In Hürnheim startet der Betreuungsdienst Schenk Pädagogik & Therapie aus Nördlingen ein neues Wohnprojekt. Dabei handelt es sich um eine Wohngemeinschaft von Klienten, die in einem eigens angemieteten Haus zusammenleben und von Sozialwirt und Projektinitiator Thomas Schenk und seinen Mitarbeitern ambulant unterstützt werden. Schwiegertochter Alina Kühlinger ist als Sozialpädagogin und stellvertretende Geschäftsführerin ebenfalls an dem Projekt beteiligt.
Im Landkreis ist es das einzige Wohnangebot seiner Art im ländlichen Raum – obwohl der Bedarf hierfür gegeben ist, wie Thomas Schenk betont: „Viele wollen mit anderen wohnen, aber auch im ländlichen Raum bleiben.“ Alina Kühlinger fügt noch hinzu: „Bei diesen Krankheitsbildern sind Gewohnheiten sehr ausgeprägt. Es ist schon eine große Leistung, wenn sie aus dem gewohnten Haus ausziehen.“
Mehrere Klienten unter einem Dach in Hürnheim
Angedacht ist dieses Pilotprojekt für Klienten, die bereits von dem Pflegedienst betreut werden. Dabei handelt es sich um über 20 Menschen mit geistiger oder psychischer Beeinträchtigung. In dem Haus in Hürnheim finden drei Personen Platz. Die Bewohner werden vom Pflegedienst vorher ausgewählt, um ein reibungsloses Zusammenleben zu gewährleisten. Dafür gibt es vorher auch noch Kennenlerntreffen. Zudem sollen die Bewohner bei eventuellen späteren Bewohnerwechseln ein Mitspracherecht haben.
Das Zusammenleben findet auf rund 100 m2 samt zugehörigem Garten statt. „Wir wollen uns nicht verstecken. Ein ganz normales nachbarschaftliches Verhältnis“, hofft Alina Kühlinger auf eine harmonische Entwicklung.
Vorteile für die Klienten und den Betreuungsdienst
Daneben sehen die Verantwortlichen des Projekts aber auch weitere Vorteile. Zum einen ergibt sich für die Bewohner die Möglichkeit einer kostengünstigeren Unterkunft. Die Klienten schließen mit dem Betreuungsdienst einen normalen Mietvertrag ab. Betreuungskosten sind hierin nicht enthalten, da dies gesetzlich nicht erlaubt ist. Der Betreuungsvertrag wird wie bisher separat abgerechnet.
Für den Betreuungsdienst ergibt sich hieraus eine bessere Nutzung der Betreuungszeit. Mehrere Anfahrtswege entfallen. Zudem können bei einem Besuch und einer Betreuungsmaßnahme mehrere Klienten miteinbezogen werden. Ein weiterer Vorteil für den Betreuungsdienst: Es besteht die Möglichkeit, Notfallunterkünfte anzubieten. Aktuell wohnt bereits eine Klientin in Hürnheim, da diese in ihrer Wohnung in Nördlingen einen Wasserschaden hatte. „Da waren wir froh, dass wir das relativ schnell anbieten konnten – obwohl noch nicht alles fertig ist. Aber es ist zumindest mal eine Lösung“, so Thomas Schenk.
Weitere Wohngemeinschaften sind angedacht
Sollte sich das Pilotprojekt in Hürnheim als erfolgreich erweisen, sind auch weitere Angebote geplant. Dafür werden passende Objekte im Landkreis gesucht, die zu Wohngemeinschaften für zwei oder drei Personen umfunktioniert werden können. „Mehr Bewohner sind nicht gewünscht, da es sonst schwierig für uns wird“, steckt Thomas Schenk die Rahmenbedingungen ab und fügt noch einen weiteren Vorteil des Projekts an, obwohl er dies ausdrücklich nur als zufälligen Nebenaspekt sieht: „Mit solchen Projekten wird auch der Leerstand im ländlichen Raum angegangen.“
Allerdings soll das Projekt nicht um jeden Preis umgesetzt werden. Sollte es nicht funktionieren, wollen die Verantwortlichen nicht stur an dem Konzept festhalten. „Es ist auch für uns ein Lernfeld. Es geht ja um Menschen“, gibt sich Alina Kühlinger offen für eventuelle Veränderungen.
Dass dieses Konzept jedoch funktionieren kann und der Bedarf besteht, hat die erste Bewohnerin mit ihrem Noteinzug bereits unter Beweis gestellt. Ab 1. November zieht der erste reguläre Bewohner ein. Im neuen Jahr sind es dann drei Männer, die hier dauerhaft zusammenleben werden – als Wohngemeinschaft und schlussendlich auch Teil der Dorfgemeinschaft.