Namenspatronin

Ein Name als Verpflichtung: Namensweihung der Maria-Holl-Mittelschule Nördlingen

V.l.n.r.: Werner Luther (Eigner-Geschäftsführer), David Wittner (Oberbürgermeister Nördlingen), Marga Riedelsheimer (Rektorin), Wolfram Uhl (Eigner-Geschäftsführer) Bild: Manuel Habermeier
Mit Maria Holl hat die Mittelschule Nördlingen eine prominente Namenspatin bekommen. Der neue Name soll den Schülern bestimmte Werte vermitteln und die Augen für die Geschichte der Heimat öffnen.

Den neuen Namen trägt die Mittelschule Nördlingen bereits seit dem 1. August 2026. An diesem Donnerstag feierte die Schule in der Squindostraße jedoch ihre offizielle Namensweihung. Jetzt trägt sie auch nach außen weithin sichtbar den Namen Maria-Holl-Mittelschule Nördlingen. Neben den bisherigen Initialen MSN, die im 3D-Druck vor dem Eingang stehen, weist nun eine Stele samt neuem Logo auf den Namen hin. Wie bereits bei den Initialen hat hierfür auch Eigner Bau die Produktion übernommen.

Wie sehr der neue Name das Schulleben in den vergangenen Wochen bereits geprägt hat, betonte Rektorin Marga Riedelsheimer in ihren Grußworten. Logo, Briefkopf, Unterrichtsmaterialien, kaum ein Bereich der Schule blieb von der Neugestaltung verschont. Die wichtigste Veränderung soll aber in den Köpfen der Schüler und Lehrer stattfinden. „Der Name einer Schule ist nur ein Etikett. Ein Name macht eine Schule nicht aus“, erklärte Riedelsheimer und fügte hinzu: „Entscheidend ist, welche Werte, welche Bildung dahinter stehen und was in ihr gelernt, gelebt und vermittelt wird.“

David Wittner erinnert an Standhaftigkeit und Zivilcourage

Diese Aussage konnte David Wittner in seiner Rede nur bestätigen. Daher sieht Nördlingens Oberbürgermeister Maria Holl als geeignete Namenspatronin. „Maria Holl, sie steht für Mut, sie steht für Standhaftigkeit, sie steht für Zivilcourage. Sie hat sich nicht einschüchtern lassen, obwohl sie zu Unrecht beschuldigt, ausgegrenzt, verfolgt wurde.“ Zwar sei es vielleicht ungewöhnlich, eine Person zu wählen, die vor über 400 Jahren gelebt habe, aber „diese Botschaft, sie könnte aktueller nicht sein.“

Maria Holls Wirken in Nördlingen

1549 in Giengen an der Brenz geboren, gehört Maria Holl zu den großen Frauenfiguren der Nördlinger Geschichte.1586 kam sie nach ihrer Heirat in die Riesmetropole und wurde Gastwirtin am Weinmarkt in der ehemaligen Krone. Nur sieben Jahre später wurde sie von mehreren Frauen der Hexerei beschuldigt und 1594 im Rahmen der damals herrschenden Hexenverfolgung in Nördlingen angeklagt.

62-mal wurde sie unter Einsatz von Folter vernommen, ein Geständnis als Hexe legte sie nie ab. Verwandten aus Ulm hatte sie es schließlich zu verdanken, dass sie freigelassen wurde. Die Stadt Nördlingen fürchtete diplomatische Verwerfungen und erklärte am 11.10.1594 den Freispruch und die Freilassung Maria Holls. Sie selbst blieb in der Stadt, bis sie 1634 im Alter von 85 Jahren verstarb.

Der Freispruch Holls stellte auch eine Zäsur in der Nördlinger Hexenverfolgung dar, wie Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler einordnete. Demnach gab es 35 Hexenverurteilungen in Nördlingen – darunter 34 Frauen und ein Mann. 33 Verurteilungen fanden vor 1594 statt, danach nur noch zwei. „Hätte sie weitere Frauen beschuldigt, so wie andere, hätte die Verfolgungswelle sicher noch viel größere Ausmaße angenommen.“

Werte und ein neuer Blick auf die eigene Umgebung

Damit steht Maria Holl für Werte, die die Maria-Holl-Mittelschule Nördlingen ebenfalls ihren Schülern vermitteln will. Zudem sollen Schüler durch die Namensgebung auch einen neuen Blick auf ihre unmittelbare Umgebung bekommen, wie Dr. Moosdiele-Hitzler anmerkt: „Ab sofort gehört euer Schulname Maria Holl auch zu so einem Erinnerungszeichen, die zum Nachdenken anregen. Gerade im Fall Maria Holls wird deutlich, dass hinter allem, was passiert und was wir tun, urmenschliche Verhaltensweisen stehen, die immer schon so waren und wohl auch immer so sein werden, nämlich Neid, Missgunst, Eifersucht, Sympathie, Antipathie.“

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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