Kultur

Alte Handwerkskunst wird in Oettingen lebendig

Der Schmied formt glühendes Metall in Kunst und Alltagsgegenstände
Bild: Historischer Markt Oettingen e.V.
Beim Historischen Markt zeigen rund 70 Handwerker alte Techniken und echte Handarbeit. Besucher können entdecken, ausprobieren und erleben, wie aus einfachen Materialien kunstvolle Werke entstehen.

Der Historische Markt in Oettingen (15. bis 17. Mai 2026) ist eine Zeitreise: Für ein Wochenende geht es zurück in das geschäftige Treiben vergangener Jahrhunderte mit offenen Feuerstellen und dem konzentrierten Arbeiten der Handwerker. In den Gassen entsteht eine lebendige Kulisse, in der nicht nur zugeschaut, sondern entdeckt und ausprobiert werden darf – mitten in der historischen Kulisse Oettingens.

Handwerk zum Mitmachen und Entdecken

Rund 70 Handwerker sind in diesem Jahr vertreten. Sie zeigen alte Techniken, führen jahrhundertealte Fertigkeiten vor und laden Besucherinnen und Besucher zum Mitmachen ein. Gerade für Kinder wird Geschichte hier greifbar: Sie können Papier schöpfen, selbst den schweren Hammer des Schmieds führen und staunen, wie aus einfachen Materialien kunstvolle Werke entstehen.

„Die Handwerker sind das Herzstück unseres Marktes“, betont der erste Vorsitzende des Vereins Historischer Markt Oettingen, Christoph Schaffer. „Ich wähle sie persönlich aus und engagiere sie gezielt, um eine möglichst authentische Atmosphäre zu schaffen. Es geht uns darum, die alte Zeit nicht nur darzustellen, sondern erlebbar zu machen.“

Und das gelingt: Wo der Glasbläser aus glühender Masse filigrane Formen entstehen lässt, der Drechsler mit ruhiger Hand Holz in Form bringt und der Steinmetz scheinbar mühelos den harten Stein bezwingt, wird deutlich, wie viel Geschick und Erfahrung in diesen Berufen steckt. Jedes dieser ehrbaren Handwerke zeugt von einer langen Tradition, wurde über Generationen bewahrt und wird am Historischen Markt zum Leben erweckt.

Vielfalt historischer Handwerksberufe

Von Bader bis Zinngießer reicht die Vielfalt der vertretenen Zünfte. Darunter finden sich auch heute kaum noch bekannte Berufe wie Netzknoter, Sarwürker oder Punzierer. Sie zeigen, wie spezialisiert und vielfältig das Handwerk im Mittelalter war – und wie sehr sich die Arbeitswelt seitdem verändert hat. Während heute industrielle Fertigung und Massenware dominieren, entstanden früher Einzelstücke in aufwendiger Handarbeit. Genau diese Individualität fasziniert viele Besucher bis heute.

Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist ein Handwerk, das erstmals auf dem Markt zu sehen ist: der Küfer, auch Böttcher oder Büttner genannt. Er fertigt Holzgefäße wie Fässer und Bütten. Mit großer Präzision werden gebogene Dauben zusammengefügt, Böden eingepasst und alles mit Reifen stabilisiert.

Selbst kleinste Details wie Nuten oder Öffnungen für Zapfhahn und Spund müssen exakt gearbeitet sein, damit das Fass dicht hält. Es ist ein Handwerk, das sowohl Kraft als auch Fingerspitzengefühl erfordert und heute nur noch selten „live“ zu erleben ist

Vom Handwerkermarkt zum großen historischen Ereignis

Der Historische Markt hat seine Wurzeln in den 1980er Jahren, als er ursprünglich als reiner Handwerkermarkt ins Leben gerufen wurde. Ziel war es damals, die Innenstadt zu beleben und attraktiver zu machen. „Die Handwerker bleiben ein zentraler Bestandteil des Konzepts“, sagt Vereinsvorstand Schaffer, auch wenn sich der Historische Markt stetig weiterentwickelt hat und größer geworden ist. (dra)

Das ganze Programm und die Liste aller gezeigten Handwerksberufe ist online zu finden: www.historischermarkt-oettingen.de