Neujahrsempfang

Zum Lobe Gottes: Die Familie Meinzolt

Alle 3 Generationen auf einem Bild anlässlich der Taufe von Klaus Meinzolt, 1928: Links außen Hans Meinzolt, 3. v. l. sein Vater Christian Meinzolt, auf dem Arm seiner Mutter Klaus Meinzolt. Bild: privat
Bei seinem ersten öffentlichen Vortrag referierte Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Nördlingen über die Geschichte der Nördlinger Familie Meinzolt.

1978 wurde der erste Ehrenbrief der Stadt an den Kirchenmusiker Klaus Meinzolt übergeben. „Den meisten ist zwar Klaus Meinzolt bekannt, aber nicht die Bedeutung seiner Familie für die Stadt, weshalb ich mich für dieses Thema entschieden habe,“ so der Stadtarchivar. „Die Geschichte der Familie begann mit Christian Meinzolt, der als Pfarrer nach Nördlingen kam und dessen fünf Kinder hier aufwuchsen und zur Schule gingen. An dieser Familie lässt sich über drei Generationen aufzeigen, wie Stadtgeschichte, bayerische Geschichte und deutsche Geschichte miteinander verknüpft sind.“

Christian Meinzolt (1855-1944)

Der Sohn eines Schmiedes wurde in Mittelfranken geboren und vom Nördlinger Pfarrer Johann Friedrich Wucherer zum Theologiestudium gebracht. Nach seinem Studium wurde er Pfarrer in Bächingen an der Brenz. 1893 wurde er 3. Stadtpfarrer in Nördlingen und zog mit seiner Frau und den Kindern in die Riesmetropole. Sie lebten in den Pfarrhäusern in der Pfarr- und Hallgasse. Meinzolt war nicht nur Pfarrer, sondern engagierte sich als Religionslehrer und in den kirchlichen Wohltätigkeitsorganisationen. 1908 wurde er Dekan von Nördlingen; von seinen Zeitgenossen wird er als warmherziger und sehr beliebter Prediger beschrieben. Im Jahr 1909 kam es jedoch zum tiefen Fall, da er als Sittenbrecher überführt wurde. Er ging für 15 Jahre nach Brasilien in die deutsche Kolonie Neuwürttemberg. Seine Frau und die fünf Kinder blieben zurück.

Hans Meinzolt (1887-1967)

1894 kam er in die Nördlinger Volksschule, wo er als Musterschüler auffiel und dann das Gymnasium mit 1,1 abschloss. In Erlangen und Berlin studierte er Jura, wurde beim Staat angestellt und wechselte 1933 als Leiter der Rechtsabteilung des Evangelischen Landeskirchenrats in den Kirchendienst. Die Bayerische Landeskirche wehrte sich gegen die Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Zusammen mit seinen Kollegen wurde Meinzolt suspendiert und organisierte den kirchlichen Widerstand. Er richtete einen Informationsdienst ein und leitete zahlreiche Unterstützer zur Demonstration gegen die Zwangsmaßnahmen an. Nach 20 Tagen musste Hitler einlenken und hob die Suspendierung auf. Meinzolt kämpfte weiter gegen den Nationalsozialismus und verteidigte erfolgreich den Pfarrer Karl Steinbauer vor dem obersten Kriegsgericht; seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass Steinbauer nicht mit dem Tode bestraft, sondern freigesprochen wurde. Nach dem Krieg wurde Meinzolt Staatsrat und in die bayerische Landesregierung berufen. Bis 1957 war er Stellvertreter des Kultusministers. In all den Jahren hat er seine Bindung zu Nördlingen nie verloren, auch weil sein Neffe wieder ins Ries zog.

Klaus Meinzolt (1928-1999)

Klaus Meinzolt wurde als Sohn von Hans‘ Bruder Friedrich in Augsburg geboren. Er studierte Kirchenmusik und bewarb sich 1953 für die Stelle als Kirchenmusiker in Nördlingen. Zum 01. Mai 1954 erhielt er die Stelle und musste sich mit schwierigen Umständen abfinden. Durch die Kriegseinwirkungen war die große Orgel von St. Georg zerstört. In den Folgejahren gründete er mehrere Chöre und erzielte beachtliche Erfolge. „Seine Chöre boten damals, in den 1950er und 1960er Jahren, jungen Leuten die seltene Gelegenheit, miteinander in Kontakt zu kommen. Klaus Meinzolt soll dadurch viele Ehen gestiftet haben,“ erzählte Moosdiele-Hitzler mit einem Lächeln von seinen Gesprächen mit Zeitzeugen. Er hat weit über 100 Schülerinnen und Schüler an der Orgel ausgebildet. Vor allem durch seinen Einsatz wurde nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg 1977 eine neue Hauptorgel in St. Georg aufgebaut. Meinzolt starb 1999 - am Tag des offenen Denkmals - auf dem Dachboden von St. Georg an einem Herzschlag, ganz nah an seiner Orgel.

Alle drei Meinzolts waren beeindruckende Persönlichkeiten, die Nördlingen, Bayern und Deutschland auf ihre Weise geprägt und ihre Spuren in der Stadt und bei den Bürgerinnen und Bürgern hinterlassen haben, resümierte der Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler am Ende seines Vortrags, für den er lang anhaltenden Beifall erhielt.

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