Interview

Landrat Michael Dinkelmeier: Hier hat er einen anderen Weg als sein Vorgänger eingeschlagen

Landrat Michael Dinkelmeier in seinem Amtsbüro. Bild: Manuel Habermeier
Michael Dinkelmeier ist mittlerweile seit über 100 Tagen Landrat im Donau-Ries. Im Interview verrät er, wo er einen anderen Weg als sein Vorgänger Stefan Rößle eingeschlagen hat und worauf er verzichten könnte.

Nach seiner Wahl zum Landrat im Donau-Ries erlebte Michael Dinkelmeier am 8. August seinen 100. Tag im Amt. Die Anfangsphase nutzte der neue Landrat, um sich bei zahlreichen Veranstaltungen den Menschen im Landkreis zu zeigen. Auch im Landratsamt selbst setzt Michael Dinkelmeier stark auf persönliche Kontakte und den direkten Austausch.

Im Interview mit unserer Redaktion verrät er, wo er einen anderen Weg als Amtsvorgänger Stefan Rößle eingeschlagen hat und was ihm die größten Schwierigkeiten im Amt bereitet. Zudem spricht er über die wirtschaftliche Lage im Landkreis und was er als Landrat bei diesem Thema unternehmen kann.

Fühlen Sie sich mittlerweile als Landrat angekommen? 

Michael Dinkelmeier: Ja, ich fühle mich voll und ganz ankommen. Ich bin mittendrin in den Themen, in den Vorgängen und vor allen Dingen in der Vielzahl von Terminen von Montag bis Sonntag. 

Wie eng ist noch der Kontakt zu Amtsvorgänger Stefan Rößle?

MD: Stefan Rößle ist im wohlverdienten Ruhestand. Aber natürlich treffe ich ihn noch bei Veranstaltungen oder bei Terminen, bei denen er als Landrat a. D. eingeladen ist. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem Amtsvorgänger.

Wo sind Sie bewusst einen anderen Weg gegangen?

MD: Ich bin im Landratsamt selbst einen anderen Weg gegangen. Einmal beim Thema Vorstellung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich habe mich speziell für das Fachbereichsformat entschieden und bin in jeden einzelnen Fachbereich gegangen. Einen Fachbereich habe ich noch ausstehen, um das Gespräch zu suchen. Ich war im Haus auch in den Stabsstellen aktiv und habe mir da die Arbeit angeschaut. Ich bin im Austausch mit allen Beteiligten, also sprich Krankenhäuser, Seniorenheime, Abfallwirtschaftsverband. 

Überall, wo der Landkreis Beteiligungen hat, gehe ich hin, schaue mir das vor Ort an und will die Personen kennenlernen. In dem Punkt bin ich einen anderen Weg gegangen, weil ich bewusst keinen großen Mitarbeiterempfang wollte. Mir ist es wichtiger, direkte Kontakte in die Fachbereiche zu haben. So bekomme ich mit, was im jeweiligen Fachbereich läuft. 

Zudem habe einige Sachen angestoßen, was das Thema Digitalisierung angeht. Neue Jour fixe wurden hier im Haus eingerichtet. Da habe ich zum Start in das Amt vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen.

Sie waren sehr viel im Landkreis unterwegs. Welche Erkenntnisse haben Sie dabei über den Landkreis und Ihr Amt gewonnen?

MD: Ich habe eins gelernt: Den Menschen ist der direkte Kontakt wichtig. Vor allem, dass der Landrat zum Greifen nah ist, dass man dem Landrat was mit auf den Weg geben und ihn ansprechen kann. Immer wieder treffe ich auf die Reaktion: Wow, der Landrat ist bei uns, er schaut bei uns vorbei, er nimmt sich die Zeit. Da nehme ich eine große Wertschätzung von den Menschen wahr.

Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Tag? 

MD: Ich bin ein Nachtmensch. Aber ich habe es mal zusammenaddiert. So in der Regel zwischen fünfzehn bis achtzehn Stunden werden es schon an einem Arbeitstag, je nachdem, wie die Fülle an Terminen ist. Und zusätzlich natürlich die Wochenenden.

Wie lange können Sie dieses Pensum noch fahren?

MD: Ganz einfach: immer jung, dynamisch und voller Power. Ich möchte alles geben für den Landkreis und seine Menschen. 

Wie waren die Reaktionen der Menschen auf Sie?

MD: Sehr positiv. Ich bin überall positiv aufgenommen worden. Die Leute haben sich gefreut, dass der Landrat vorbeischaut, dass er bei Veranstaltungen ist und sich blicken lässt.

 Was hat in dieser Zeit besonders gut funktioniert? 

MD: Zum einen hat die Übergabe mit dem Amtsvorgänger sehr gut funktioniert. Es war sehr harmonisch, vertrauensvoll und vor allen Dingen eine enge und themenbezogen intensive Übergabe. Jede Minute haben wir genutzt im Sinne des Landkreises und der Themen. Zum anderen die Aufnahme am ersten Amtstag. Das Miteinander mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat gut funktioniert. 

Wo hatten Sie bislang die größten Schwierigkeiten?

MD: Es waren weniger Schwierigkeiten, sondern eher das Einordnen und Strukturieren dieser wahnsinnigen Informationsflut. Es kommen Informationen aus allen Bereichen. Dazu kommen viele Anliegen, die schon mal in der Verwaltung geprüft worden sind, wo jetzt noch mal der neue Landrat draufschauen soll, weil man sich vielleicht eine andere Entscheidung erhofft. Es ist herausfordernd, diese ganzen Infos zu kanalisieren, zu strukturieren und dann auch noch einzugruppieren nach Priorität - was vielleicht auch mal zwei, drei Wochen warten kann. 

Hatten Sie bereits Momente, wo Sie gemerkt haben, dass Ihre Ideen nicht funktionieren? 

MD: Ja, diese Momente gab es schon. Gerade im Bereich Digitalisierung, um ein konkretes Beispiel zu geben. Manchmal ist es aber technisch nicht möglich oder es scheitert an der Umsetzung. Das sind schon so Momente, wo ich dann sage: ‚Mensch, das muss doch funktionieren. Bitte nach einem Alternativweg suchen.‘

Die wirtschaftliche Lage kommt auch im Donau-Ries an. Ein Beispiel ist Varta in Nördlingen. Wie wollen Sie als Landrat diese Situation verbessern beziehungsweise was können Sie überhaupt tun? 

MD: Der Landkreis Donau-Ries ist Gott sei Dank ein wirtschaftsstarker Standort aus einem bunten Mix von Unternehmen, Industrie, Handel, Einzelunternehmer, Mittelständler, Familienbetriebe und ganz breit aufgestellt über verschiedene Facetten. Varta ist natürlich hart für den Standort Donau-Ries, für den Standort Nördlingen noch mehr.

Aber was wir tun können, wenn es um neue Standorte geht: Wir können als Landkreis die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Da möchte ich konkret beim Thema Bauverfahren ansetzen. Wir wollen die PS auf die Straße bringen und Bauverfahren beschleunigen. Wenn Interessenten kommen, die sagen, ich möchte für Millionen ein Projekt verwirklichen, die sollen sich direkt beim Landrat melden.

Was können diese Interessenten dann vom Landrat erwarten?

MD: Wir arbeiten daran, unsere Fachabteilungen hier im Haus, die ganze Expertise mit dem jeweiligen Bauträger zu vernetzen. Wir wollen so schnell wie möglich Baurecht schaffen können, um diese Firmen hier am Standort bei uns und im Landkreis zu halten.

Was gefällt Ihnen als Landrat? 

MD: Mir gefallen besonders die Themenvielfalt und der abwechslungsreiche Tagesablauf. Zudem gefallen mir die vielen verschiedenen Eindrücke und der Kontakt zu den Menschen. Und vor allen Dingen, dass wir ein ganzer toller Landkreis sind, der viel zu bieten hat.

Worauf könnten Sie verzichten?

MD: Wer mich kennt, weiß: ch bin manchmal ein sehr ungeduldiger Mensch. Daher könnte ich darauf verzichten, dass Verfahren lange dauern, Rückmeldungen ausstehen, wir uns manchmal selbst bei Vorhaben rechtlich im Weg stehen. Am ehesten könnte ich also auf die eigenen Hürden verzichten, die es zu überwinden gilt.

Wo haben Sie das Amt des Landrates am ehesten unterschätzt?

MD: Bei den schnelllebigen Themenwechseln. Es ist Wahnsinn, wie schnell innerhalb eines Tages mehrere Themen oft gleichzeitig zu bewältigen sind oder sich die Informationen ändern. Es ist eine wahnsinnige Informationsflut, die ab Tag eins auf einen hereinbricht und kanalisiert werden muss.

Und abschließend: Was für eine Schulnote würden Sie sich selbst für die ersten hundert Tage geben?

MD: Ich würde sagen, eine Zwei. Es läuft gut. Ich bin glücklich in dem Amt. Es ist ein unwahrscheinlich toller Beruf, für die Menschen da zu sein, für die Menschen ansprechbar zu sein und die Menschen auch mitzunehmen und das Signal zu senden: Das ist euer Landrat und der ist für euch da. 

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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