In den letzten Tagen waren die Polizeiberichte wieder voll mit Wildunfällen. In der Nacht zum Mittwoch wurden drei Vorfälle angezeigt, in der Nacht zuvor waren gleich sieben Wildunfälle gemeldet worden. „Aktuell sind wir auf dem Niveau des Vorjahres“, beschreibt Polizeihauptkommissar Stephan Roßmanith von der Polizeiinspektion Donauwörth die Situation. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr wurde der 1.000. Wildunfall bereits Ende September erreicht – so früh wie nie zuvor.
Und auch in diesem Jahr ist die 1.000er Marke nur eine Frage der Zeit, wie Stephan Roßmanith betont: „Die 1.000 Wildunfälle werden wir auch in diesem Jahr wieder Ende September oder Anfang Oktober erreichen und damit die früher undenkbare Schallmauer wieder durchbrechen.“ Früher seien 700 Wildunfälle im Landkreis normal gewesen.
Politik bremst Pilotprojekt aus
Man wollte der Entwicklung schon mit verschiedenen Projekten begegnen. Aber die Plakataktionen, die an allen Orten vor Wild warnen, blieben wirkungslos. Dazu wurde ein Pilotprojekt, das bereits 2020 geplant war, von der Politik gestrichen. Dabei hätte auf der DON9 zwischen Mauren und Oppertshofen das Wildwarnsystem „Animot“ installiert werden sollen. Bewegungsmelder hätten Wild in Straßennähe erkannt und Autofahrer durch gelbe Blinklichter gewarnt.
Da jedoch bereits 2019 vier solcher Pilotprojekte gestartet worden waren, habe seitens des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr kein Interesse mehr an einem weiteren Projekt bestanden. Auch eine erneute Nachfrage 2024 wurde negativ beschieden, da das Gerät noch nicht genügend ausgereift sei, wie vom Landratsamt auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt wurde.
Entwicklung im Donau-Ries koppelt sich von umliegenden Landkreisen ab
Generell läuft die Entwicklung der Wildunfälle im Donau-Ries komplett anders ab als in den umliegenden Landkreisen. Dort haben sich die Zahlen in den vergangenen Jahren nicht verdoppelt, obwohl die Zusammensetzung der Landkreise ähnlich wie im Donau-Ries ist. Es gebe auch keine Hotspots, wie Stephan Roßmanith hinzufügt. „Die Unfälle sind auf der ganzen Karte verteilt.“
Dementsprechend ratlos zeigt man sich bei der Polizei in diesem Bereich. Zwar gibt es Erklärungsversuche. „Vielleicht haben wir insgesamt zu viel Rotwild, andere Tiere sind in der Unfallstatistik zu vernachlässigen“, äußert der Polizeihauptkommissar eine persönliche Vermutung. Zudem rücken die Felder immer näher an die Straßen, weswegen auch das Rotwild vermehrt auf Straßen auftaucht.
Immer mehr Zweiradfahrer an Wildunfällen beteiligt
Dabei handelt es sich aber bloß um Vermutungen ohne belastbare Zahlen. „Keiner weiß, woran es liegt, dass wir uns so exorbitant im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen entwickeln.“
Verschärft wird die Entwicklung noch durch einen weiteren Aspekt. Immer mehr Zweiradfahrer sind an Wildunfällen beteiligt. Egal ob Motorräder, Roller oder E-Bikes, die Zahlen in diesem Bereich steigen. Erst Ende Juli verletzte sich eine 71-jährige Pedelec-Fahrerin schwer, als ihr ein Reh in den Lenker gesprungen war. „Es zeigt, dass der Freizeitdruck immer höher wird. Mehr Zweiräder bedeuten auch mehr Personenschäden.“
Mehr Kosten durch steigende Wildunfälle
Aber auch das generelle Verhalten der Autofahrer bereitet Polizeihauptkommissar Roßmanith Sorgen. Gerade am Morgen und abends zur Dämmerungszeit würden viele Autofahrer mit unangepasster Geschwindigkeit in Wildunfälle verwickelt. „Es ist ein unfassbarer Unterschied, ob ich 80 oder 100 am Waldrand fahre. Langsam fahren ist das A und O“, weiß Stephan Roßmanith und erinnert an die Straßenverkehrsordnung: „Die Höchstgeschwindigkeit gilt nur unter günstigsten Umständen. Die haben wir aber im Landkreis nicht mit diesen Wildunfällen.“
Zumal die Wildunfälle immense Kosten verursachen, die alle Autofahrer im Landkreis über die Teilkasko mitbezahlen. Durch die hohe Zahl der Wildunfälle steigt die Regionalklasse, die auf alle Versicherten umgelegt wird.