22. August 2019, 18:13

Hier regieren die Kinder

Im Rathaus der Spielstadt wurden schon wichtige Beschlüsse gefasst. Bild: Anna-Lena Liebermann
Seit Montag ist das Areal rund um die Ludwig-Auer-Schule in Donauwörth fest in Kinderhand. Welche Beschlüsse die Bürgermeisterin der Spielstadt Donauries gefasst hat und warum 10 Doneten hart verdientes Geld sind

Gut eingezäunt ist der Pausenhof der Ludwig-Auer-Schule in Donauwörth, denn nur Bürger der Spielstadt Donauries dürfen das Gelände betreten. Seit Montag regieren hier Kinder, die bereits die 1. Klasse durchlaufen haben, bis zum Alter von 14 Jahren. Bis auf 20 ehrenamtliche Betreuer trifft man hier insgesamt 110 Teilnehmer der Spielstadt Donauries. Jeden Tag von 10:00 bis 16.30 Uhr dürfen sich die Kinder unter Betreuung des Kreisjungendrings in ihrer eigenen Stadt austoben.

Doneten verdienen, Doneten ausgeben 

Um die Stadt so realistisch wie möglich darzustellen, wurden alle nötigen Dienststellen errichtet, sogar eine eigene Währung hat die Spielstadt - die sogenannten „Doneten“. Zu Beginn der Woche bekam jedes Kind ein Startkapital von fünf Doneten. 

In der Spielstadt ist fast jeder Beruf zu finden, der auch eine richtige Stadt zum Laufen bringen würde: vom Gärtner, über den Taxifahrer hin zur Kosmetikerin. Auch eine Sanitätsstation, die vom Jugendrotkreuz, den Johannitern und der Wasserwacht unterstützt wird, gibt es. Hier können die Kinder einen Erste-Hilfe-Kurs belegen, ihre Teilnahme wird ihnen mit einer Urkunde bestätigt. Die Presse- und Werbeagentur lief auf Hochtouren, als ein Redakteur den Kindern beim Verfassen von dem Artikel für die Zeitung der Spielstadt half. Auch der Recyclinghof wird von echten Fachkräften unterstützt. Die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsverbands (AWV) stellen Hilfsmittel bereit und zeigen den Kindern die richtige Mülltrennung. Die Kinder kümmern sich selbst um die Müllentsorgung und Sauberkeit auf dem gesamten Gelände der Spielstadt.

Wichtige Ämter wie Rathaus, Arbeitsamt oder auch die Bank seien die spannendsten Berufe, so ein junger Angestellter der Spielstadt. Das Arbeitsamt vergibt die Arbeitskarten mit der sich die Kinder an jeder Arbeitsstelle melden können. Dort wird notiert, wann Arbeitsanfang und -ende war, sodass am Ende der gerechte Lohn ausgezahlt wird. Jedes Kind, egal wie alt es ist, darf jeder Arbeit nachgehen. Die Tätigkeiten in der Spielstadt werden immer gleich bezahlt. Für eine Stunde Arbeit bekommt man 10 Doneten, zwei davon werden allerdings gleich von der Stadt als Stadtsteuer einbehalten. Den Lohn bekommen die Kinder bei der Bank, dort werden Arbeitskarte und Lohnzettel abgegeben.

Für das Freizeitprogramm der Bürger ist natürlich auch gesorgt. Im Kino duftet es nach frischem Popcorn, im Stadtladen können allerlei selbst gemachter Arbeiten aus der Kunst- oder Holzwerkstatt erworben werden. Mit Massagen und Schokogesichtsmasken kann man sich in der Wellnessoase verwöhnen lassen und im Bistro findet man selbstgebackene und -gekochte Leckereien. So schön es ist - ihre Doneten müssen sich die Kinder gut einteilen, denn wie im echten Leben muss alles mit dem verdienten Lohn bezahlt werden. 

Stadtpolitik wie im echten Leben

Am Dienstag wurde von den Betreuern eine Bürgerversammlung einberufen, sodass die Stadt letztendlich von den Kindern ganz allein übernommen werden konnte. Dort wurden die ersten Wahlen durchgeführt. Ein Bürgermeister und vier Stadträte mussten gewählt werden. Wer sich als Kandidat aufstellen lassen wollte, musste bereits drei verschiedene Berufsbilder durchlaufen haben, Arbeiten in der Verwaltung war dabei Pflicht. Die Kinder sollten so einen Überblick bekommen, sodass sie als zukünftige Vertreter der Stadt Einsichten in verschiedene Bereiche bekommen haben. Ebenfalls mussten zehn Unterschriften von Mitbürgern gesammelt werden. Die Wahl verlief höchst professionell, sogar original Wahlurne und -kabine wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt. 

Nach der Wahl hielt die gewählte Bürgermeisterin jeden Tag eine Sitzung mit den Stadträten. Dort wurden von den Kindern selbst getroffene Beschlüsse vereinbart. Gleich einer der ersten Beschlüsse war zum Beispiel das Verbot des Megafons im Gebäude, da die Bürgermeisterin viele Lärmbeschwerden bekam. Außerdem wurde beschlossen einen Sicherheitsdienst einzuführen, dieser muss erst eine Ausbildung zum Streitschlichter absolvieren, bevor er zum Dienst zugelassen wird.

Gibt es die Spielstadt auch im nächsten Jahr?

Nach einem dreiviertel Jahr Vorbereitung und guter Zusammenarbeit von Kreisjugendring Donau-Ries, der Kommunalen Jugendarbeit und dem Landratsamt war die Spielstadt ein voller Erfolg, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Ein Lehrer des Gymnasiums, der selbst seine Kinder für die Spielstadt angemeldet hat sagt: „Dieses Angebot ersetzt zwei Jahre Sozialkundeunterricht“ . "Der Mix aus Bildung und Spaß ist eine optimale Hinführung für die Zukunft. Die Kinder sind am Abend platt von all den Eindrücken und Erlebnissen, aber freuen sich schon auf den nächsten Arbeitstag in der Spielstadt. Die Spielstadt nächstes Jahr wieder zu veranstalten wäre für Kinder, Eltern und den Verantwortlichen ein echter Traum",  Daniela Benkert,Stadtjugendpflegerin.  

 

von Anna-Lena Liebermann, Praktikantin