1. Dezember 2017, 12:15

Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft für Jagdgenossenschaften im Landkreis Donau-Ries

Das Jagdrecht muss uneingeschränkt Bestandteil der Land- und Forstwirtschaft bleiben. Darin waren sich Arge-Sprecher Karl-Heinz Fackler, sein Stellvertreter Lorenz Hofer, Andreas Schalk vom BBV-Generalsekretariat und BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller (von links) einig (BIld: Ammich).
Bild: DRA
Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft  für Jagdgenossenschaften Karl-Heinz Fackler freute sich, dass rund 120 Jagdvorstände aus dem gesamten Landkreis an der Versammlung teilnahmen. Er erinnerte sie an ihre vorrangige Aufgabe, nicht die Interessen der Jäger, sondern die der Grundbesitzer zu vertreten. „Wir wollen attraktive Jagden mit attraktiven Pachtzinsen“, sagte Fackler. „Wir wollen aber auch eine Balance zwischen den Anliegern der Jagdpächter und der Landwirte. Dazu brauchen wir weder einen Nationalpark Donau-Auen noch den Biber und auch nicht den Wolf.“
Donauwörth - Der starke Besuch der Jahresversammlung spreche für die gute Arbeit des BBV und der Arge Jagdgenossenschaften, stellte Landrat Stefan Rößle in seinem Grußwort fest. Angesichts des zunehmenden Drucks der Gesellschaft auf die Landwirtschaft und Jagd sei dieser Zusammenhalt auch nötig. „Es gibt eindeutig zu viele Biber im Landkreis“, bekundete Rößle. Das Landratsamt werde seinen Spielraum zum Abfang bzw. Abschuss der Biber überall dort nutzen, wo sie erheblichen Schaden anrichten. Allerdings habe man die Erfahrung gemacht, dass der Fallenfang effektiver als der Abschuss durch die Jäger ist.
„Die Einrichtung eines dritten Nationalparks Donau-Auen ist kein Projekt des Donau-Rieser Landrats“, stellte Rößle klar. Er wisse um den Widerstand aus den Reihen der Landwirte und Jagdgenossen. Sie sollten aber erst dann ihr endgültiges Urteil fällen, wenn genau bekannt ist, wie stark die Landwrtschaft und die Jagd von einem Nationalpark betroffen sind. „Ich verstehe die Sorgen der Landwirte und Waldbesitzer“, versicherte der Landrat. Schließlich seien diese schon gebrannte Kinder durch die Auswirkungen der FFH-Gebiete.
„Die Jagd hat einen hohen Stellenwert in Bayern“, sagte der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler. „Die Politik nimmt die jagdlichen Belange sehr ernst, zumal die Jäger nicht nur pflichtbewusst, sondern auch mit großer Leidenschaft für die Natur arbeiten.“ Ihre Aufgabe sei es, für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wald und Wild zu sorgen. Allerdings hege er, so Fackler, seine Zweifel, ob auch die Bevölkerung um diese wichtige Funktion der Jagd weiß. An die Jäger richtete der Abgeordnete die Mahnung, sich den Respekt vor dem Tier zu bewahren. Der Staat wiederum sei gefordert, auf jagdpolitische Stabilität zu achten.
Dagegen vermisste der Kreisobmann des Donau-Rieser BBV eine klare Position der Politik. „Wir brauchen die Landwirtschaft, die Jagdgenossen und die Jäger“, betonte Karlheinz Götz. Er erwarte von der Politik einen Vorstoß zur Minderung der strengen Schutzbestimmungen für den Biber. Die bürokratischen Hürden für eine Abfang- oder Abschussgenehmigung seien noch viel zu hoch. Dies muss noch einfacher gehen, mahnte Götz an. Mit Nachdruck arbeitet der BBV laut Götz gegen die Einrichtung eines Nationalparks Donau-Auen. Dieser würde erhebliche Einschränkungen für die Grundeigentümer, Waldbesitzer, Jagdgenossenschaften und Jagdpächter mit sich bringen und zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Außerdem stünde die Stilllegung von Waldflächen in einem Nationalpark im Widerspruch zum Klimaschutz. Ein Gutachten belege, dass in einem genutzten Wald deutlich mehr Kohlendioxid als in einem ungenutzten gespeichert wird.
In seinem Vortrag informierte Andreas Schalk vom Referat Bauernwald und Jagd am BBV-Generalsekretariat die Jagdgenossen über die Vorteile des neuen digitalen Jagdkatasters. Dieser erleichtert den Jagdvorstehern ganz erheblich die Verwaltung der Genossenschaft . Nachdem bis zum Jahr 2030 voraussichtlich 40% des bayerischen Privatwalds ihren Besitzer gewechselt haben, werde diese Aufgabe nämlich mit Sicherheit nicht einfacher. Außerdem war die ständige, verpflichtende Aktualisierung der Katasterdaten bisher recht teuer. Für den digitalen Kataster fallen dagegen nur noch pauschale Kostensätze ohne Zusatzgebühren an. Er ermöglicht es den Jagdgenossenschaften, digitale Liegenschafts- und Geobasisdaten von der Vermessungsverwaltung zu beziehen. Kernstück des digitalen Katasters ist der Web-Service mit Eigentümerdatenbank. Sie erfasst alle wichtigen Eigentümerdaten und visualisiert verschiedene Informationen flurstücksscharf auf einer GIS-basierten Übersichtskarte.
Darüber hinaus liefert der digitale Kataster eine Reihe von Vordrucken für Veranstaltungen der Jagdgenossenschaft. Mit einer einmaligen Eingabe des Reinertrags wird der Auszahlungsanspruch der einzelnen Jagdgenossen aus dem Pachtzins in einer Tabelle ausgegeben. Obwohl der digitale Jagdkataster benutzerfreundlich zu bedienen ist, bietet der BBV auch Schulungen an. Um den Kataster nutzen zu können, muss die Jagdgenossenschaft Mitglied im BBV sein.
Der digitale Jagdkataster ist jedoch nur einer von vielen Vorteilen der Mitgliedschaft einer Jagdgenossenschaft im Bauernverband, wie BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller in seinem Vortrag erklärte. Der Berufsverband verstehe sich nämlich als Anwalt der Grundeigentümer und der Jagdgenossenschaften, die einen Großteil der 5,5 Mio ha Privatjagdfläche im Freistaat verwalten. So gibt der BBV mehrmals jährlich Mitteilungen für die Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer heraus, stellt exklusiv einen Leitfaden für die Jagdvorstände bereit, gibt Tipps zur Jagdverpachtung mit Musterpachtvertrag oder auch Vertragshilfen zur Eigenbewirtschaftung. Außerdem bietet der BBV Hilfsmittel zur Wildschadenregulierung und zur Lebensraumverbesserung in waldarmen Gebieten sowie Fortbildungsseminare an.
Stiller verwies auf die politische Arbeit des Bauernverbands, die sich beispielsweise im entschlossenen Einsatz gegen eigentumsfeindliche Tendenzen und die Unterordnung der Jagd unter das Naturschutzrecht zeige. Der BBV wende sich gegen die Aushöhlung der gesetzlichen Pflicht zum Wildschadensersatz, ebenso gegen eine Kürzung der Liste der jagdbaren Tierarten. „Das Jagdrecht muss uneingeschränkt Bestandteil der Land- und Forstwirtschaft bleiben“, schloss Stiller. (pm)