Nachhaltigkeit

Mit Strom statt Diesel: Fendt Agco elektrifiziert Kabinentransport

Jochen Gnann, Werksleiter von Fendt Agco in Asbach-Bäumenheim (l.), und Benedikt Roßmann, Geschäftsführer von Ansorge Logistik, vor einem der E-Lkw. Bild: Thomas Oesterer
Fendt setzt am Standort Asbach-Bäumenheim auf elektrische Logistik: Acht E-Lkw transportieren künftig die dort gefertigten Traktorkabinen nach Marktoberdorf. Das spart Diesel, CO₂ und zahlreiche Fahrten – und soll auch für weniger Lärm rund um das Werk sorgen.

Zwischen dem Fendt-Werk in Asbach-Bäumenheim und dem Traktorenwerk in Marktoberdorf sind seit Kurzem acht elektrische Lang-Lkw im Einsatz. Sie transportieren die in Asbach-Bäumenheim gefertigten Traktorkabinen über die rund 120 Kilometer lange Strecke ins Ostallgäu. Für den Standort im Landkreis Donau-Ries ist das Projekt ein weiterer Schritt hin zu einer nachhaltigeren Produktion.

Die 25,25 Meter langen Gespanne können jeweils sieben bis acht Kabinen transportieren. Dadurch reduziert sich die Zahl der notwendigen Fahrten deutlich. Mussten zuvor beispielsweise 20 Transporte durchgeführt werden, sind es mit den neuen Lang-Lkw nur noch zwölf. Jährlich legen die Fahrzeuge rund 620.000 Kilometer auf der Strecke zurück. Dadurch sollen rund 280.000 Liter Diesel und etwa 740 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Innovation für den Landkreis Donau-Ries

Das Projekt ist eng mit dem Fendt-Standort Asbach-Bäumenheim verbunden. Dort arbeiten rund 1.200 Menschen, jährlich werden tausende Traktorkabinen produziert. Diese werden anschließend in Marktoberdorf für die Traktorenmontage benötigt. 

„Nachhaltigkeit bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie“, erklärt Fendt-Werksleiter Jochen Gnann. Mit dem elektrifizierten Kabinentransport wolle man die Emissionen in der Produktionslogistik reduzieren und einen weiteren Schritt hin zu einer ressourceneffizienten Produktion gehen. Dabei muss die Logistik exakt funktionieren. Der Grund: Die in Asbach-Bäumenheim gefertigten Kabinen haben maximal einen Tag Vorlauf, bevor sie in Marktoberdorf am Band benötigt werden. Das neue Konzept läuft seit Ende August - also seit genau einer Woche - im regulären Betrieb und das Fazit fällt bisher ausschließlich positiv aus. So habe es nach den ersten Tagen weder in Asbach-Bäumenheim noch in Marktoberdorf Ausfälle gegeben, sind sich die Verantwortlichen einig. 

Weniger Lärm und Abgase

Neben der CO₂-Einsparung soll die Umstellung auch für die Menschen rund um das Werk spürbar sein. Die Lkw fahren bislang im Zwei-Schicht-Betrieb zwischen 06:00 und 22:00 Uhr. „Für Asbach-Bäumenheim und die Menschen, die unmittelbar am Werksgelände wohnen, bedeutet dieses Projekt vor allem eines: Lebensqualität“, sagt Werksleiter Jochen Gnann. Mit den elektrischen Lkw verschwinden Motorengeräusche und Abgase aus diesem Teil der Werkslogistik. 

Die Fahrzeuge werden nach der rund 240 Kilometer langen Hin- und Rückfahrt am Ansorge-Standort in Biessenhofen geladen. Der Ladevorgang dauert rund 45 Minuten und kann mit der vorgeschriebenen Fahrerpause verbunden werden. Der Strom kommt dabei entweder aus eigenen Photovoltaikanlagen oder wird als Ökostrom zugekauft. 

Zwei Technologien kombiniert

Besonders an dem Projekt ist die Kombination aus Elektroantrieb und Lang-Lkw.  Bereits 2012 nahm das Unternehmen am bundesweiten Feldversuch mit Lang-Lkw teil, seit 2015 sind elektrische Lkw Bestandteil der eigenen Flotte. Inzwischen sind rund 20 Prozent des eigenen Fuhrparks elektrifiziert. „Wir haben diese zwei Technologien, den Lang-Lkw und den E-Lkw, hier zusammengeführt“, erklärt Ansorge-Geschäftsführer Benedikt Roßmann. Entscheidend sei dabei nicht nur der Elektroantrieb. Auch die Bündelung der Kabinen auf weniger Fahrten trage zur Einsparung von Emissionen bei. 

Für die Anbindung an Asbach-Bäumenheim gibt es eine entscheidende Voraussetzung: Die Strecke ist Teil des sogenannten Lang-Lkw-Positivstreckennetzes und für die eingesetzten Fahrzeugkombinationen freigegeben. Für Benedikt Roßmann ist der Einsatz deshalb weit mehr als ein Test: „Echte gelebte Praxis, echte gelebte Realität.“ Demnach solle das Konzept zeigen, dass Elektromobilität auch im schweren Güterverkehr funktionieren kann – wenn Strecke, Ladeinfrastruktur und Transportaufkommen zusammenpassen. 

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

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