Basketball

Das dritte Viertel und eine Ex-Spielerin werden den Angels zum Verhängnis

Das Spiel der beiden lettischen Headcoaches geht an Ex-Angel und Saarlouis‘ Matiss Rozlapa Bild: Kurt Wittmann
In einer wechselhaften Partie ziehen die Nördlinger Angels in Saarlouis den Kürzeren. Vor allem das dritte Viertel wird den Rieserinnen zum Verhängnis. Zudem dreht ein Ex-Angel groß auf.

Es war das Wiedersehen, das man sich vorab ausgemalt hatte: Rudolfs Rozitis traf auf Matiss Rozlapa, die Koskimies auf die Wittmanns und Mariam Haslé-Lagemann auf ihre ehemaligen Mitspielerinnen und die gesamte Angels-Familie. Doch nach den herzlichen Begrüßungen war es mit der Freundlichkeit auf dem Parkett schnell vorbei.

Beide Mannschaften hatten nach ihren Niederlagen in der Vorwoche etwas wiedergutzumachen und wollten im direkten Duell ein Zeichen setzen. Auf dem glänzenden blauen LED-Glasboden der Stadtgartenhalle entwickelte sich deshalb eine intensive Begegnung, in der sich die Stimmung eher am ungemütlichen Herbstwetter als an den freundschaftlichen Wiedersehen orientierte.

Starker Start der Nördlingerinnen

Dabei erwischten zunächst die Gäste aus Nördlingen den deutlich besseren Start. Die Angels fanden schnell ihren Rhythmus, setzten die Gastgeberinnen unter Druck und nutzten deren anfängliche Unsicherheiten konsequent aus. Immer wieder erzwangen sie Ballverluste und kamen durch Fouls der Royals zu Freiwürfen, die sie zuverlässig verwandelten. Saarlouis musste weiterhin auf die verletzten Spielerinnen Jenkins und Koskimies verzichten. Auch der am Freitag eingeflogene Neuzugang stand offenbar noch nicht zur Verfügung, da die erforderlichen Unterlagen nicht rechtzeitig vorlagen.

Dennoch war es vor allem die eigene Nervosität, die den Gastgeberinnen zu schaffen machte. Eine gute Trefferquote von jenseits der Dreipunktelinie hielt die Royals allerdings im Spiel. Begünstigt wurde diese durch ihre deutlichen Vorteile beim offensiven Rebound, die ihnen immer wieder zweite Wurfchancen ermöglichten. So blieb Saarlouis trotz des schwierigen Auftakts zum Ende des ersten Viertels in Schlagdistanz.

Ex-Angel macht Nördlingen das Leben schwer

Auf Nördlinger Seite war es ausgerechnet eine alte Bekannte, die den Gästen zunehmend Probleme bereitete. Mariam Haslé-Lagemann, die nach fünft Jahren bei den Angels inzwischen für Saarlouis aufläuft, bewies eindrucksvoll, dass sie nichts von ihrer Schnelligkeit eingebüßt hat. Immer wieder fand sie Lücken in der gegnerischen Verteidigung und stellte die Rieserinnen vor große Herausforderungen. Allein konnte sie die Partie zunächst jedoch nicht drehen. Die Angels überzeugten mit sehenswertem Zusammenspiel und präzise herausgespielten Abschlüssen.

Allerdings standen den gelungenen Offensivaktionen immer wieder zu viele freie Dreipunktewürfe der Gastgeberinnen gegenüber. Diese ließen auch Coach Rozitis zunehmend unzufrieden zurück. Hinzu kam die körperliche Präsenz der Saarlouiser Centerinnen, die den Royals Vorteile verschaffte, Fouls provozierte und den zwischenzeitlich zweistelligen Rückstand Stück für Stück schrumpfen ließ.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild der Begegnung grundlegend. Die Royals kamen entschlossener aus der Kabine und fanden zunehmend Mittel gegen die zuvor gut funktionierende Nördlinger Offensive. Gleichzeitig gerieten die Gastgeberinnen zu Beginn des dritten Viertels schnell in Foulprobleme. Doch selbst als ihre effektivsten Kräfte Mila Luzgina und Parker Hill zunächst auf der Bank Platz nehmen mussten, gelang es den Angels nicht, daraus Kapital zu schlagen. Statt des flüssigen Zusammenspiels aus der ersten Halbzeit dominierten nun zunehmend Einzelaktionen, während Saarlouis mit einer aggressiven, doppelnden Verteidigung den Rhythmus der Gäste störte.

Haslé-Lagemann führt die Royals auf die Siegerstraße

In der 27. Minute war es schließlich so weit: Die Royals übernahmen erstmals die Führung – und das ohne ihre wichtigsten Führungsspielerinnen auf dem Parkett. Erneut war Haslé-Lagemann der entscheidende Faktor. Die ehemalige Angel erzielte sieben Punkte in Serie und nutzte die nachlassende Nördlinger Defensive konsequent aus. Ausgerechnet gegen ihren Ex-Verein zeigte sie eine herausragende Vorstellung und brachte ihr Team damit entscheidend nach vorne. Rozitis reagierte mit zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Auszeiten, doch der erhoffte Effekt blieb aus. Die Angels fanden nicht mehr zu ihrem Spiel aus der Anfangsphase zurück und mussten das dritte Viertel deutlich abgeben. Aus dem zwischenzeitlichen Vorsprung war vor dem Schlussabschnitt ein Rückstand von vier Punkten geworden.

Im letzten Viertel war damit für beide Teams noch alles drin. Die Partie wurde zunehmend zerfahren, die Fouls häuften sich und die Royals erreichten früh die Teamfoulgrenze. Gleichzeitig entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem jeder Angriff und jeder Ballbesitz entscheidend sein konnte. Bianca Helmig übernahm weiterhin Verantwortung, brachte ihre Erfahrung ein und versuchte, ihre Mannschaft im Spiel zu halten. Doch Saarlouis hatte inzwischen die Kontrolle übernommen. Vor allem Haslé-Lagemann blieb kaum zu stoppen und wurde zum entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Mannschaften.

Die Angels gaben sich zwar nicht geschlagen und kämpften sich in der Schlussphase noch einmal heran. Für eine vollständige Wende reichte es jedoch nicht mehr. Die Royals behielten in den entscheidenden Momenten die Nerven, trafen ihre Würfe und ließen den Gästen trotz deren Schlussoffensive keinen entscheidenden Zugriff mehr auf die Partie. Damit sicherte sich Saarlouis nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit einen knappen 75:73-Erfolg. Für die Nördlingerinnen bleibt die Erkenntnis, dass eine überzeugende erste Hälfte allein nicht ausreicht, wenn nach der Pause der eigene Rhythmus verloren geht und eine ehemalige Teamkollegin zur spielentscheidenden Akteurin wird. (dra)

Für die Angels spielten: Pauline Mayer, Bianca Helmig (10), Eva van Oosten (3), Rosina Ortelli, Jana Koch, Leni Körbel, Inés Álvarez, Marta Rivera (2), Makiyah Williams (19), Stephanie McBride (19), Stefanie Kulesza (20).

Bei den Royals ragten heraus: Mariam Haslé-Lagemann und Parker Hill (14).