Seit Dienstagnachmittag ist die älteste Brücke der Stadt Nördlingen sowohl für Einwohner als auch für Touristen wieder begehbar. Mit einer feierlichen Zeremonie wurde die Brücke über die Eger bei der Neumühle, die im Amtsdeutsch NÖ18 heißt, nach knapp vier Monaten Sanierungsarbeiten wieder freigegeben. „Mit der Brückensanierung haben wir ein Stück Nördlinger Geschichte bewahrt und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Brücke eine Zukunft hat“, zeigte sich Oberbürgermeister David Wittner erfreut – zumal das Projekt innerhalb der gesetzten Frist abgeschlossen werden konnte.
Begonnen hatten die Baumaßnahmen am 26. Mai und zogen sich bis zum 11. September. Seine Anfänge hatte das Projekt jedoch schon vor zwei Jahren genommen. Damals wurde im Stadtrat diskutiert, wie mit der Brücke weiter verfahren werden soll. Unter anderem stand auch ein Neubau im Raum, dem aber der Denkmalschutz im Wege stand. So wurde eine Sanierung beschlossen, die den historischen Kern behält, aber die Brücke gleichzeitig fit für die Zukunft macht.
Ein Stück moderner Ingenieurskunst mit historischem Kern
Als Kosten wurden 300.000 Euro veranschlagt. „Das war kein Pappenstiel“, ordnete David Wittner die Summe ein. 206.000 Euro wurden durch Fördergelder aufgebracht. Unter anderem beteiligten sich die Städtebauförderung, der Bezirk, der Landkreis und der Denkmalschutz an den Kosten. Zudem hatte Stadtbaumeister Jürgen Eichelmann noch eine gute Nachricht, die Gesamtkosten für die Sanierungsmaßnahme blieben unter den veranschlagten 300.000 Euro.
Dafür hat die Stadt Nördlingen nun ein Stück moderne Ingenieurskunst mit historischem Kern bekommen. Um Druck vom historischen Brückengewölbe abzuleiten, wurden Pfähle in den Boden getrieben, zudem bediente man sich zweier neuartiger Materialien. Zum einen wurde Carbonbeton verwendet, der am Scheitel lediglich 5 cm Höhe aufweist. Klassischer Beton wäre hier auf 15 cm gekommen. Dazu wurde statt herkömmlicher Pflastersteine sandgestrahltes Pflaster verlegt, welches nur für 3 cm Höhe sorgt, statt 15 cm.
Diese beiden innovativen Methoden verringern den Scheitelpunkt insgesamt um 22 cm, womit die Steigung von 8,5 Prozent auf sieben Prozent gesenkt werden konnte. Zwar habe man die DIN-Vorgabe von sechs Prozent nicht erreichen können, „aber wir haben hier ein gutes Ergebnis für die Barrierefreiheit“, so Jürgen Eichelmann. Zumal die neue Brücke auch für Rettungskräfte ertüchtigt werden konnte.
Eine Brücke, die mehr als ein Verkehrsweg ist
Zu guter Letzt kann die Brücke jetzt auch in der Zukunft die Rolle einnehmen, die sie bereits seit ihrem Bau kurz nach dem 30-jährigen Krieg innehat. Sie ist nicht nur ein Verkehrsweg über die Eger, sondern auch ein Stück Heimat für die Nördlinger. Oder wie es Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler, Leiter des Stadtarchivs Nördlingen, ausdrückte: „An jedem Ort gibt es neuralgische Punkte, die unverbaut oder urtümlich sind. Unsere Vorfahren haben diese gepflegt, weswegen sie fest in unserer Erinnerung verankert sind. Diese Brücke ist so ein Ort.“ Wenn eine Gesellschaft solche Orte jedoch vergessen sollte, „leidet die Heimatverbundenheit“.