Tag der Deutschen Einheit

Nördlingen feiert 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Stollberg

Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner (r.) überreicht Stollbergs Bürgermeister Marcel Schmidt eine Torte als Begrüßungsgeschenk. Bild: Thomas Oesterer
Bereits seit vielen Jahren existiert zwischen Nördlingen und Stollberg eine harmonische Städtepartnerschaft. Am Tag der Deutschen Einheit wurde jetzt das 30-jährige Jubiläum mit einem Festakt begangen.

Mit dem Mauerfall 1989 geschah vor 33 Jahren in Deutschland das, was zuvor viele Jahrzehnte für undenkbar gehalten wurde. Unvergessen sind bis heute die Bilder der demonstrierenden DDR-Bürger*innen, die sich friedlich für ihre Freiheit einsetzten, Bilder der Menschen am Brandenburger Tor, die sich weinend in den Armen liegen. Bereits ein Jahr später, am 03. Oktober 1990, wurde aus BRD und DDR nicht nur ein geeintes Deutschland, es entstanden auch zahlreiche Freundschaften zwischen Städten, Gemeinden und Kommunen. Im Stadtsaal Klösterle wurde am Montag - dem Tag der Deutschen Einheit - passenderweise die 30-jährige Städtepartnerschaft zwischen Nördlingen und Stollberg gefeiert. Dabei sorgten nicht nur die Nördlinger Gastgeber sondern auch ihre Gäste aus der ehemaligen DDR für ein buntes Programm, das neben all der Unterhaltung auch zum Nachdenken anregen sollte.

 

Anfänge der Städtepartnerschaft neu interpretiert

Die Stollberger Schauspielgruppe "Thea(l)ternativ" hatte im Vorfeld ein ganz besonderes Theaterstück erarbeitet. In drei kurzweiligen Akten wurden die Anfänge einer wunderbaren Städtepartnerschaft nacherzählt, natürlich immer mit einem kleinen Augenzwinkern. So ereignete es sich - zumindest laut Erzählung - dass Vertreter aus Stollberg ursprünglich mit den Wunschkandidaten Aichach und Donauwörth in Kontakt treten wollten und dafür mit ihrem Trabi zu einer Telefonzelle in "den Westen" nach Hof reisten. Dort angekommen, konnten sie keinen der Wunschkandidaten per Telefon erreichen. Auf der Suche nach einer neuen Partnerstadt wählte der damalige Bürgermeister Matthias Wirth blind die Stadt Nördlingen aus dem vorliegenden Telefonbuch - der Rest ist Geschichte.

Eine Geschichte, die sich laut Nördlingens Oberürgermeister David Wittner schnell zu einer echten Freundschaft entwickelte: "Der Schwerpunkt unserer Städtepartnerschaften liegt schon seit langer Zeit nicht mehr auf Verwaltungshilfe und Ähnlichem, sondern in der Pflege von Kontakten zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Einrichtungen und den Mitgliedern der Stadträte. Unserer Freundschaft wurde auf eine breite gesellschaftliche Basis gestellt und mit persönlichem Engagement gelebt und getragen", so Wittner. Damit warb das Stadtoberhaupt auch aktiv für die Städtepartnerschaften Nördlingens. Diese seien laut OB nach wie vor zeitgemäß und durchaus zukunftsorientiert.

Die Stollberger Schauspielgruppe "Thea(l)ternativ" sorgte mit ihrem Auftritt für einige Lacher. Bild: Thomas Oesterer

Mit gutem Beispiel voran gehen

Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt wagte während seiner Ausführungen zunächst einen Blick in die Vergangenheit und erinnerte dabei an die großen Gegensätzlichkeiten der BRD und DDR, die teilweise noch bis heute nachwirken würden. So erklärte Schmidt, dass die Menschen im Osten anders mit Krisen umgehen würden als die im Westen. Dies läge vor allem daran, dass man im Westen die Erfahrung gemacht habe, aus Krisen gestärkt hervorzugehen. Im Osten sei das Gegenteil der Fall gewesen. Gerade in Bezug auf die aktuelle Situation in der Ukraine sei dieser Blick in die Vergangenheit aktueller den je. "Gerade jetzt könnte die Bundesrepublik als gutes Beispiel vorangehen und zeigen, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat. Nördlingen und Stollberg könnten sich hier führend mit einbringen", so Schmidt.

Rückblick auf eine bewegte Geschichte

Außerdem konnte der ehemalige Nördlinger Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel für einen kurzen Vortrag gewonnen werden. Für Sponsel der wohl letzte offizielle Vortrag im Auftrag der Stadt. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der DDR und der BRD nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ging er auf die bedeutendsten historischen Ereignisse im Vorfeld des Mauerfalls ein. Er erinnerte an die die Flüchtlinge in Ungarn, an das 40-jährige Jubiläum der DDR und an die Entmachtung von Erich Honecker. Trotzdem gilt bis heute die Pressekonferenz von Günther Schabowski als "Punkt, der alle Dämme brechen ließ". Auf Nachfrage eines italienischen Journalisten, ab wann die neuen Reiseregelungen gelten würden, antwortete Schabowski damals: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich."

Die Geschehnisse, die im Nachgang folgten, sind ebenso Geschichte wie die Anfänge der Städtefreundschaft zwischen Stollberg und Nördlingen. Was aus Hilfe zur Selbsthilfe begann, sei mittlerweile ein Spiegelbild des Zusammenwachses zwischen Ost und West, so Sponsel.

Neuer Freundschaftsbaum in Nördlingen gepflanzt

Als krönender Abschluss wurde im Anschluss an den offiziellen Teil ein neuer Freundschaftsbaum im Garten des Nördlinger Finanzamtes gepflanzt. Neben David Wittner und Marcel Schmidt waren dazu auch die beiden Nördlinger Alt-Oberbürgermeister Paul Kling und Hermann Faul eingeladen. Beide hatten in ihren jeweiligen Amtsperioden großen Anteil an der bis heute andauernden Freundschaft mit der Partnerstadt Stollberg.

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums zwischen Nördlingen und Stollberg wurde im Garten des Nördlinger Finanzamtes ein neuer Freundschaftsbaum gepflanzt. Bild: Thomas Oesterer