Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler referierte im Rahmen des Nördlinger Neujahrsempfangs über das Thema „Katholisch in einer evangelischen Stadt.“ Damit möchte man die nun 200-jährige Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Salvator in Nördlingen würdigen. „Heute ist die katholische Gemeinde aus der Stadt nicht wegzudenken", eröffnete David Wittner. „Im frühen 19. Jahrhundert begann der Weg der Gemeinde in Nördlingen mit dem Erwerb der zweiten großen Kirche in der Stadt.
Das heutige Amtsgericht war seinerzeit eine Besitzung des Klosters Kaisheim. Das Gebäude - das sogenannte Kastenhaus - wurde von Stadtsoldaten bewacht, damit niemand zu einem möglichen katholischen Gottesdienst gehen würden. Im evangelischen Nördlingen natürlich nicht gern gesehen. Mit der Übernahme Nördlingens durch Bayern wurde der katholische Glaube gleichgestellt. Es folgte ein Provisorium ohne eigenen Pfarrer. Deshalb gründete sich eine Initiative der katholischen Bürger. Sie fragten an, ob die bislang als Gefängnis genutzte ehemalige Karmeliterkirche überlassen werden könnte. Jahrelang gab es keine Entscheidung diesbezüglich und es folgten weitere Übergangslösungen.
Sie wandten sich deshalb an den bayerischen König, der ihr Anliegen erhörte. König Ludwig der I. entschied dann 1825 kurzerhand die Übergabe der Herrgottskirche, die damals mehr oder weniger eine Ruine war. Erst am 02. Mai 1826 wurde die Schenkung dann vertraglich geregelt. In diesem Vertrag wurde auch erstmals die katholische Gemeinde genannt. In diesem Vertrag wurde unter anderem festgehalten, dass im Falle einer nicht möglichen Nutzung von St. Georg die evangelische Gemeinde die Kirche St. Salvator nutzen dürfe. 1829 wurde die Kirche St. Salvator geweiht, 1834 kam der erste katholische Pfarrer nach Nördlingen.
Anwachsen der katholischen Gemeinde im 20. Jahrhundert
1868 kamen die Franziskanerinnen nach Nördlingen und eröffneten unter dem Namen Maria Stern eine Bildungseinrichtung für Mädchen. Im Jahr 1899 durfte erstmals wieder eine Fronleichnamsprozession durch Nördlingen führen - erstmals seit der Reformation. Damals nahmen über 1.000 Menschen teil, wie Moosdiele-Hitzler referierte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die katholische Gemeinschaft immer stärker in den Alltag der Stadt integriert. Rund 100 Jahre dauerte es, bis die katholischen Kinder nun auch am Stabenfest teilnehmen dürfen. Das geschah erstmals im Jahr 1913. 1926 gab es dann Pläne, dass die St. Salvtorkirche einen 50 Meter hohen Turm bekommt. Die Pläne sind erhalten, wurden aber schnell beerdigt. Mit dem Zuzug der Heimatvertrieben gibt es einen sprunghaften Anstieg der Katholiken und die St. Josef-Kirche wurde als zweite katholische Kirche gebaut. Erstmals im Jahr 2022 führte die Fronleichnamsprozession über den Marktplatz.
Zum Abschluss resümierte Moosdiele-Hitzler: „Die katholische Kirche ist heute aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. So ist die Geschichte der katholischen Gemeinde trotz, oder vielleicht wegen der Widerstände eine Erfolgsgeschichte.“