Corona-Maßnahmen

Elterninitiative plädiert für gegenseitiges Verständnis

Christian Ferber von der Elterninitiative Donau-Ries war einer der Redner bei der Aktion in Oettingen am 25. April 2021. Bild: Doris Dollmann
Es waren doch weitaus mehr als die 200 erwarteten Menschen, die an der Versammlung der Elterninitiative Donau-Ries heute Nachmittag in Oettingen teilnahmen. Ziel war es, wie bereits berichtet, die Menschen wieder in den gegenseitigen Dialog zu bringen.

35 Einsatzkräfte und zahlreiche eigene Ordnungskräfte sorgten für einen reibungslosen Verlauf und die Einhaltung der Hygienevorschriften.

Bereits letztes Jahr wandten sich die Elternvertreter an die lokalen und regionalen Politiker und die niedergelassenen Ärzte und Kinderärzte, um auf die gesundheitlichen Folgend der Hygienemaßnahmen, vor allem für die Kinder, aufmerksam zu machen. Teilweise hätten diese nämlich ihre Masken zwischen acht und neun Stunden auf, so lange wie kein Erwachsener am Arbeitsplatz, beklagte Christian Ferber von der Elterninitiative. Leider habe man keine Antwort bekommen, teilweise nicht einmal eine Eingangsbestätigung der Briefe. Ein klares „Nein“ erteilt die Elterninitiative auch der Testpflicht in den Schulen. Kinder hätten keine eigene Lobby, so Ferber weiter. Ihre Lobby seien die Eltern. „Die Medien müssen die Lobby der Kinder sein!"

Von den Corona-Auswirkungen betroffen

Eigens aus Landsberg angereist war die in Nördlingen aufgewachsene ehemalige Lehrerin Christine Specker. Ehemalig deswegen, weil sie gleich zu Beginn der Umsetzung der 1. Hygienepläne ihren Dienst am Gymnasium quittiert hat. Seitdem unterstützt sie Eltern, die ihre Kinder aus der Schule nehmen möchten.

Stellvertretend für Einzelhandel und Gewerbe erzählte Isabella Bauer (Element Haar by Isabella), wie es ihr als Friseurin ergangen ist. 526 Euro Kurzarbeitsgeld für drei Monate und keinerlei Soforthilfe, denn die hatte offensichtlich ein Betrüger für sich beantragt und gleich ins Ausland überweisen lassen. Trotzdem müsse sie ihre Angestellten weiter bezahlen. Sie plagen massive Zukunftsängste, denn beim Friseur gehe weder „Click & Collect“ noch „To go“.

Noch im Herbst versprachen die Politiker, es werde keinen weiteren Lockdown geben. Auch Anja Fischer-Mayer (Anja's Lust auf Mode, Wemding) bestellte deshalb die aktuelle Frühjahr-/Sommer-Kollektion und bleibt, wie viele andere der Bekleidungsbranche, jetzt größtenteils auf der Ware sitzen. Ihre Idee, 51 Prozent ihrer Ladenfläche mit Spirituosen und Toilettenpapier zu füllen, den Gewerbeschein dann entsprechend zu ändern und durch das erweiterte Sortiment so das Geschäft zu öffnen, endete mit Androhung einer Abmahnung. Sie plädierte, wie auch der Oettinger Blumenhändler Peter Bauer (Grüner Leicht Sinn, Oettingen) dafür, den lokalen Handel zu unterstützen und vor Ort zu kaufen.

Städtesterben befürchtet

Sollte der Lockdown noch weiter gehen, befürchte er, dass 51 Prozent der Händler die nächste Vorfinanzierung nicht mehr schaffen werden. Aufgrund seiner engen Kontakte zur IHK nannte er erschreckende Zahlen. So gebe es fast jede Woche einen Suizid in den Reihen der Handeltreibenden. Außerdem lebe der Handel von den sozialen Kontakten, und finde „Auge zu Auge“ statt. Der kleine Ratsch, während man den Blumenstrauß bindet, gehört einfach dazu. Die fehlenden sozialen Kontakte machten allen schwer zu schaffen, darin waren sich alle einig.

Spyridon Stratis (Lieblingsgrieche Oettingen) stellte die Frage: „Wer kann sich 'Essen gehen' denn überhaupt noch leisten?“ Seit sechs Monaten müsse das Personal mit nur 50 Prozent des Einkommens auskommen. Viele seiner Beschäftigen hätten sich mittlerweile einen sichereren Job gesucht. Durch Einhalten der Hygienevorschriften würden etwa 30 Prozent der Sitzplätze wegfallen. Stratis nutzte die Gelegenheit und entschuldigte sich für den vielen Müll, der bei „To go“ anfalle. „Aber Umweltschutz ist momentan wohl eh kein Thema...“

Kunst und Kultur fehlen

Lothar Lechner (Musiklehrer) führte an, dass vor allem der menschliche Unterricht fehle. Sobald sich aber, wie kürzlich, bekannte Schauspieler zu Wort melden und Kritk an der Corona-Politik äußern, werden sie sofort in eine bestimmte Schublade gesteckt. Das dürfe man nicht zulassen, vielmehr müsse man sich für die Rechte und Freiheiten der Künstler stark machen.

Mit fast tränenerstickter Stimme berichtete Sandra Exner (Sängerin Overman Brassband) von ihren Erfahrungen während Corona. Die Zahlungen für Gema usw. gingen zwar weiter, Auftritte hingegen gebe es nicht. Es gehe aber vor allem um das Leben, das einfach fehle.

Schlaflose Nächte und Angst vor einer ungewissen Zukunft plagen auch Kerstin Lissmann (Gesundheitscenter Oettingen). Es gehe nicht um den perfekt gestylten Body oder „Muskeln pumpen“, sondern viel mehr um die zahlreichen Kranken, die ins Studio kommen. Spätfolgen von Corona sind nach ihren Worten aus der Bewegungsarmut resultierende Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht. Gerade die Fitnessstudios verfügten schon lange vor Corona über ein umfangreiches Hygienesystem, so Lissmann. Ihrer Meinung nach müsse im Hinblick auf Vereine, deren Mitgliederzahlen ebenfalls rückläufig sind, auch Sport systemrelevant sein.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Nach diesem Motto forderte Andreas Becker (Tierarzt, Möttingen) eine ganzheitliche Betrachtung der Corona-Situation. Er wolle sich selber zwar nicht als Impfgegner bezeichnen, warnte aber dennoch, sich impfen zu lassen. Besonders gefährlich sei die Zeit zwischen der ersten und zweiten Impfung, denn da könne sich das „Virus ins gemachte Nest setzen“. Außerdem könne es sein, dass bei jährlich notwendigen Impfauffrischungen der menschliche Körper nicht mehr mitmache, so der Tierarzt. Allerdings sprach er sich dafür aus, dass sich Risikopatienten durchaus impfen lassen sollten, um einen nicht so schlimmen oder gar tödlichen Verlauf zu haben.

Die frühere Lehrerin Christine Specker reiste extra aus Landsberg nach Oettingen. Bild: Doris Dollmann