15. Oktober 2019, 09:56

Auf Tuchfühlung mit der fleischgewordenen Alexa

Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Theodor-Heuss-Gymnasiums sahen sich die Inszenierung „Der Sandmann“ im Staatstheater Nürnberg an. Bild: Konrad Fersterer/Staatstheater Nürnberg
Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen besuchten im Rahmen des kulturellen Bildungsprogramms, das von der Fachschaft Deutsch organisiert wird, das Staatstheater Nürnberg.

Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus der 12. Jahrgangsstufe des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen besuchten zusammen mit ihren Deutschlehrkräften die sehr anregende Inszenierung von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ im Staatstheater Nürnberg und konnten dabei erleben, wie scheinbar altmodische Motive aus der romantischen Literatur des 19. Jahrhunderts mit theatralischen Mitteln in die heutige Welt übertragen werden. So erschien die bei Hoffmann befremdlich wirkende Liebe der männlichen Hauptfigur zu einer Puppe im modernen Licht der emotionalen Abhängigkeit des digital vernetzten Menschen von einem Roboter bzw. einer fleischgewordenen künstlichen Intelligenz.

Das ganz aus der Perspektive der Hauptfigur inszenierte Stück unterstrich in aller Deutlichkeit die im schlimmsten Fall tödliche Wirkung unüberwindbarer Kindheitstraumata, die angesichts von Flüchtlingsströmen und Missbrauchsskandalen ebenfalls von großer Aktualität sind. Diese und einige andere Inszenierungsideen regten die jugendlichen Theatergäste zu intensiven Diskussionen über das Werk und seine Umsetzung an – schon allein insofern wurde ein wichtiges Ziel der Veranstaltung erreicht. (pm)