Es ist ein Fund, der ein neues Kapitel der frühen Nördlinger Stadtgeschichte aufschlagen könnte: Bei Bauarbeiten vor dem Gebäude Baldinger Straße 19 sind Mauerreste entdeckt worden, die möglicherweise zur staufischen Stadtbefestigung oder zu einem vorgelagerten Turm beziehungsweise einer Befestigungsanlage gehörten. Sollte sich die Vermutung bestätigen, könnten die Mauerreste aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen und damit rund 800 Jahre alt sein.
„Besonders vielversprechend ist ein unmittelbar dabei gefundener Eichenholzpflock. Er könnte erstmals eine genauere zeitliche Einordnung der Anlage ermöglichen und damit womöglich neue Erkenntnisse darüber liefern, wann mit dem Bau der staufischen Stadtbefestigung begonnen wurde“, erklärt Dr. Manfred Woidich vom zuständigen Archäologiebüro. Die gefundene Mauer ist etwa 80 bis 90 Zentimeter breit und weist damit eine ähnliche Stärke auf wie die vermuteten Reste der staufischen Hauptmauer im Bereich „Beim Eichbrunnen“.
Oberbürgermeister David Wittner erklärt das weitere Vorgehen: „Der Eichenpflock soll nun dendrochronologisch untersucht werden. Anhand der Jahresringe des Holzes lässt sich im Idealfall bestimmen, wann der verwendete Baum gefällt wurde. Damit könnte der Fund einen wichtigen zeitlichen Anhaltspunkt für die Entstehung der Befestigungsanlage liefern.“ Dass sich das Holz über Jahrhunderte erhalten hat, ist den besonderen Bodenverhältnissen zu verdanken. Der Fund lag in der sogenannten Egerschwemmschicht. Der dortige Feuchtboden bietet sehr gute Erhaltungsbedingungen für organische Materialien und ist damit ein wertvolles „Archiv“ für die Stadtarchäologie.
Die komplette Nördlinger Altstadt als Bodendenkmal
Die staufische Stadtmauer umschloss die mittelalterliche Stadt, bevor Nördlingen über diese Grenzen hinauswuchs. Mit der späteren Stadterweiterung verlor die ältere Befestigung ihre Funktion. Teile der Mauer wurden abgetragen beziehungsweise geschleift und der zugehörige Graben verfüllt.
Da die gesamte Nördlinger Altstadt als Bodendenkmal ausgewiesen ist, werden die Arbeiten archäologisch begleitet. Im weiteren Verlauf der Baumaßnahme können daher noch weitere Funde und Befunde zutage treten. (dra)