Am Mittwoch bekam das Nördlinger Stadtarchiv offiziell den Status als schutzwürdiges Kulturgut nach Artikel 16 und 17 der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Damit wurde es als eine bedeutende Sammlung von Archivalien und Büchern von großem Wert für das kulturelle Erbe der Menschheit eingestuft. Als äußeres Zeichen darf nun das blau-weiße Wappen am Stadtarchiv angebracht werden, das dem Gebäude und vor allem dem Inhalt im Ernstfall Schutz gewähren soll.
Es ist der Abschluss eines rund zweijährigen Prozesses, den Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler angestoßen hatte und der vor kurzem relativ formlos sein Ende fand - in Form eines Briefes samt dazugehörigem Schild. Kurios dabei: Als Kreisverwaltung konnte die Stadt Nördlingen die Urkunde selbst unterschreiben, was Oberbürgermeister David Wittner auch gerne übernahm. „Es ist ein Qualitätssiegel und nichts Alltägliches“, beschrieb er die Aufnahme des Stadtarchivs in die Liste der schutzwürdigen Kulturgüter.
700 Jahre Geschichte sind im Stadtarchiv zu finden
Auch für Dr. Moosdiele-Hitzler ist es ein besonderer Moment, auch wenn er nicht von Auszeichnung, sondern eher von einer Kennzeichnung sprechen will. Dennoch werde so die Bedeutung des Stadtarchivs, die weit über den Rahmen einer Kleinstadt hinausgehe, sichtbar. „700 Jahre sind hier weitestgehend lückenlos dokumentiert. Damit sind wir vorne dabei im deutschen Kulturraum.“ Und Oberbürgermeister Wittner ergänzt: „Steuern, Prozessakten und so weiter, alles, was in Nördlingen aufgeschrieben wurde, ist hier zu finden.“
Wie groß die internationale Bedeutung ist, zeigt auch der Umstand, dass aktuell allein fünf Uniprojekte am Stadtarchiv forschen. Daher hatte sich Dr. Moosdiele-Hitzler auch um diesen Schutzstatus bemüht. „Wir wollen die Leute sensibilisieren, dass hier etwas wirklich Tolles ist – auch über die Stadtgrenze hinaus.“
Eines der größten Kommunalarchive in Bayerisch-Schwaben
Insgesamt umfasst das Nördlinger Stadtarchiv 3,5 bis 4 laufende Kilometer. Diese Distanz würden die Dokumente im Archiv überbrücken, würde man sie aneinanderlegen. Damit ist das Nördlinger Stadtarchiv eines der größten Kommunalarchive in Bayerisch-Schwaben. Die maximale Anzahl von Baudenkmälern mit diesem Schutzstatus ist in Bayern bei 1.600, deutschlandweit beträgt er 10.000. Museen und Archive fallen nicht unter diese Begrenzung und können zusätzlich den Schutzstatus erlangen.
Das blau-weiße Schild wird nun auf rund 2,5 m Höhe neben der Eingangstür zum Stadtarchiv angebracht. Dort soll es dann als äußeres Zeichen die Bedeutung des Stadtarchivs über die Stadtgrenzen hinaustragen.