Ausgerechnet gegen das Schlusslicht sollte der nächste Heimsieg her. Stattdessen erlebten die Eigner Angels Nördlingen gegen die Giro Panthers Osnabrück einen Basketballabend zum Vergessen. Mit 63:79 unterlag der Tabellenachte den Niedersächsinnen und blieb dabei über weite Strecken den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit an diesem Tag schuldig. Besonders bitter: Nach dem durchaus ansprechenden Auftritt bei der Niederlage in Saarlouis bedeutete die Vorstellung gegen Osnabrück einen deutlichen Rückschritt.
Dabei hatte Angels-Trainer Rudolfs Rozitis vor der Partie die Richtung unmissverständlich vorgegeben: „Attacke, Attacke, Attacke!“ Doch statt druckvollem Offensivbasketball bekamen die Zuschauer zunächst ein Festival der Fehlwürfe und Ungenauigkeiten zu sehen. Schon nach drei Minuten lagen die Gastgeberinnen mit 2:9 zurück, zwei Minuten später hieß es 5:14. Osnabrück, bislang das offensivschwächste Team der Liga, nutzte die Nördlinger Defensivschwächen konsequent aus.
Vor allem eine Spielerin drückte der Begegnung ihren Stempel auf: Sabrina Haines. Die Amerikanerin hatte vor ihrem Gastspiel im Ries in der laufenden Saison insgesamt gerade einmal 48 Punkte gesammelt. Gegen die Angels sollte sie diese Ausbeute an einem einzigen Nachmittag um weitere 31 Zähler erhöhen. Bereits im ersten Viertel steuerte sie zehn Punkte bei. Stefanie Kuleszas Dreier zum 11:18 in der achten Minute blieb einer der wenigen Nördlinger Lichtblicke. Nach zehn Minuten führte Osnabrück mit 23:13.
Auch im zweiten Viertel änderte sich wenig am Kräfteverhältnis. Stephanie McBride verkürzte zunächst von der Freiwurflinie, fand gegen die robuste Vanda Kristlova aber nur selten geeignete Mittel. Rozitis versuchte mit Spielerwechseln und Auszeiten gegenzusteuern, doch seine Mannschaft fand weder Tempo noch Treffsicherheit. Beim 16:29 in der 14. Minute und wenig später beim 16:33 musste der Angels-Coach seine Spielerinnen erneut zusammenrufen.
Dabei waren die personellen Voraussetzungen der Gäste alles andere als optimal. Lediglich acht Akteurinnen standen Osnabrücks Trainerin Jill Lorent zur Verfügung, zudem war Johanna Langenbehn bereits in der 15. Minute mit vier Fouls belastet. Dennoch kontrollierten die Panthers das Geschehen nahezu nach Belieben. Haines erhöhte in der 18. Minute per Dreier auf 40:17. Erst ein 7:0-Lauf der Gastgeberinnen brachte den Rückstand bis zur Halbzeit auf 24:40 zurück.
Nach der Pause bot sich den Zuschauern ein vertrautes Bild. Nördlingen leistete sich weitere Offensivfouls, während Osnabrück von außen nahezu nach Belieben traf. Jessica Schiffer versenkte zwei Dreier, Haines legte ebenfalls aus der Distanz nach. In der 23. Minute stand es 29:52. Selbst die Umstellung auf Zonenverteidigung brachte die Gäste nicht aus dem Rhythmus. Rozitis nahm weitere Auszeiten, doch der Abstand blieb beträchtlich. Immerhin gelangen den Angels nun einige erfolgreiche Distanzwürfe. Als Bianca Helmig in der 28. Minute auf 44:60 verkürzte, unterbrach Lorent den Nördlinger Aufwind umgehend mit einer Auszeit.
Zur letzten Viertelpause hatten die Panthers ihre Führung wieder auf 64:44 ausgebaut. Damit hatten sie ihren bisherigen Saisonschnitt von 60,3 Punkten bereits nach 30 Minuten übertroffen. Im Schlussabschnitt schien zumindest die Foulproblematik der Gäste noch eine späte Chance zu eröffnen. In der 35. Minute musste Langenbehn beim Stand von 53:73 mit ihrem fünften Foul ausscheiden, wenig später folgte ihr Kristlova. Doch auch diese personelle Schwächung brachte die Angels nicht entscheidend näher heran. Geburtstagskind Makyah Williams traf in der 36. Minute zwar zum 56:73 von jenseits der Dreipunktelinie, doch die Antwort der Panthers folgte prompt.
Die endgültige Krönung ihrer außergewöhnlichen Vorstellung setzte Haines in der 38. Minute mit zwei erfolgreichen Freiwürfen zu ihren Punkten 32 und 33. Sie war die überragende Akteurin einer Osnabrücker Mannschaft, die mit nur acht Spielerinnen angereist war und dennoch einen ungefährdeten Auswärtserfolg feierte.
Für Nördlingen blieb nach dem 63:79 vor allem Ernüchterung. Die Angels, die im Schnitt 70,5 Punkte erzielen, blieben offensiv deutlich unter ihren Möglichkeiten und offenbarten einmal mehr gravierende Defensivprobleme. (dra)
Es spielten für die Eigner Angels Nördlingen:Pauline Mayer ( 0 ), Bianca Helmig (10), Eva van Oosten (0), Stephanie McBride (12/11Rebounds), Ines Alvarez (0), Marta Riviera (0), Jana Koch (4 / 1 Dreier), Magdalena Körbel (0), Makiyah Williams (18 / 1 Dreier), Stefanie Kulesza (19 / 2 Dreier), Rosina Ortelli.
Freiwürfe: 22/29 (76%);
Rebounds: 35; Wurfquote: 18 /58 (31% ), davon 25% Dreier ( 5 / 20)
Bei Osnabrück waren am Auffälligsten:
Sabrina Haines (33/4 Dreier), Jessika Schiffer (14 / 4 Dreier); Iris Vennema (14)
Freiwürfe: 15/17 (88%), Rebounds: 33, Wurfquote 45 % (28 / 62), davon Dreier 35 % (8 / 23)