30. Mai 2017, 15:49

Deutscher Mühlentag: Hundert Jahre alte Ölmühle in Maihingen zu erleben

Der Kollergang der über hundert Jahre alten Ölmühle, einer Rarität, besteht aus tonnenschweren Mahlsteinen, die unter einer eindrucksvollen Geräuschkulisse senkrecht um eine Mittelachse laufen und die ölhaltigen Früchte zerquetschen. Müllermeister machen den Besuchern die technischen Vorgänge verständlich
Bild: Dr. Bruno Langner
Am Pfingstmontag, 5. Juni, wird im Mühlenmuseum Maihingen eine über hundert Jahre alte Ölmühle in Betrieb gesetzt. Im benachbarten Museum KulturLand Ries laden kulturhistorische Ausstellungen zu interessanten und vergnüglichen Streifzügen durch ländliche Lebenswelten von einst.
Maihingen -  Seit 1993 führt die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung alljährlich am Pfingstmontag bundesweit den Deutschen Mühlentag durch. Ziel ist es, die Mühlen, einst wichtige Orte der technischen Innovation und der Begegnung, wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. In Deutschland öffnen an diesem Tag über eintausend Mühlen. Maihingen (Lkr. Donau-Ries) bietet sich gleich in mehrfacher Hinsicht als Ausflugsziel an. Der Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein öffnet das Mühlenmuseum in der Scheune der Klostermühle. In unmittelbarer Nähe des Museums KulturLand Ries können die Besucher von 14 bis 17 Uhr hier eine über hundert Jahre alte Ölmühle im Betrieb erleben. „Sie stammt aus der Gegend von Miltenberg, wurde nach Maihingen versetzt und hier wieder betriebsfähig gemacht“, beschreibt die Maihinger Museumschefin Dr. Ruth Kilian die Herkunft dieser Rarität.
Der Kollergang besteht aus tonnenschweren Mahlsteinen, die senkrecht um eine Mittelachse laufen und die ölhaltigen Früchte zerquetschen. Dabei erzeugt er eine eindrucksvolle Geräuschkulisse. Müllermeister erläutern am Deutschen Mühlentag den Besuchern die Vorgänge fachmännisch und verständlich. Auf dem weitläufigen Gelände des Museums KulturLand Ries, einer Einrichtung des Bezirks Schwaben, laden von 13 bis 17 Uhr drei kulturhistorische Ausstellungen zu interessanten Streifzügen durch einstige Lebenswelten. Im Brauhaus führt der weitgehend barrierefreie Rundgang 300 Jahre Alltagskultur im Ries auf rund 1100 qm durch die Themenbereiche Kleidung, Warenwelt und Werbung, Gesundheitspflege, Möbel, Hausarbeit und Vorratshaltung, Kindheit und Schule. Unzählige Objekte von anno dazumal sind zu bestaunen – bis zu komplett eingerichteten Arzt- und Zahnarztpraxen, Frisiersalons und Ladengeschäften.
Ein „luftiger Spaziergang“ über das Ries bildet den Abschluss der Entdeckungsreise, die auch zahlreiche interaktive Medienstationen bereithält. Die Museumsgans Marie führt die kleinen Besucher auf einem speziellen Kinderpfad. Die Sonderausstellung Auslöser Ries! Fotografien aus dem Nachlass Förstner zeigt erstmals 500 Bilder und das fotografische Zubehör zweier Fotografen aus Goldburghausen im Nördlinger Ries. Heinrich Förstner sen. (1896–1944) und sein Sohn Heinrich Förstner jun. (1923–1973) waren Bauern. Beide verband die Leidenschaft zur Fotografie. In den 1920er Jahren begann Förstner sen. auf Glasplatten-Negativen zu fotografieren. Er dokumentierte mit seinem damals für einen Bauern ungewöhnlichem Hobby das alltägliche Leben auf dem Land. Heinrich Förstner jun. fotografierte Familienereignisse und herausragende Begebenheiten in der Region, wie Feste in Nördlingen. Sein Schaffen fand bei seinen vielen Dia Vorträgen und als Zeitungsillustrationen in einer breiten Öffentlichkeit Beachtung. In der Klosterökonomie beleuchtet eine ebenfalls barrierefreie Ausstellung mit Geräten, Maschinen, Filmen, Modellen zum Ausprobieren und Inszenierungen abwechslungsreich die Rieser Landwirtschaft im Wandel 1800–1950. Zur Stärkung stehen am Deutschen Mühlentag Kaffee, kalte Getränke und Kuchen bereit. Das Mühlenmuseum öffnet von 14.00 Uhr–17.00 Uhr, das MKLR von 13.00 Uhr–17.00 Uhr. (pm)