Archäologie

Wie alt ist Nördlingens erste Stadtmauer wirklich? Ein Eichenpfahl gibt Aufschluss

Die gefundene Mauer samt dem Rest des Holzpflocks (dunkle Stelle rechts oben neben der Mauer) Bild: Christina Atalay / Stadt Nördlingen
Überreste der ersten Nördlinger Stadtmauer wurden nicht zum ersten Mal gefunden. Ein Eichenpfahl macht den Fund jedoch zu etwas Besonderem. Es ist auch ein Blick in die Ursprünge des heutigen Nördlingens.

Erst vor wenigen Tagen wurden bei Baumaßnahmen in der Baldinger Straße Überreste der alten Nördlinger Stadtmauer gefunden. Am Freitag konnte bereits erste Auskunft bezüglich der Datierung gemacht werden. Ermöglicht hatte dies ein Eichenpfahl, der in den Überresten gefunden wurde. „In den 1970ern wurden schon mehrfach Teile der Stadtmauer freigelegt“, erklärte Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler bei der Präsentation im Nördlinger Stadtmuseum. „Aber nun haben wir zum ersten Mal die Möglichkeit der Datierung.“

Damit könnte nun eine Antwort auf eine spannende Frage gegeben werden, die Oberbürgermeister David Wittner stellvertretend für die Stadt stellt: „Wann wurde die sogenannte Staufermauer erbaut?“ Die Antwort könnte lauten: 1246!

Ein Eichenpfahl macht den Fund so besonders

Vor der Baldingerstraße 19 wurden die Überreste der Stadtmauer entdeckt. Bild: Manuel Habermeier

Auf dieses Jahr wurde der Eichenpfahl infolge einer dendrochronologischen Untersuchung im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in Thierhaupten von Dr. Johann Friedrich Tolksdorf datiert. „Es ist nicht üblich, dass ein Fundstück in der Geschwindigkeit untersucht wird“, sprach David Wittner hierfür seinen Dank aus.

Der gute Erhaltungszustand des Holzes liegt an der örtlichen Gegebenheit, wie Dr. Manfred Woidich, der die Baumaßnahmen archäologisch begleitet, erklärte. In der Egerniederung herrscht demnach eine starke Bodenfeuchtigkeit, weswegen das Holz nicht mit Sauerstoff in Berührung kam und damit vorm Zerfall verschont blieb. Und der Boden schützte das Holz nicht nur vor der Luft, wie Dr. Woidich mit einem Lächeln gestand: „Es war Schwerstarbeit, den Pfahl herauszubekommen.“ Am Ende musste eine Baggerschaufel aushelfen und zwei große Radialstücke konnten – in Folie eingewickelt – nach Thierhaupten gebracht werden.

Allerdings gibt der Eichenpfahl keine schlussendliche Antwort auf das Alter der Stadtmauer, die sich in einer Breite von 80 bis 85 cm um die damalige Stadt zog. „Er könnte von einem Baugerüst stammen oder nachträglich angebracht worden sein“, so Dr. Woidich. Ebenso ist nicht geklärt, ob die Mauerreste direkt von der Stadtmauer oder einem Vorwerk stammen. Dies werden erst weitere Grabungen beantworten. Eins ist aber klar: Die Mauer muss demnach so alt wie der Pfahl oder älter sein.

Ein Blick in die Ursprünge des heutigen Nördlingens

Und damit gibt der Fund einen spannenden Einblick in die Zeit, als Nördlingen seinen Aufstieg zu einem Handels- und Wirtschaftsplatz begann, der die Stadt bis heute prägt. Eng verbunden ist der Aufstieg mit Kaiser Friedrich II., der Nördlingen 1215 aus dem Besitz des Bischofs von Regensburg erwarb und damit in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zurückführte. „Das Selbstverständnis Nördlingens wird bis heute von Kaiser Friedrich II. geprägt“, betonte David Wittner die Bedeutung dieses Moments.

Im Jahr 1219 wird erstmal eine Nördlinger Pfingstmesse erwähnt und Nürnberger Kaufleuten die Erlaubnis erteilt, in ihrer Währung in Nördlingen Handel zu treiben. Ein Beweis dafür, dass die Stadt zu diesem Zeitpunkt schon überregionale Bedeutung für den Handel besaß.

Die alte Stadtmauer wird zu eng für Nördlingen

Um 1250 herum ist Nördlingen dann bereits über die alte Stadtmauer hinausgewachsen. Diese stand etwa 18-20 m stadteinwärts vom heutigen inneren Ring. Die Häuser auf der Ringinnenseite wurden im damaligen Graben errichtet, die Straße selbst führte außerhalb der Stadtmauer um den Graben herum.

Bereits 1327 musste aufgrund des enormen Wachstums eine neue Stadtmauer errichtet werden, die bis heute besteht und die einzige durchgängig begehbare Stadtmauer Deutschlands darstellt. Im kommenden Jahr feiert sie ihr 700-jähriges Jubiläum. Das Vorgängerbauwerk hält noch das ein oder andere Geheimnis bereit. Allerdings wurde nun „ein weiteres Puzzleteil“, wie es Dr. Moosdiele-Hitzler ausdrückte, hinzugefügt.

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