Theodor-Heuss-Gymnasium

Ungewöhnliche Aufführung von „Nathan der Weise“

Im Schlussbild des Dramas wird durch die verwandtschaftlichen Beziehungen der Figuren eindrücklich auch der Zusammenhang der monotheistischen Religionen dargestellt. Bild: Maximiliane Böckh
Zu einer ungewöhnlichen, aber beeindruckenden Theateraufführung kam es am Theodor-Heuss-Gymnasium. Die Neue Werkbühne München führte „Nathan der Weise“ auf und stand anschließend zu Gesprächen bereit.

Es gilt als zeitloses Plädoyer für Toleranz, Menschlichkeit und Glaubensfreiheit: Das Drama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing mag über 200 Jahre alt sein, hat aber doch nichts an Aktualität eingebüßt.

Dieses Theaterstück wird auch heute noch oftmals im Unterricht gelesen und besprochen, wenn es um die Epoche der Aufklärung geht. Als Ergänzung gab es nun für die zehnte und elfte Jahrgangsstufe des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen eine Inszenierung der Neuen Werkbühne München in der schuleigenen Aula zu sehen. Diese ist ein professionelles Tourneetheater für Schulen in Bayern und auf klassische bzw. literarische Stoffe spezialisiert.

Ungewöhnliche Aufführung von „Nathan der Weise“

Für die Aufführung hatte das Schauspielensemble ein einfaches und doch ausdrucksstarkes Bühnenbild, eine Collage aus aktuellen Jerusalem-Fotos und mittelalterlichen Bildern von Rittern, mitgebracht.

Das Stück selbst wurde auf etwa 75 Minuten gekürzt, das Personal auf die wesentlichen Figuren reduziert. Die Schauspieler fungieren teils als Erzähler, teils in Doppelrollen. Die Dialoge entsprechen Lessings Original im Blankvers, wurden aber durch erklärende Einschübe in moderner Sprache ergänzt, in denen Erzähler Hintergrundinformationen zu den Kreuzzügen sowie Religionskriegen, zu Fanatismus und Rassismus in der Gegenwart liefern.

Kombiniert wird diese ungewöhnliche Stückbearbeitung noch durch musikalische Untermalung; so begleitet „Bolero“ von Maurice Ravel die meisten Szenenwechsel und erhöht die Eindringlichkeit.

Schluss regt zum Nachdenken an

Besonders nachdenklich stimmen die Schlussworte, die einen Ausschnitt der Rede von Saul Friedländer, einem Holocaust-Überlebenden, im Deutschen Bundestag vom 31. Januar 2019 darstellen.

Im Anschluss an die Inszenierung führte Ansgar Wilk, der Leiter der Theatergruppe und der Schauspieler des Sultans Saladin, noch ein Werkstattgespräch, um Fragen zu Bühnenbild, den Textkürzungen, aber auch zum Beruf des Schauspielers zu klären. (dra)