Infoveranstaltung

Windkraft in Harburg: 400 Besucher informieren sich bei Bürgerveranstaltung

Bild: Matthias Stark
Am Dienstagabend lud die Stadt Harburg zu einer Informationsveranstaltung ein. Mit vielen Informationen versorgt konnten sich alle ein Bild zu geplanten Windkraftanlagen machen.

Großer Andrang bei der Informationsveranstaltung zur geplanten Windkraftnutzung in Harburg: Rund 400 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren und mit Befürwortern sowie Kritikern ins Gespräch zu kommen. Das neue Veranstaltungsformat setzte auf kurze Wortbeiträge und einen anschließenden Austausch an verschiedenen Infoständen.

Vertreten waren unter anderem die beauftragen Büros LARS Consult mit Informationen zu Umweltaspekten und Artenschutz, Reventon aus München zu Planung, Bau und Bürgerbeteiligung, die Firma Märker als Hauptnutzer der Windkraft, der Bund Naturschutz sowie die Bürgerinitiative Gegenwind Harburg. Zu Beginn stellte Bürgermeister Christoph Schmid klar, dass die Diskussion nicht allein auf die Interessen des Unternehmens Märker reduziert werden dürfe. Zwar spiele das Unternehmen eine wichtige Rolle, die Windkraftplanungen würden jedoch nicht ausschließlich für Märker vorangetrieben, sondern hätten auch für die Stadt viele Vorteile. Darunter auch entsprechende Einnahmen aus Gewerbesteueraufkommen. 

Rückblick des Bürgermeisters

Harburgs Bürgermeister blickte auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurück. Bereits 2017 sei das Thema erstmals im Stadtrat diskutiert worden. Damals galt das Ries noch weitgehend als Ausschlussgebiet für Windkraftanlagen. Mit den gesetzlichen Änderungen im Jahr 2023 habe sich die Situation jedoch grundlegend verändert. Demnach müssen künftig 1,8 Prozent der Landesfläche für Windkraft ausgewiesen werden, als Orientierungswert gelten 2,1 Prozent.

Das Vorranggebiet rund um den Bock werde nach Einschätzung der Stadt mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehen bleiben. Dort seien die wesentlichen Voraussetzungen erfüllt. In einem solchen Vorranggebiet bestehe anschließend Baurecht für Windkraftanlagen. „Dann können wir nicht mehr mitreden“, machte der Bürgermeister deutlich. Aus diesem Grund habe sich die Stadt entschieden, die Planung selbst in die Hand zu nehmen. Dadurch könne Einfluss auf die Entwicklung genommen werden und mögliche Erträge blieben in der Kommune. Ähnliche Ansätze verfolgen auch die Gemeinden Fremdingen und Megesheim und wollen die Planungshoheit in der eigenen Hand behalten. 

Stellungnahmen werden öffentlich beraten

Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 seien umfangreiche Kartierungen der Tier- und Pflanzenwelt durchgeführt worden. Zudem wurde die Auslegungsfrist verlängert. Insgesamt gingen 215 Stellungnahmen ein, darunter etwa 50 wortgleiche Einwendungen der Bürgerinitiative. Die Einwände betreffen unter anderem mögliche gesundheitliche Auswirkungen durch Infraschall und Schattenwurf, den Verlust von Waldflächen, Veränderungen des Landschaftsbildes, bestehende Belastungen durch den Steinbruch sowie die Bedeutung des Geoparks Ries.

Über die eingegangenen Stellungnahmen soll in einer öffentlichen Sitzung beraten und abgewogen werden. Diese wird voraussichtlich in der Wörnitzhalle oder in der Schule stattfinden, da mit einem großen Zuspruch der Besucher gerechnet wird.

Hoher Energiebedarf des Unternehmens

Für die Firma Märker sprach Graf Pückler-Märker. Er betonte, dass Klimaschutz nur gelingen könne, wenn gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibe.

Als energieintensives Unternehmen habe Märker einen Strombedarf, der dem Verbrauch von rund 30.000 Haushalten entspreche. Ein Windpark könne dabei helfen, diesen Bedarf auch in den Wintermonaten und während der Nachtstunden zu decken. Zudem verfüge das Unternehmen über Möglichkeiten zur Energiespeicherung, etwa über bestehende Siloanlagen.

Märker will drei eigene Windkraftanlagen auf firmeneigenen Flächen bauen und nutzt den erzeugten Strom im Betrieb, um den Zement mittelfristig Klimaneutral herzustellen.

Bund Naturschutz wirbt für Energiewende

Franz Waldmann vom Bund Naturschutz bezeichnete die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern als die derzeit größte Energiekrise. Zwar würden inzwischen rund drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt, in den Bereichen Wärme und Verkehr sei Deutschland jedoch weiterhin zu etwa drei Vierteln von fossilen Energien abhängig. Waldmann zeigte sich überzeugt, dass Bayern klimaneutral werden könne. Durch die fortschreitende Elektrifizierung werde der gesamte Energiebedarf langfristig sinken. Dafür müsse aber genügend Strom zur Verfügung stehen – auch nachts und im Winter. Hier kann die Windkraft einen entscheidenden Beitrag leisten. 

Auch auf häufig diskutierte Auswirkungen auf Immobilienwerte ging er ein. Negative Effekte seien vor allem in der Nähe von Gefängnissen oder Deponien nachweisbar. Für Windkraftanlagen gebe es dagegen keine entsprechenden Belege.

Diskussionen an den Ständen

Im Anschluss an die Wortbeiträge lud Bürgermeister Schmid die Besucherinnen und Besucher ein, sich an den Informationsständen in der Halle zu informieren und mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Neben der Bürgerinitiative Gegenwind Harburg hatten auch die beteiligten Büros, sowie die Firma Märker und der Bund Naturschutz Infostände aufgebaut und standen im Anschluss für Gespräche zur Verfügung. Die Gäste nutzten dieses Angebot gerne und wurden mit vielen Informationen versorgt.

Geschäftsführer und Gründer. Immer direkt vor Ort wenn etwas passiert, auch in der Nacht. Verantwortlich für den Anzeigenverkauf. Bespricht dienstliches gerne bei einem Arbeitsessen. Fußballer. Hat ein Faible für antike Holzmöbel. Bringt Tochter und Hund gerne mit ins Büro.

Telefon: 0906 / 977 598 - 60, E-Mail: mstark@donau-ries-aktuell.de