1. Februar 2022, 16:00
Corona-Virus

Landrat Stefan Rößle: "Die Impfung darf die Gesellschaft nicht spalten"

Symbolbild. Bild: pixabay
Zum Thema "Nicht jeder Ungeimpfte ist gleich ein Corona-Leugner oder Querdenker" äußerte sich Landrat Stefan Rößle jüngst in einer Pressemitteilung.

"Als Anfang letzten Jahres mit den Impfungen begonnen werden konnte, habe die Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie bestanden, so die Mitteilung aus dem Landratsamt weiter. Entsprechend schnell hat die Impfkampagne dann auch Fahrt aufgenommen. Seit Längerem zeigt sich aber, dass bei Weitem nicht alle Menschen bereit für eine Impfung sind. Laut einer aktuellen Statistik haben rund ein Viertel der Bevölkerung Bayerns noch keine Erstimpfung erhalten. Gerade dieses Thema verbunden mit der aktuell im Raum stehenden Einführung einer Impfpflicht birgt die Gefahr unsere Gesellschaft zu spalten. Schnell werden alle Ungeimpften über einen Kamm geschert und pauschal als Corona-Leugner oder Querdenker gesehen. Dem ist aber nicht so", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt.

Landrat Stefan Rößle habe sich jüngst mit einer ungeimpften Person über das Thema Impfen unterhalten, dabei hätten der sachlichen Ton und die dargelegten Argumente beim Landrat einen positiven Eindruck hinterlassen, da sie sich in erfreulichem Maße von der Diskussionskultur der strikten Impfgegner abgehoben hätten, erläutert die Pressemitteilung weiter. Landrat Rößle möchte daher diesen Fall etwas näher schildern und darauf aufmerksam machen, dass es auch Menschen gibt, die zwar noch ungeimpft sind, sich aber "sachlich mit dem Thema auseinandersetzen". "Gerade für diese Menschen gilt, ihnen mit fachlich fundierten Argumenten die vorhandenen Zweifel zu nehmen und sie im besten Fall von der Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen. Denn eines ist klar: Das Impfen bedeutet den Ausweg aus der Pandemie und jede Impfung zählt", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Nun zum Fall selbst:

"Die betroffene Person berichtete Landrat Rößle, keiner Gruppe von Impfverweigerern anzugehören, die üblichen Impfungen (u.a. gegen Masern-Röteln-Mumps, Tollwut) zu haben und einer Covid-19-Impfung grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Hinsichtlich der derzeit in Deutschland anerkannten mRNA- und Vektor-Impfstoffe sei die Person jedoch skeptisch und nannte als wesentliche Gründe unter anderem wenig Transparenz hinsichtlich der beobachteten Nebenwirkungen oder häufige Nachimpfungen („Boostern“), deren Anzahl und Frequenz derzeit weder bekannt noch abschätzbar ist. Weiter signalisierte die Person die Bereitschaft, zeitnah nach Verfügbarkeit des Valneva Impfstoffes VLA2001 oder auch bereits mit dem ab Februar verfügbaren NUVAXOVID von Novavax (also den sogenannten „Totimpfstoffen“) eine Impfung vornehmen zu lassen. Durch eine Vielzahl von Gesprächen im Umfeld kann - wie weiter berichtet wird - festgestellt werden, dass sehr viele der ungeimpften Menschen ähnlich denken und sich dann ebenfalls impfen lassen würden", wird der Gesprächsverlauf des Falls in der Pressemitteilung geschildert. „Während man Impfverweigerer vermutlich überhaupt nicht in einen konstruktiven Dialog bringen kann, glaube ich, dass "NUVAXOVID" für viele Impfskeptiker eine Option wäre und für begründet vorsichtige Mitbürgerinnen und Mitbürger ein guter und gangbarer Weg sein könnte“, sei die Einschätzung der Person.

Die Antwort des Landrats wird in der Pressemitteilung wie folgt wiedergegeben: Es dürfe die Gesellschaft nicht spalten, wenn sich Menschen intensiv Gedanken über ihre eigene Gesundheit und auch über die der gesamten Gesellschaft machen. Vielmehr solle dies Ausdruck einer funktionierenden Demokratie sein. Dazu gehöre laut Landrat Rößle aber auch, dass der Staat als letztes Mittel erforderlichenfalls eine Impfpflicht anordnet, wenn anderweitig nicht verhindert werden könne, dass Intensivabteilungen in unseren Krankenhäusern überlaufen und unser ganzes Gesundheitssystem gefährden. Aus seiner Sicht, so der Landrat weiter, seien die zugelassenen Impfstoffe mittlerweile ausreichend getestet. Zudem lägen weltweit vielfältige Erfahrungen vor, die sein Vertrauen in keinster Weise erschüttert, sondern im Gegenteil sogar bestärkt hätten.

Landrat Rößle: "Jede Impfung zählt"

Aus Sicht des Landrats wäre es aber durchaus auch eine Alternative, mit den angesprochenen sog. „Totimpfstoffen“ die ins Stocken geratene Impfkampagne wieder zu forcieren, da sich viele bis dato ungeimpften Menschen auf die neuen Impfstoffe berufen würden. "Wenngleich hierzu auch betont werden muss, dass Argumentationen wie „geringeres Impfrisiko“ oder „höhere Effektivität der Impfung“ fachlich bislang nicht gestützt werden können und deshalb nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden darf, dass dieser Impfstoff sicherer oder wirksamer wäre, meint der Landrat außerdem. Da wir zudem dessen zeitnahe Verfügbarkeit wohl nicht beeinflussen können, ist es in Anbetracht der Gefahr von weiteren SARS-CoV-2-Mutations-Wellen, die deutlich aggressiver sind als die bisherige Omikron-Variante, sich jedoch mit gleicher oder schnellerer Geschwindigkeit ausbreiten, nicht sinnvoll zu warten, gibt Landrat Rößle zu bedenken. Da aber auch die Besorgnisse der Menschen respektiert werden müssen, die bislang noch unsicher sind und Zweifel haben, ist letztendlich die Bereitschaft zur Impfung, egal mit welchem Impfstoff, das wirklich Wichtige", so Landrat Stefan Rößle. (pm)