14. November 2018, 15:17

Stift wird mit "unzureichender Qualität" bewertet

. Bild: Matthias Stark
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in Berlin den ersten Bericht über Qualitätsergebnisse veröffentlicht, die für die Krankenhausplanung relevant sind. Demnach wurde dem Stiftungskrankenhaus in Nördlingen eine "unzureichende Qualität" bescheinigt. Dieser Sachverhalt wurde heute auch im Kreistag thematisiert
Nördlingen - Im April 2017 kam eine Frau mit ihrem Mann ins Nördlinger Krankenhaus. Sie war schwanger und die Wehen haben eingesetzt. Eigentlich kein Problem. Da sie aber noch nicht in der 37. Schwangerschaftswoche war, war das Krankenhaus in Nördlingen nicht dafür ausgerichtet, denn am "Stift" gibt es keine Kinderklinik. Die anwesenden Ärzte entschieden, die Schwangere nicht in die Kinderklinik in Aalen oder Augsburg zu verlegen, eine Fahrt mit dem Rettungswagen hätte zu lange gedauert. Um das Kind nicht im Krankenwagen zur Welt kommen zu lassen, begleiten die Ärzte in Nördlingen die Geburt. In einem solchen Fall gibt es in Augsburg einen Notfall-Kinderarzt. Dieser wird in so einem Fall mit einem Hubschrauber eingeflogen. Doch das Kind hatte es eilig und wartete nicht, bis der Kinderarzt da war. Am Ende halten die Eltern einen gesunden Jungen im Arm. Er wurde am nächsten Tag in die Kinderklinik nach Augsburg zur weiteren Versorgung übergeben.
"Wie bei jeder Geburt üblich, muss die Geburt dokumentiert werden und wir geben dieses weiter," so Jürgen Busse, Vorstand des gemeinsamen Kommunalunternehmens. Bei der Durchsicht der Daten fiel dem gemeinsame Bundesausschuss auf, dass bei der Geburt im April kein Kinderarzt dabei war und damit die nötigen Qualitätsstandards nicht eingehalten wurden. Deshalb ergibt sich die Bewertung "Unzureichende Qualität." Für Jürgen Busse nicht nachvollziehbar. "Der Vater des Kindes hat uns auf Nachfrage bestätigt, dass die Versorgung durch Ärzte, Hebamme und Schwester sehr gut war. Der angeforderte Kinderarzt traf kurz nach der Geburt des Kindes in Nördlingen ein."
Kreis bekommt keine Kinderklink
Mit der aktuellen Situation, dass der Landkreis keine eigene Kinderklink hat "müsse man Leben," so Busse weiter. Der Landkreis gilt durch die Einrichtungen in Aalen, Augsburg und Neuburg als ausreichend versorgt. "Unsere Ärzte haben zum Wohl der Mutter und des Kindes entschieden. Wäre es in einem Krankenwagen zwischen Pflaumloch und Bopfingen auf die Welt gekommen, wäre die Versorgung bei weitem nicht so gut gewesen. Es waren neben einem Gynäkologen, eine Hebamme, ein Anästesist und zwei Schwestern dabei," so der Klinikchef. Die Konsequenzen aus der Einschätzung des Gemeinsamen Bundesausschusses sind nun eine Stellungnahme an das Bayerische Gesundheitsministerium.
"Wir spielen hiermit den Ball nun zurück nach München. Wir haben keine Kinderklinik und der Notfallkinderarzt ist zu langsam," erklärt Busse das weitere Vorgehen. In seinen Augen habe man richtig gehandelt. "Das werden wir auch so erklären."
Ursula Straka betonte in der Kreistagssitzung, dass es im Kreistag wichtig ist, hinter den zwei Geburtshilfen zu stehen und sich gegen die Zentralisierung wehren. „Wir wissen, wie positiv die Versorgungslage im Landkreis ist. Das dürfen wir uns von der großen Politik nicht madig reden lassen, sondern alles dafür tun, dass wir hinter unseren Krankenhäusern stehen.“
Wie kommt es zu der Bewertung?
Wie aussagekräftig die Einschätzung "unzureichende Qualität" tatsächlich ist, bleibt fraglich. Die Qualitätseinstufung erscheint willkürlich. In Nördlingen wurde eben jene Geburt vor der vollendeten 35. Schwangerschaftswoche gezählt. Da bei dieser kein Kinderarzt anwesend war, liegt die Quote der Anwesenheit bei 0 Prozent. Damit gilt für die Geburtshilfe am Stiftungskrankenhaus in Nördlingen eine "unzureichende Qualität." Schaut man sich die Geburtshilfe in Donauwörth an zeigt sich, dass dort sogar zwei Geburten vor der 35. Schwangerschaftswoche stattfanden - ebenfalls ohne Kinderarzt. Die Geburtshilfe in Donauwörth bekommt von Seiten des Gemeinsamen Bundesausschusses jedoch eine "zureichende Qualität" bescheinigt.
Auf Nachfrage der Redaktion äußert sich der gemeinsame Bundesausschuss nicht zu der Frage, wie den die unterschiedlichen Bewertungen zustande kommen. Unsere Anfrage wurde lediglich mit dem Hinweis auf einige Pressemitteilungen beantwortet. Es ist also davon auszugehen, dass die Entscheidung zur Einstufung am Ende nicht nur auf Fakten beruht, sonst hätte auch Donauwörth wohl eine unzureichende Qualität bekommen.