23. Februar 2017, 11:46

Eine Mahnung für kommende Generationen

Vor mittlerweile 72 Jahren, am 23. Februar 1945, wurde die Stadt Oettingen Ziel eines alliierten Bombenangriffs. Es war ein sonniger Wintertag, die Bewohner gingen ihrer gewohnten Arbeit nach An die fast täglichen Luftalarme hatte man sich schon lange gewöhnt; warum sollte schon das kleine militärisch bedeutungslose Oettingen angegriffen werden? Ein fataler Irrtum!
Oettingen - In den Morgenstunden des 23. Februar 1945 starteten von Flugplätzen in Südengland im Rahmen des Unternehmens „CLARION zwölf Bombergruppen der 1. AIR DIVISION mit 460 Fliegenden Festungen. Angriffsziele waren unter anderem Eger, Bamberg, Bayreuth, Plauen und Zwickau.
Eine geschlossene Wolkendecke war jedoch der Grund, dass sich die amerikanischen Bomberverbände nicht zum Angriff auf die vorgesehenen Ziele entschlossen. Die 351. und die 457. Bombergruppe sowie die 401. Bombergruppe die Eger und Bamberg angreifen sollten, lösten ihre geschlossene Formation auf. Die 457. und die 401. Bombergruppe umflogen Nürnberg, um den Angriff auf Oettingen einzuleiten.
Bereits gegen 10.30 Uhr markierte ein Flugzeug die Stadt mit den beiden Brücken und dem Bahnhof als Angriffsziel. Um 12.26 Uhr brach die Katastrophe über Oettingen herein. Von insgesamt 47 B-17 Bombern wurden rund 500 Bomben abgeworfen. Der verheerende Angriff forderte etwa 200 Menschenleben, 100 Personen waren verwundet, etwa 700 obdachlos geworden. Unter den Toten waren auch Bombenevakuierte aus dem Ruhrgebiet, die sich in Oettingen in Sicherheit wähnten. Die Eisenbahn- und die Straßenbrücke erhielten Treffer, die Bahnanlagen wurden vernichtet und rund 300 Gebäude ganz oder teilweise zerstört. Betroffen waren vor allem die untere Vorstadt sowie die Gegend um den Bahnhof. Der Oettinger Fotograf Josef Fischer hat – trotz Verbots – die Zerstörungen in der Stadt bildlich festgehalten und so ein erschütterndes Zeugnis dieser Katastrophe der Nachwelt erhalten.
Viele Jahre herrschte Unklarheit über die wahren Gründe für diesen Angriff. Erst 30 Jahre später wurden die alliierten Militärarchive zugänglich gemacht. Es ist ein großes Verdienst des Oettingers Jörg-Dieter Groß, der mit seinen langwierigen Recherchen und Interviews mit ehemaligen amerikanischen Piloten letzte Klarheit über das Geschehen erbrachte.
Viele der damaligen Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben und mit der wachsenden zeitlichen Distanz verblasst die Erinnerung an dieses Ereignis. Vor allem bei der jüngeren Generation ist es weitgehend unbekannt. In der Stadt selbst erinnern noch die Tafeln mit den Namen der Opfer in der Friedhofskapelle und in St. Leonhard an diesen Tag. Nur wenige Personen verloren sich zur alljährlichen Gedenkfeier auf dem örtlichen Friedhof.
Die Oettinger Soldaten- und Reservistenkameradschaft bemüht sich seit Jahren – gemäß ihrem satzungsgemäßen Auftrag – an die Opfer von Kriegshandlungen zu erinnern. So wurde 2008 die Gedenkstätte am Heuberger Flugplatz errichtet, am Kriegerdenkmal eine Tafel für die bei Einsätzen der Bundeswehr gefallenen Soldaten angebracht, in der Friedhofskapelle das Bombensplitterkreuz und erst kürzlich wurde das beschädigte Nittinger Denkmal erneuert.
Am 72. Jahrestag des Angriffs werden um 18.00 Uhr in der Grünanlage an der Wörnitzbrücke ein Gedenkstein und eine Stele mit Bildern des zerstörten Oettingen eingeweiht. Prominenter Gast wird der Präsident des Bayerischen Soldatenbundes Oberst a. D. Richard Drexl sein. Die Stadtkapelle wird die Feier musikalisch umrahmen und die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine und der Nordrieser Reservistenkameradschaften bilden einen würdigen Rahmen.
Während einer kurzen Andacht mit Dekan Armin Diener wird in der St. Jakobskirche der Film „Oettingen im Bombenhagel“ vorgeführt. In dem von Jörg-Dieter Groß gedrehten Film werden die Zerstörungen gezeigt und die Ergebnisse seiner Forschungen zusammengefasst.
Die gesamte Bevölkerung ist zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen. (pm)