogramm verlieren. Im Mai soll dann die letzte Operation stattfinden, denn die Liposuktion ihrer Arme steht noch aus. Ihre Kompressionshosen wird die 25-Jährige allerdings nie loswerden, denn dazu wurde die Krankheit zu spät diagnostiziert. "Ich werde auch nie mein Idealgewicht von 65 oder 70 Kilogramm erreichen, aber ich werde alles dafür tun, dass ich dem so nahe wie möglich komme",  ist Marina überzeugt.
Weil Marina lange brauchen wird, um ihren Kredit abzubezahlen, hat sich die junge Frau entscheiden, ein Spendenkonto (IBAN: DE 36 720 693 08 0140 710 695) einzurichten. Wer möchte kann ihr so unter die Arme greifen. Wer mehr über die Geschichte der 25-Jährigen wissen oder sich austauschen möchte, kann über ihre Facebookseite https://www.facebook.com/marina.madden.5?fref=ts oder via E-Mail (sandner.marina@arcor.de) Kontakt zu ihr aufnehmen.

 

 
Diana Hahn
Diana Hahn , Donau-Ries-Aktuell

Redaktionsleitung. Unterwegs für blättle und online. Ob Wirtschaft, neue Technologien oder Historisches aus dem Landkreis – sie fühlt sich in allen Themen zu Hause und mittlerweile auch in unserem Landkreis, als „Zugreiste“ aus dem Raum Dillingen. Hinterfragt gründlich und bringt Dinge auf den Punkt.

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