29. März 2018, 12:43

Tagung der Ortsobmänner „Gemeinsam Herausforderungen meistern“

Kreisobmann Karlheinz Götz, rechts: Matthias Borst

Bild: Michael Stiller, BBV
„Gemeinsam Herausforderungen meistern“ unter dem Motto stand die Tagung der Ortsobmänner am 22. März 2018 in Wemding.
Wemding - Anlässlich der Tagung der Ortsobmänner gab Kreisobmann Karlheinz Götz einen Überblick über die Arbeit des Bayerischen Bauernverbandes im Kreisverband. So wurden 2.362 Unterschriften der Bauern, Fischer und Jäger gegen den geplanten Nationalpark Donau-Auen an Dr. Marcel Huber, dem bisherigen Leiter der Staatskanzlei, übergeben. Des Weiteren wurden die Themen Düngeverordnung, Bauen im Außenbereich, Biberschäden, Deichrückverlegung, Biotopkartierung und öffentliche Pauschalkritik an der Landwirtschaft vorgetragen und Änderungen eingefordert. Um den rasanten Wandel in der Landwirtschaft der Bevölkerung näher zu bringen, appellierte Götz an seine Ortsobmänner, gemeinsam mit den Ortsbäuerinnen Felder- oder Stallführungen für die örtliche Bevölkerung durchzuführen. „Hierbei können wir als ortsansässige Landwirte Vertrauen aufbauen und Verständnis für unsere Arbeit bekommen“, erklärte Götz. Ein weiteres sichtbares Zeichen wäre das Anlegen von „Blühflächen“ im Rahmen der ökologischen Vorrangflächen beim Greening. Auf Initiative der Jagdgenossenschaften Wemding und Gosheim wurde mit den Jägern und Privatpersonen ein Förderverein gegründet, der einen Octocopter im Wert von 13.000 Euro anschaffen will, mit dem man im Frühjahr vor der Mahd die Wiesen abfliegen kann, um versteckte Rehkitze aufzufinden und in Sicherheit zu bringen. Auch der BBV-Kreisverband Donau-Ries wird dieses innovative Projekt finanziell unterstützen. Dr. Peter Thrul, stellv. Landrat, sprach von Berichten, dass die Europäischen Bauern durch ihre Überproduktion die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern gefährden und beklagte das Insektensterben wegen der intensiven Landwirtschaft. Gleichzeitig kritisierte er auch die Verbraucher, die nach wie vor noch viel zu wenig Geld für den Einkauf von Lebensmittel ausgeben. Der Landwirt steckt hier in einem Teufelskreis.
Matthias Borst, stellv. Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, stellte zu Beginn seines Vortrages über die EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2020 einige verzerrte Eindrücke durch Schlagzeilen klar. Bedauerlicherweise gäbe es immer wieder undifferenzierte Medienberichte, die einen falschen Eindruck von der Landwirtschaft öffentlich erwecken. Nach den Regeln der Welthandelsorganisation, WTO, haben zum Beispiel gerade die ärmsten Entwicklungsländer handelsrechtlich die Möglichkeit, ihre Grenzen für Nahrungsmittelimporte dicht zu machen, wenn sie ihre heimische Landwirtschaft zum Beispiel in Burkina Faso schützen wollen. Die dortigen Regierungen nutzen das bisher nicht. Auch beim Thema „Insekten“ warb Borst massiv für eine sachliche Befassung, statt pauschaler Urteile. Den die Macher der hier veröffentlichten Studie erklärten selbst, dass sie zu den Ursachen keine Aussage treffen können. Das heißt, dass hier fundierter Forschungsbedarf besteht und alle relevanten Bereiche einzubeziehen sind, so auch die allein in Bayern für Siedlungs- und Verkehrsprojekte aus der Landwirtschaft entzogenen 840.000 Hektar Nutzflächen. Daneben tun die bayerischen auch was für freiwillige Umweltleistungen, zum Beispiel über die Agrarumweltprogramme auf jedem dritten Hektar. Damit erbringen die bayerischen Bauern auch Beiträge zum Erhalt der Artenvielfalt.
In der Diskussion über die EU-Agrarpolitik nach 2020 fordern einige Umweltverbände erhebliche Umwälzungen, indem sie pauschalierend die heutige EU-Agrarpolitik als „Gießkannenprinzip“ abstempeln. Tatsächlich steht aktuell für alle Länder in Europa ein großer „Werkzeugkoffer“ an Maßnahmen über die erste und zweite Säule der GAP zur Verfügung, um die Agrargelder differenziert und zielorientiert einzusetzen. Bayern nutzt diesen Werkzeugkoffer umfassend. So fördert Bayern den kooperativen Umwelt- und Naturschutz mit jährlich über 300 Millionen Euro über das Kulturlandschaftsprogramm und das Vertragsnaturschutzprogramm. Viele andere Bundesländer wie zum Beispiel Schleswig-Holstein nutzen nur ein Drittel bis die Hälfte der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel der GAP für Klima-, Umweltschutz und Förderung des Ökolandbaus. Bei den Beratungen zur EU-Agrarpolitik ist der Vorschlag der EU-Kommission sehr kritisch zu bewerten, dass künftig nur sog. echte Landwirte Direktzahlungen erhalten sollen. Hier besteht die große Gefahr, dass Nebenerwerbslandwirte und Betriebe mit Einkommenskombination künftig ausgeschlossen werden könnten. Der Bauernverband fordert deshalb, dass hier korrigiert werden muss. Viele haben auf ihren Dächern eine PV-Anlage, bieten Urlaub auf dem Bauernhof an oder haben andere Einkünfte, um die Familie über Wasser zu halten. Wenn es hier Veränderungen in der Definition des Landwirts geben würde, würde man all diese Landwirte abstrafen für ihr innovatives Handeln. Das komplexe EU-Agrarfördersystem darf man nicht auf einfache Schlagwörter reduzieren, sondern es muss genau beachtet werden , was dies für unsere deutschen und vor allem bayerischen Bauern bedeuten würde, so Borst.
Dr. Martin Drexler, Bürgermeister von Wemding fordert nicht nur für die Industrie 4.0, sondern auch der Landwirtschaft muss es gestattet sein, neue Produktionsverfahren auf dem Feld und in der Tierhaltung einsetzen zu können.
Manfred Faber, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen, berichtet von der öffentlichen Wahrnehmung der Landwirtschaft und das kritische Hinterfragen der Arbeit der Landwirte. Auch er sieht hier noch sehr großen Aufklärungsbedarf.
Wolfgang Fackler, MDL, ging in seinem Grußwort ebenfalls auf die Leistungen des Freistaates für die Landwirtschaft ein und versicherte, auch weiterhin die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern zu unterstützen.  (pm)
Bild: Michael Stiller, BBV