Wasserpegel

Niedrigwasser als Gefahr für den Hochwasserschutz im Donau-Ries?

Das Foto zeigt den Teilschutzdeich und die bis zum Deichfuß angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen. Bild: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth
Die Hitzeperiode sorgt für ungewöhnlich tiefe Pegel in den Flüssen des Donau-Ries. Dies hat sogar Auswirkungen auf den Hochwasserschutz. Das Wasserkraftwerk Rain wird jedoch nicht vom Niedrigwasser beeinflusst.

Fährt man in Donauwörth über die Friedensbrücke, ist es klar ersichtlich: Die Donau hat Niedrigwasser. Und damit ist die Donau nicht allein im Landkreis Donau-Ries – auch wenn es bei der Donau als größtem Fluss der Region am meisten auffällt. „Bayern und auch das Donau-Ries sind derzeit von einer erheblichen und andauernden Niedrigwassersituation betroffen“, beschreibt Gudrun Seidel, Leiterin des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth, die Lage auf Nachfrage unserer Redaktion. Teilweise würden an Pegeln neue Niedrigstwerte festgestellt – so auch der Pegel Donauwörth an der Donau.

Das Niedrigwasser hat Auswirkungen auf die gesamte Wasserwirtschaft im Donau-Ries. Die niedrigen Wasserpegel bieten weniger Lebensraum für Lebewesen. So können in der aktuellen Situation sogar ganze Lebensgemeinschaften absterben. Ausschlaggebend dafür ist eine Mischung aus zu wenig Sauerstoff sowie höherer Nährstoffkonzentrationen. Dadurch nimmt das Wachstum von Algenpopulationen zu, welches wiederum den Sauerstoffmangel in den Gewässern zusätzlich verschärft.

Eine weitere Algengefahr, vor allem wenn es sich um die Blaualge handelt, besteht in der Produktion von Giftstoffen. Diese können bei massenhaftem Auftreten sowohl für Tier als auch Mensch schädlich sein.

Trockenheit kann auch den Hochwasserschutz beeinträchtigen

Und eine Folge, die nicht unmittelbar ins Auge fällt: Auch der Hochwasserschutz in der Region wird durch das Niedrigstwasser in Mitleidenschaft gezogen. Dabei sind jedoch weniger Hochwasserschutzanlagen betroffen als eher Deiche. Diese Erdbauwerke sind im Verbund mit einer durchgehend geschlossenen Gras- und Krautnarbe wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes im Donau-Ries. Speziell die Durchwurzelung der Deiche sorgt für Erosionsschutz.

Bei anhaltender Trockenheit trocknen die Deiche jedoch wie jede Grünfläche aus. Deiche mit tief durchdrungener Durchwurzelung erholen sich wieder, bei frisch angelegten Deichen haben die Wurzeln aber noch keine ausreichende Tiefe erreicht. Dadurch kann es zu Trockenrissen in den Deichen kommen, die das Bauwerk schwächen. „Es sind derzeit aber keine Schäden bekannt, bei denen akuter Handlungsbedarf besteht“, betont Gudrun Seidel und fügt hinzu: „Deichbegehungen werden dieses Jahr noch durchführt und die Deiche auch in den kommenden Monaten beobachtet.“

Dennoch richtete die Behördenleiterin einen wichtigen Aufruf an die Bevölkerung, um Deiche nicht zusätzlich zu schädigen: „Deiche sind gerade in der Böschung weder mit Fahrrädern noch mit Quads oder Motorrädern zu befahren. Aufgrund der Trockenheit und der fehlenden Grasnarbe verursachen solche Freizeitaktivitäten derzeit noch wesentlich größere Schäden als sonst.“

Niedrigwasser hat keine Auswirkungen auf das Wasserkraftwerk Rain

Neben den Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie den Hochwasserschutz beeinträchtigt der niedrige Wasserstand ebenfalls die Stromproduktion mittels Wasserkraftwerke. Das gilt auch für die Werke der LEW, wie Sprecherin Tatjana Vinkovic unserer Redaktion bestätigte. „Aktuell liegt die Stromerzeugung unserer Wasserkraftwerke insgesamt rund 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Dieser Wert bezieht sich auf den gesamten Wasserkraftwerksbestand und nicht auf einzelne Anlagen.“

Das Wasserkraftwerk bei Rain am Lech ist davon aber nicht betroffen. „Aktuell steht ausreichend Wasser für den Betrieb der Anlage zur Verfügung. Nach unserer Einschätzung wird dies auch in den kommenden Wochen weiterhin der Fall sein.“ Zudem seien die Kraftwerke auf schwankende Wasserstände ausgelegt, was auch bei Niedrigwasser einen sicheren Betrieb ermögliche. „Für die Stromversorgung in der Region entstehen dadurch keine Einschränkungen.“

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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