15. Mai 2019, 16:35

Hundert Jahre alte Ölmühle in Maihingen erleben

Der Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein öffnet das Mühlenmuseum in der Scheune der Klostermühle, die dieses Jahr auf eine 700jährige Geschichte zurückblicken kann. Bild: Dr. Bruno Langner
Am Pfingstmontag, 10. Juni, wird im Mühlenmuseum Maihingen eine über hundert Jahre alte Ölmühle in Betrieb genommen. Im benachbarten Museum KulturLand Ries laden kulturhistorische Ausstellungen zu interessanten und vergnüglichen Streifzügen durch ländliche Lebenswelten von einst.

Seit 1993 führt die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung alljährlich am Pfingstmontag bundesweit den Deutschen Mühlentag durch. Ziel ist es, die Mühlen, einst wichtige Orte der technischen Innovation und der Begegnung, wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

Maihingen bietet sich gleich in mehrfacher Hinsicht als Ausflugsziel an: Der Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein öffnet das Mühlenmuseum in der Scheune der Klostermühle, die dieses Jahr auf eine 700jährige Geschichte zurückblicken kann. Von 13 bis 16 Uhr erleben die Besucher hier eine über hundert Jahre alte Ölmühle im Betrieb. Sie stammt aus der Gegend von Miltenberg, wurde nach Maihingen versetzt und betriebsfähig gemacht. Der Kollergang besteht aus tonnenschweren Mahlsteinen, die senkrecht um eine Mittelachse laufen und die ölhaltigen Früchte zerquetschen. Dabei erzeugt er eine eindrucksvolle Geräuschkulisse! Die Masse wird anschließend unter ständigem Rühren in der Wärmpfanne erhitzt und hydraulisch gepresst. Sachkenner erläutern am Deutschen Mühlentag den Besuchern die Vorgänge fachkundig und verständlich.

Auf dem weitläufigen Gelände des unmittelbar benachbarten Museums KulturLand Ries, einer Einrichtung des Bezirks Schwaben, laden von 13 bis 17 Uhr kulturhistorische Ausstellungen zu interessanten Streifzügen durch einstige Lebenswelten.

Im Brauhaus führt der weitgehend barrierefreie Rundgang 300 Jahre Alltagskultur im Ries auf rund 1100 qm durch die Themenbereiche Kleidung, Warenwelt und Werbung, Gesundheitspflege, Möbel, Hausarbeit und Vorratshaltung, Kindheit und Schule. Unzählige Objekte von anno dazumal sind zu bestaunen – bis zu komplett eingerichteten Arzt- und Zahnarztpraxen, Frisiersalons und Ladengeschäften. Ein „luftiger Spaziergang“ über das Ries bildet den Abschluss der Entdeckungsreise, die auch zahlreiche interaktive Medienstationen bereithält. Die Museumsgans Marie führt die kleinen Besucher auf einem speziellen Kinderpfad.

Die Sonderausstellung „Grüne Zweige, bunte Bänder – Frühjahrsbrauch im Ries“ gibt bis 23. Juni Einblicke in die Traditionen in der Zeit von Palmsonntag bis Pfingsten. Palmbusch und Karfreitagsrätsche, Osterlamm und Hasengärtle, Konfirmations- und Kommunionsgeschenke, Blumenteppich und Maibaum, Muttertags-Präsent und Vatertags-Karren, Stabengucker und Mess’-Würste – sie alle gehören im Ries in diese Zeit. Die Ausstellung zeigt wie in einer Collage anhand von zahlreichen historischen Ausstellungsstücken und Bildzeugnissen, Inszenierungen und Aktivmöglichkeiten die bunten Facetten an Bräuchen.

In der Klosterökonomie beleuchtet eine ebenfalls barrierefreie Ausstellung den Umbruch in der Rieser Landwirtschaft von 1800 bis 1950. Sie spannt einen Bogen von der mühevollen Handarbeit mit einfachen Geräten bis zur Vollmechanisierung. Neben den Exponaten veranschaulichen zahlreiche Abbildungen, Filme, Hörbeispiele und Modelle zum Ausprobieren den Wandel.

Zur Stärkung stehen am Deutschen Mühlentag Kaffee, kalte Getränke und Kuchen bereit.