In den 1990ern trugen Namen wie Steffi Graf oder Boris Becker die Tennis-Begeisterung in die breite Gesellschaft. Die Verbände vermeldeten ständig steigende Mitgliederzahlen und die Plätze in den Vereinen waren voll. Um die Jahrtausendwende ließ der Hype jedoch nach. Allein in Bayern gingen von 1997 bis 2017 über 140.000 Mitglieder verloren. Seitdem steigen die Zahlen jedoch wieder an. Für 2026 vermeldete der Bayerische Tennis-Verband (BTV) 352.052 Mitglieder in 1.974 Vereinen.
Diese Entwicklung scheint auch für das Donau-Ries zu gelten. „Den Tennis-Boom kann ich auf alle Fälle bestätigen“, erklärte Katharina Hörmann (Jugendwartin SpVgg Riedlingen) und wird dabei von Maximilian Pecher (1. Vorstand TC Bäumenheim) bestätigt: „Nachwuchs bei der Jugend und den Kindern ist da.“
Kein Becker-Boom wie in den 90er Jahren
Im Gegensatz zu Graf und Becker scheint der aktuelle Tennis-Boom aber nicht mit einem bestimmten Namen zusammenzuhängen. Zwar hat mit Alexander Zverev – French-Open-Sieger 2026 - erstmals seit 1996 wieder ein deutscher Tennisspieler bei einem Grand-Slam-Turnier triumphiert. Damals holte sich Boris Becker bei den Australian Open den Titel. Dass dies Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen haben wird, glauben die Vereinsverantwortlichen aber nicht.
„Einen Becker-Boom wie in den 90er Jahren wird es nicht geben“, legt sich Rainer Meyr (1. Vorsitzender TC Rot-Weiß Nördlingen) fest. Ebenso sieht es Stefan Reiter (1. Vorsitzender TC Rot-Weiß Rain): „Wir vermuten, dass es nicht den Hype auslöst, der schon mal bei Graf und Becker da war.“
Unterschiedliche Gründe für steigende Mitgliederzahlen
Der große Vorteil: Ein Boom, der nicht durch einen bestimmten Sportler oder ein Ereignis ausgelöst wurde, verspricht eine gewisse Nachhaltigkeit. Alle von uns befragten Vereine berichteten von einer guten Nachwuchslage. In Rain kommt es sogar schon zu einem gewissen Kapazitätsproblem. „Nachwuchs ist vorhanden, kann aber in größerem Umfang aufgrund fehlender Trainer und fehlenden Plätzen aktuell nicht bedient werden“, so Stefan Reiter.
Die Gründe für die steigenden Mitgliederzahlen im Landkreis sind dabei mannigfaltig. So sieht Stefan Reiter zahlreiche Queer- und Wiedereinsteiger in den Vereinen, während Rainer Meyr betont, dass man Tennis „bis ins hohe Alter ausüben kann, auf jedem Niveau“.
Herausforderungen für die Vereine und der Padel-Boom
Allerdings sehen die Verantwortlichen in der Zukunft auch Probleme auf die Vereine zukommen. Für Katharina Hörmann ist die größte Herausforderung, „die Kinder auch bis in den Erwachsenenbereich zu begleiten“. Dazu kommt die ein oder andere finanzielle Hürde, die das Tennis aufbietet. „Kleinere Vereine werden sich meiner Meinung nach in Zukunft schwerer tun, die doch teure Infrastruktur zur Verfügung zu stellen“, glaubt Rainer Meyr. Auch Maximilian Pecher sieht in den Kosten ein Risiko: „Auch die Trainiersuche und die mit Tennis verbundenen Kosten spielen eine Rolle.“ Zudem gebe es generell ein Problem, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich in Vereinen engagieren.
Eine Gefahr besteht jedoch nicht, sind sich die Verantwortlichen einig. Die neue Trend-Sportart Padel stellt für Tennis keine Gefahr dar:
- Stefan Reiter: Wir sehen Padel als Ergänzung bzw. als Einstiegssportart.
- Rainer Meyr: Es ist absolut eine Ergänzung. Wir arbeiten bereits an einem Konzept für einen möglichen Padel-Platz. Leider ist die Lage auf der Marienhöhe etwas begrenzt. Aber wir sehen es als tolle Ergänzung zum Tennissport, der uns zusätzliche Mitglieder bringen kann und unser Angebot ergänzt.
- Maximilian Pecher: Ich sehe Padel eher als Ergänzung. Padel erlebt im Vergleich zum Tennis meines Erachtens einen Boom.
- Katharina Hörmann: Ich sehe es als Ergänzung. Ich spiele selbst Tennis und gelegentlich Padel. Meiner Meinung nach sind die Sportarten im Kern zwar ähnlich, dennoch sehr unterschiedlich - besonders in der Technik.