Ein Tag, der dem Gedächtnis der Menschheit gewidmet ist: Seit 1995 wird am 24. Oktober in Deutschland der „Tag der Bibliotheken“ begangen, initiiert vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Mehr als 10 000 Bibliotheken zählen heute zum kulturellen Fundament des Landes – Orte, die für den gebürtigen Nördlinger Schriftsteller Erich Pfefferlen, weit mehr sind als bloße Häuser voller Bücher. Er bezeichnet sie als „unverzichtbare Wissensspeicher, das Gedächtnis der Menschheit und Grundlage für Lernen und Fortschritt.“
In seinem Editorial der fünften Ausgabe der Zeitschrift literatur fetzen (Kulturmaschinen Verlag), das sich dem Thema „Verlorene Bibliotheken“ widmet, schreibt Pfefferlen über die Bedeutung literarischer Öffentlichkeit „Es ist ein Glück für unser Land, dass wir mit der Leipziger und vor allem der Frankfurter Buchmesse der aktuellen Bedeutung des Buches alljährlich einen weltweit sichtbaren Ausdruck verleihen“. Bibliotheken, sagt er, sind Räume mit einer „besonderen Ausstrahlung und Magie, großartige Informations-, Bildungs- und Kulturzentren.“ Der Verlust solcher Einrichtungen betreffe die gesamte Gesellschaft. Als Beispiel nennt er die Bücherverbrennungen des NS-Regimes am 10. Mai 1933, bei denen Werke verfolgter Autorinnen und Autoren aus ideologischen Gründen vernichtet wurden – ein Fanal der Barbarei, das bis heute nachhallt.
Immer wieder Zerstörung von Büchern und Bibliotheken
Doch die Zerstörung von Bibliotheken ist kein deutsches Alleinstellungsmerkmal: Auch weltweit kam und kommt es immer wieder zur Zerstörung von Büchern und Bibliotheken – etwa bei der legendären antiken Bibliothek von Alexandria, deren Bestände über Jahrhunderte durch Brände, Kriege und den historischen Wandel verloren gingen.
Trotz solcher Verluste bleibe ein zentraler Befund bestehen, meint Pfefferlen: „Bibliotheken sind unverzichtbar - so wie die Bücher in ihnen.“ Er ist überzeugt, dass gedruckte und digitale Bücher weiterhin nebeneinander existieren werden. Viele Menschen schätzten nach wie vor das Gefühl von Papier zwischen den Fingern. „Es ist ein Stück Natur.“
Dass die Lesekultur unter Druck steht, beobachtet der Autor mit Sorge. Die PISA-Studie 2026 bescheinigt Deutschland beim Lesen einen historischen Tiefstand. Für Pfefferlen ist das mehr als eine statistische Fußnote – es ist ein deutliches Warnsignal.
Erinnerungen an den ersten Bibliotheksbesuch in Nördlingen
Wie lebendig die Kraft es Lesens sein kann, zeigt seine prägnante Erinnerung an den ersten Bibliotheksbesuch, in der Stadtbibliothek seiner Heimatstadt Nördlingen. Als neu aufgenommenes Mitglied lieh er sich als erstes Buch Enid Blytons Die Burg der Abenteuer aus, das er mit Begeisterung las. Es folgten alle weiteren Bände, später Karl Mays Winnetou. Beim Lesen von Winnetou III habe er die Tränen nicht zurückhalten können, erzählt er. Gelesen hat er das Buch im Kinderzimmer, dicht am mit Holz beheizten Ofen, auf dem Boden zusammengekauert - eine Erinnerung, die bis heute nachklingt.
Erich Pfefferlen, wurde in Nördlingen geboren und hat dort seine Kindheit und Jugendzeit verbracht, lebt heute mit seiner Familie in Horgau/Augsburg. Auch wenn er inzwischen zahlreiche Auszeichnungen, wie die Ehrung durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kurst, renommierte Literaturpreise, auch internationale, wie die Masaoka-Shika-Medaille und den Duc-de-Richelieu-Preis für seine Lyrik, gewonnen hat, blieb er bis heute seiner alten Heimat Nördlingen und dem Ries treu verbunden. So hat er auch bei den diesjährigen Rieser Kulturtagen wieder einen Beitrag geleistet, mit seiner Lesung im Schloss Hochaltingen in Femdingen. (dra)