24. Februar 2020, 08:28

Steigende Unfallzahlen im Ries

Symbolbild Bild: Diana Hahn
Die Nördlinger Polizei hat die Unfallstatistik für 2019 für den Bereich Nördlinger Ries herausgegeben. Die Bilanz: Die Unfallzahlen im Ries nehmen weiter zu.

Erstmals hat die Polizeiinspektion Nördlingen im vergangenen Jahr 2019 über 1600 Verkehrsunfälle aufgenommen, damit 2 % mehr als im Vorjahr (1573). Drei Verkehrstote und 252 Verletzte waren bei den Unfällen im Ries zu beklagen (Vorjahr 2 Verkehrstote / 253 Verletzte). Die häufigsten Unfallursachen sind Vorfahrtsverstöße, nicht angepasste Geschwindigkeit und bei den schwerwiegenden Unfällen auch das Fahren unter Alkoholeinfluss. „Bedauerlicherweise haben 2019 erneut die Alkoholunfälle zugenommen. Bei den 22 Alkoholunfällen (Vorjahr 19 und 2017 waren es 14) wurden 12 Personen zum Teil schwer verletzt.  In diesem Zusammenhang ist allerdings auch zu erwähnen, dass über 170 Fahrzeugführer wegen Fahrens unter Drogen- und Alkoholeinfluss rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen wurden, ohne dass es zu folgenschweren Unfällen kam. Allerdings werden wir aufgrund dieser Entwicklung die Alkoholkontrollen im Jahr 2020 wieder forcieren“, betont Polizeichef Walter Beck.

Neben dem Anstieg der Alkoholunfälle, verzeichnete die Polizei Nördlingen einen leichten Rückgang, von 66 auf 58, bei Unfällen auf Grund nicht angepasster Geschwindigkeit. 25 Personen wurde hierbei verletzt, ein Verkehrsteilnehmer kam ums Leben.

Motorisierte Zweiradfahrer

An 35 (39) Unfällen waren 2019 motorisierte Zweiradfahrer beteiligt. Ein Motorradfahrer verunglückte tödlich, 37 Fahrer bzw. Mitfahrer wurden verletzt. Zwei Drittel der Unfälle wurden von den Zweiradfahrern verursacht, die Unfallursachen in diesem Bereich waren überwiegend nicht angepasste Geschwindigkeit und Vorfahrts- bzw. Abbiegeunfälle.

Fußgänger und Radfahrer  

2019 verunglückten im Ries insgesamt 70 Fußgänger und Radfahrer (Vorjahr 74). Bei den 58 Radler-Unfällen (Vorjahr 61) wurden 55 Fahrradfahrer verletzt. An 12 Unfällen waren Fußgänger beteiligt (Vorjahr 14). Die viel diskutierten E-Bikes und E-Scooter sind in der Unfallstatistik bislang eher unauffällig. Ein Unfall mit einem verletzten E-Scooter-Fahrer musste von der Polizei aufgenommen werden. Sieben E-Bike-Unfälle schlagen zu Buche, bei denen in sechs Fällen der Radler auch verletzt wurde.

Höchststand bei Wildunfällen

Bislang wurde im Jahr 2015 der Höchststand bei den Wildunfällen (380) registriert; in den Folgejahren wurden weniger Wildunfälle aufgenommen. 2019 wurde ein neuer Höchststand erreicht. Insgesamt 410 (Vorjahr 377) Wildunfälle wurden der Nördlinger Polizei gemeldet.

Unfallfluchten auf Vorjahresniveau

246-mal (Vorjahr 246) entfernte sich der Unfallverursacher unerlaubt vom Unfallort. Von diesen Unfallflucht-Fällen konnte die Polizei 30% aufklären. In den Vorjahren lag die Aufklärungsquote deutlich höher. Die Polizei bittet in diesem Zusammenhang um mehr Hinweise aus der Bevölkerung, denn die bloße Spurensicherung führt oftmals nicht zum gewünschten Erfolg.

Unfallursache ungeklärt?

Bei vielen Unfällen wird zwischenzeitlich ein „ungeklärtes“  Abkommen von der Fahrbahn oder eine nicht zu erklärende Kollision mit dem Gegenverkehr festgestellt. Diese auf „Ablenkung“ zurückzuführenden Unfälle sind eine zunehmende Gefahr im Straßenverkehr und werden immer noch unterschätzt. „Eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr, ob als Kraftfahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger, erfordert jederzeit die volle Konzentration auf das Verkehrsgeschehen. Eine kurze Unaufmerksamkeit kann unter Umständen nicht nur zu gefährlichen Verkehrssituationen oder riskanten Fahrmanövern, sondern auch zu schlimmen Unfällen führen“, so Walter Beck. In einer repräsentativen Befragung vor einigen Jahren gab bereits jeder zweite Autofahrer an, durch Ablenkung schon einmal in eine brenzlige Situation geraten zu sein. „Bei Verkehrsüberwachungsmaßnahmen stellen wir immer wieder fest, dass Fahrzeugführer nicht nur telefonieren, sondern völlig abgelenkt WhatsApp-Nachrichten verfassen oder lesen. Innerorts bedeutet dies, dass in einer Sekunde 14 Meter, außerorts gar knapp 28 Meter zurückgelegt werden. Wegstrecken, auf denen die abgelenkten Fahrzeugführer absolut gar nichts mitbekommen. Gerade deshalb ist hier die Ahndung mit einem Bußgeld von 100 Euro sowie einem Punkt mehr als gerechtfertigt“, erläutert der Polizeichef.

 

Unfallschwerpunkte und Gefahrenpunkte im Ries

Im Stadtgebiet Nördlingen war  im Jahr 2018 die Kreuzung Baldinger Straße / Vordere Gerbergasse mit sieben Unfällen der Schwerpunkt. Aufgrund dieser Unfallhäufung regte die Polizei zum Jahresbeginn die Verlängerung der Ampel-Betriebszeit an. Die Stadt griff die  Anregung der Polizei auf und verlängerte den Ampel-Betrieb. Das Ergebnis:  im gesamten Jahr 2019 musste an dieser Örtlichkeit  nur ein Unfall – und dieser zu Jahresbeginn - aufgenommen werden. Bemerkenswert: Im Januar 2020 war die Ampel kurzfristig außer Betrieb – die Folge: ein Unfall mit einem Leichtverletzten.

An der Kreuzung Oskar-Mayer-Straße/Zeitblomweg ist ebenfalls die Lichtzeichenanlage im Visier der Polizei. Drei Unfälle wurden hier 2018 registriert, wobei in allen drei Fällen der Unfallverursacher nach Abschalten der Lichtzeichenanlage vom Zeitblomweg unter Missachtung der Vorfahrt auf die Oskar-Mayer-Straße einfuhr. 2019 ereigneten sich an dieser Örtlichkeit nur zwei Unfälle.

Nachdem sich im Jahr 2018 in der Gewerbestraße (Kreuzung bei Zweirad Müller) ebenfalls drei Verkehrsunfälle (hier galt die Regelung Rechts vor Links) ereigneten, wird dort seit Juli 2019  ebenfalls auf Anregung der Polizei die Vorfahrt durch Verkehrszeichen (Vorfahrt gewähren) geregelt. Seither registrierte die Polizei dort keinen Unfall mehr.

Weitere Schwerpunkte

An der Kreuzung St 2221 / DON 10 bei Alerheim mussten 6 Verkehrsunfälle aufgenommen werden. „Die Kreuzung ist als Unfallschwerpunkt bekannt, erste Maßnahmen, wie die installierten Sichtschutzwände, zeigen bislang noch wenig Wirkung. Bei den sechs Unfällen wurden jeweils zwei Personen schwer bzw. leicht verletzt; ein Unfall war auf Alkoholbeeinflussung zurückzuführen.“

Die  Einmündung B 25 / Heuweg Reimlingen war mit zwei Unfällen im Jahr 2019 eher unauffällig. Wesentlich öfter hat es hingegen auf der B 466  an den Einmündungen Angerhof und Klosterzimmern gekracht. Hier ist allerdings die Einmündung nach Klosterzimmern mit 6 Unfällen (mit 8 Verletzten) der Unfallschwerpunkt schlechthin.

Schließlich bleibt die B29 und hier die Einmündung nach Baldingen in der Diskussion. Im Jahr 2019 wurden von der Polizei an diese Stelle zwei Unfälle aufgenommen (davon ein tödlich verunglückter Autofahrer). In der nächsten Mehrjahres-Auswertung wird diese Einmündung sicher ein Tagesordnungspunkt auf der Agenda der Unfallkommission sein. Zum einen spielen hier die Unfälle (vorwiegend Abbiegeunfälle, weniger Vorfahrtsverstöße!)  der letzten Jahre eine Rolle, auf der anderen Seite stellt die Polizeiinspektion Nördlingen ein sehr hohes Verkehrsaufkommen (insbesondere Linksabbieger nach Baldingen) an dieser Einmündung fest.(pm)