Wahlkampfauftakt

Von Storch besucht AfD-Wahlkampfauftakt in Tapfheim: "Regierungsübernahme ist nur eine Frage des Wann"

Zum Ende der Veranstaltung stellten sich Ulrich Singer (l.) und Beatrix von Storch den Fragen der anwesenden Gäste. Bild: Thomas Oesterer
Beatrix von Storch machte am Montagabend Wahlkampf für die AfD in Tapfheim. Während im Gasthaus Adler zahlreiche Sympathisant*innen ihre Rede verfolgen, demonstrieren davor fast 200 Personen gegen Hass und Hetze.

Rund 200 Menschen sind am Montagabend nach Tapfheim gekommen, um dort gegen den AfD-Wahlkampfauftakt mit der Bundespolitikerin Beatrix von Storch im Gasthaus zum Adler zu protestieren. Bezirksrat Albert Riedelsheimer (Grüne) hatte die Demonstration unter dem Motto „Für Demokratie und Toleranz – gegen Hass und Hetze“ angemeldet. Seit vergangener Woche hatten auch weitere Parteien und Organisationen zur gemeinsamen Teilnahme aufgerufen, darunter der Ortsverband der SPD Tapfheim, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Omas gegen Rechts sowie der Kreisverband der Linken.

Friedliche Kundgebung mit klarer Haltung

Neben Vertreterinnen und Vertretern politischer Gruppierungen beteiligten sich auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Tapfheim und der Umgebung an der Kundgebung. Gemeinsam demonstrierten sie friedlich, jedoch mit einer klaren Haltung gegenüber der AfD. Dabei blieb es nicht aus, dass Gäste des AfD-Wahlkampfauftakts regelmäßig mit Pfeifkonzerten und „Nazis raus“-Rufen empfangen wurden. Die einhellige Meinung der Teilnehmenden vor Ort: Die Demonstration sollte eine klare Botschaft senden – wir dürfen nicht aufhören, für Demokratie zu kämpfen.

Mitorganisator Riedelsheimer erklärte dazu: „Wir wollen unsere Demokratie verteidigen. Die freiheitlichen Grundwerte sind in Europa und den USA so gefährdet wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Deshalb müssen alle Demokratinnen und Demokraten aufstehen und sich wehren.“

Hochrangiger AfD-Besuch im Gasthaus Adler

Während die Demonstration im Freien noch bis 19:30 Uhr andauerte, begann pünktlich um 19 Uhr der Wahlkampfauftakt der AfD mit hochrangigem politischen Besuch. Mit Beatrix von Storch war die aktuelle stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag ins Donau-Ries gekommen. Die Bundestagsabgeordnete befindet sich derzeit auf Wahlkampftour durch Bayern und trifft dabei häufig auf ein ähnliches Bild: Applaus von den eigenen Anhängern, Buh-Rufe von Demonstrierenden. 

Politisch setzte die AfD im Landkreis Donau-Ries mit dem Besuch von Beatrix von Storch ein deutliches Zeichen. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Partei in diesem Jahr erstmals breit aufgestellt in den Kommunalwahlkampf geht. Die AfD tritt mit Ulrich Singer als Landratskandidaten an und stellt zudem jeweils eine Liste für den Kreistag, den Donauwörther Stadtrat sowie den Tapfheimer Gemeinderat.

Im voll besetzten Saal des Gasthauses Adler erklärte Marco Fänger, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Donau-Ries: „Unser Kreisverband kann Wahlkampf. Wir werden einen starken Wahlkampf abhalten – da können die da draußen schreien, wie sie wollen.“

Seitenhiebe und AfD-Wahlkampfthemen

Auch Landratskandidat Ulrich Singer ging in seiner Rede auf die Demonstration ein. Diese sei die beste Werbung für die AfD-Veranstaltung gewesen, die man sich habe vorstellen können. Anschließend stellte Singer die zentralen Themen seines Wahlkampfteams vor. Unter dem Motto „Komm, wir retten unsere Heimat“ kritisierte er unter anderem die aus seiner Sicht zu hohe Bezirksumlage. Als Ursache nannte er steigende Sozialkosten, die er vor allem auf „illegale Massenmigration“ zurückführte – eine Argumentation, die im Publikum auf deutlichen Zuspruch stieß.

Unerwähnt blieb dabei, dass gestiegene Ausgaben auch eine Folge verschärfter sozialer Standards sind. Den Vorwurf, die AfD liefere keine Inhalte, wies Singer entschieden zurück. Er verglich die Wahlflyer seiner Partei mit denen des CSU-Kreisverbands: Während die AfD mit klaren politischen Inhalten werbe, setze die CSU lediglich auf Personen, so Singer.

Von Storch übt Kritik an Leitmedien

Schließlich trat Beatrix von Storch unter großem Applaus ans Pult. Die Reaktion zeigte: Hier wurde eine Politikerin gefeiert wie ein Popstar. In ihrer Rede stellte die 55-Jährige eine weiter steigende Zustimmung zur AfD – insbesondere auch in Bayern – in Aussicht und erklärte, es sei nur noch eine Frage des Wann, nicht des Ob, bis die AfD Regierungsverantwortung übernehme. Ziel sei es, Deutschland zu „retten“ und die politische Entwicklung grundlegend zu wenden.

Zudem übte von Storch scharfe Kritik an den etablierten Medien. Sie skizzierte einen aus ihrer Sicht grundlegenden Verlust von Meinungsfreiheit, Realitätsbezug und demokratischer Ordnung in Deutschland, der auch auf das Handeln der sogenannten Altparteien zurückzuführen sei. Diese würden Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht mehr über klassische Leitmedien wie Tagesschau, Süddeutsche Zeitung oder FAZ informierten, als überfordert oder fehlgeleitet darstellen. Passend dazu fragte von Storch ins Publikum: „Wer von Ihnen guckt die Tagesschau und denkt, es stimmt, was die senden?“ Von den mehr als hundert Anwesenden meldete sich letztlich niemand.

Gegen 21:30 Uhr erinnern nur noch die Absperrbänder an die Demonstration, die hier wenige Stunden zuvor stattgefunden hatte. Und doch bleibt ein deutliches Bild zurück: Die politischen Gräben scheinen tiefer denn je – sinnbildlich dafür stand an diesem Abend die Ulmer Straße, die durch Tapfheim verläuft und Demonstrierende und AfD-Anhänger voneinander trennte. Für welche "Seite" sich die Bürgerschaft entscheidet, wird dann spätestens am 8. März sichtbar. 

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

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